Ex-Kandidat Thomas Klein „Unbequemes liegt dem Oberbürgermeister nicht“

Von Sebastian Stricker

Seine Mandanten haben ihn wieder – und sind offenbar froh darüber. Nach der gescheiterten Kandidatur als Oberbürgermeister von Osnabrück kann sich Thomas Klein wieder ganz auf seinen Beruf als Strafverteidiger konzentrieren. Foto: Michael GründelSeine Mandanten haben ihn wieder – und sind offenbar froh darüber. Nach der gescheiterten Kandidatur als Oberbürgermeister von Osnabrück kann sich Thomas Klein wieder ganz auf seinen Beruf als Strafverteidiger konzentrieren. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Am 22. September jährte sich die Wahl des Osnabrücker Oberbürgermeisters. Mit den fünf damaligen Kontrahenten von Sieger Wolfgang Griesert blicken wir zurück auf den Wahlkampf 2013 und die Zeit danach. Im vierten Teil unserer Serie verrät Thomas Klein, der damals als Kandidat der Grünen 12,0 Prozent der Wählerstimmen holte, warum seine Ehefrau erleichtert ist, was den Ratsherrn am neuen OB stört und welche politischen Ambitionen der Anwalt selbst noch hat.

Herr Klein, woran erinnern Sie sich beim Gedanken an den OB-Wahlkampf 2013?

Es war eine spannende und bereichernde Zeit, die ich in meinem Leben nicht missen möchte. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt – nicht zuletzt meine Mitbewerberin Birgit Bornemann. Und ich konnte mich mit einer Vielzahl kommunaler Themen – fast hauptberuflich – intensiv beschäftigen.

Woran denken Sie gern zurück? Und was hat Ihnen nicht gefallen?

Mir haben die zum Teil scharfzüngigen Debatten mit den anderen Kandidaten viel Spaß gemacht. Ich denke da etwa an Kalla Wefels „Heimatabend“ in der Lagerhalle . Es war aber auch ein sehr langer Wahlkampf mit vielen Terminen.

Welchen Einfluss hatte Ihre Kandidatur auf Ihr Leben, privat und beruflich?

In der Schlussphase des Wahlkampfes konnte ich meinem Beruf kaum noch nachgehen und war nur als Kandidat unterwegs . Aber vorher hatte ich trotzdem einen wunderschönen Urlaub; weit weg. Nach der Wahl habe ich die Erleichterung meiner Mandanten erlebt, ihnen als Rechtsanwalt erhalten zu bleiben. Erleichtert waren auch meine Kollegen und schließlich meine Frau.

Glauben Sie, dass Sie durch die Bewerbung in Osnabrück bekannter geworden sind?

Ich werde immer noch positiv auf meine Kandidatur angesprochen, und ich begegne vielen Menschen, die ich im Wahlkampf kennengelernt habe.

Wenn Sie sich Osnabrück im Herbst 2013 und heute anschauen: Was gefällt Ihnen? Was nicht?

Dank der aus meiner Sicht erfreulich verlaufenen Bürgerbefragung ist die Westumgehung nun Geschichte. Wir sind endlich in Sachen Neumarkt entscheidend weiter gekommen. Leider ist es so, dass einigen die persönlichen Vorteile wichtiger sind als die Entwicklung der Stadt.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert?

Als Repräsentant der Stadt Osnabrück macht er eine gute Figur; die OB-Kette steht ihm gut. Er geht offen auf alle Bürger und uns Ratsleute zu und sucht das Gespräch. In der Frage des Neumarkts halte ich sein widersprüchliches Abstimmungsverhalten für problematisch. Ich hätte mir gewünscht, dass er gegenüber seiner Partei souveräner auftritt. Im Streit um das Klinikum Dissen vermisse ich eine klare Aussage von ihm. Negativ besetzte Themen liegen ihm offenbar nicht; eher ein Eimer Eiswasser .

Was hätten Sie an seiner Stelle anders gemacht?

Ich hätte mich an die Spitze der Regenbogen-Koalition zum Neumarkt gestellt, um auch anderen Investoren gegenüber zu demonstrieren, dass es eine große Mehrheit in der Stadt gibt, die den Neumarkt endlich entwickeln will. Dasselbe gilt bei der Frage einer Machbarkeitsstudie zum Bürgerticket . Hier darf ein OB nicht bremsen, sondern muss bereit sein, neue Pfade zu gehen.

Wie beurteilen Sie Ihr persönliches kommunalpolitisches Engagement seit der OB-Wahl?

Es ist als Mitglied des Rates der Stadt Osnabrück unverändert auf hohem Niveau.

Würden Sie wieder für ein politisches Amt kandidieren? Wenn ja, für welches und warum?

Ich würde mich freuen, wenn die Grüne Partei mich wieder für die Kommunalwahl 2016 aufstellt, damit ich meine jetzige Ratsarbeit fortsetzen kann, die mir bei aller Belastung viel Spaß macht.

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