Jubel-Kantate wird uraufgeführt Sinfoniekonzert widmet sich Lortzing und der Freimaurerei

Von Ralf Döring

Hat die wechselhafte Geschichte von Lortzings Jubel-Kantate erforscht und aufgeschrieben: Jens Oberheide. Foto: MartensHat die wechselhafte Geschichte von Lortzings Jubel-Kantate erforscht und aufgeschrieben: Jens Oberheide. Foto: Martens

Osnabrück. Die neue Konzertsaison mit dem Osnabrücker Symphonieorchester beginnt mit einer „Sensation“ – so nannte das Chefdirigent Andreas Hotz. Die Begeisterung ist verständlich: Er darf die Uraufführung einer Kantate von Albert Lortzing dirigieren.

Die Geschichte beginnt in Leipzig. Oder in Detmold? In Osnabrück? Nun, wenigstens das Finale findet dort statt, das steht fest: Beim ersten Sinfoniekonzert der Saison 2014/15 erfährt die „Jubel-Kantate“ von Albert Lortzing ihre öffentliche Uraufführung.

Das impliziert, dass das Werk bereits eine Uraufführung hinter sich hat, allerdings eine nicht-öffentliche – und die hat tatsächlich stattgefunden: am 20. März 1841. Anlass war das 100-jährige Stiftungsfest der Leipziger Freimaurerloge „Minerva zu den drei Palmen“ , 700 Gäste hörten zu, und den zeitgenössischen Protokollen zufolge hat das 30-minütige Werk den „größten Beifall“ erzielt.

Nachzulesen ist das in dem Buch „Lortzings Jubel-Kantate“ von Jens Oberheide. Der einstige Großmeister der bedeutendsten deutschen Freimaurerloge bekam die Partitur des Werkes vor gut anderthalb Jahren in die Hand und hat sich daraufhin mit der Geschichte dieses Werks befasst. „Aus purer Begeisterung“, wie er sagt.

Der freimaurerische Hintergrund bringt nicht gerade Licht in die Angelegenheit: Zu Zeiten der Uraufführung war die Philosophie noch die, dass nichts aus dem Inneren einer Loge nach außen dringt. (Heute ist das anders; sonst gäbe es die Aufführung beim Sinfoniekonzert nicht.) Im Archiv der Leipziger „Minerva“-Loge war das Werk jedoch immer gelistet – bis 1935. In diesem Jahr verboten die Nazis die Freimaurerei, lösten die Logen auf und beschlagnahmten die Archive. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs schaffte die Rote Arme die Bestände nach Moskau; von da gingen sie zurück in die DDR, wurden nach der Wende der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben und dann schließlich den wiedergegründeten Freimaurerlogen.

Auch die „Minerva“ erhielt ihre Bestände zurück, doch Lortzings Jubel-Kantate fehlte. Offenbar wurde das, als die Loge in Pyrmont das Lortzing-Jahr 2001 mit eben jenem Werk begehen wollte: Die Partitur war verschwunden – sie ist es bis heute. Aufgetaucht ist aber eine Abschrift, und zwar in der Lippischen Landesbibliothek Detmold, wo Lortzing lange gewirkt hat und heute das Lortzing-Archiv beheimatet ist. Dort fand die Musikwissenschaftlerin Irmlind Capelle eine Kopie der Partitur sowie die Chorstimmen.

Und Osnabrück? Oberheide wollte die Uraufführung des Werks gerne nach Leipzig holen, in die Stadt, für deren Loge es komponiert worden war – übrigens „aus reiner Begeisterung für die Freimaurerei“, sagt er. „Lortzing hat kein Honorar genommen, sondern nur ein paar Flaschen Wein erhalten.“

In Leipzig mahlen die sinfonischen Mühlen indes recht langsam. Außerdem reklamierte Peter Doderer, Kulturmäzen und „zugeordneter Großmeister“, die Aufführung für Osnabrück. Denn „Lortzing wäre gern in Osnabrück geblieben“, sagt Oberheide. In seinem Buch schreibt er auch davon, wie Lortzing die Aufnahme in die hiesige Loge beantragt hatte. Dann engagierte ihn aber das Theater der Stadt Leipzig für „Bonvivants, junge und alte Chevaliers, junge Männer“, kurz: für das komödiantische Fach – die Zeit in Detmold mit Abstechern und zeitweiligen Aufenthalten in Osnabrück war damit zu Ende. Trotzdem „empfand er eine große Liebe zu Osnabrück“, sagt Doderer – Grund genug für die „Sensation“ der öffentlichen Uraufführung bei einem Konzert des Osnabrücker Symphonieorchesters.


1. Sinfoniekonzert: Montag, 29.9., 20 Uhr, in der Osnabrückhalle. Außerdem auf dem Programm: Blockflöten-Suite von Georg Philipp Telemann und die 2. Sinfonie von Robert Schumann. Solistin: Dorothee Oberlinger. Kartentel.: 0541/7600076Jens Oberheide: „Lortzings Jubelkantate“. Salier-Verlag. 104 Seiten, 14,90 Euro