Birgit Bornemann (SPD) „Ich bereue meine OB-Kandidatur keine Sekunde“

Von Sebastian Stricker

Hat die Wahlschlappe von 2013 verdaut: Birgit Bornemann, Geschäftsführerin des Studentenwerks Osnabrück. Foto: Michael GründelHat die Wahlschlappe von 2013 verdaut: Birgit Bornemann, Geschäftsführerin des Studentenwerks Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Am 22. September jährte sich die Wahl des Oberbürgermeisters. Mit den fünf damaligen Kontrahenten von Sieger Wolfgang Griesert (CDU) blicken wir zurück auf den Wahlkampf 2013 und die Zeit danach. Im dritten Teil unserer Serie erklärt Birgit Bornemann, die als Kandidatin der SPD erst in der Stichwahl mit 45,2 Prozent unterlag, wie sie den CDU-Wahlkampf erlebt hat, woran es aus ihrer Sicht in der Stadt nach wie vor hapert und warum sie als Rathaus-Chefin beim Thema Neumarkt anders entschieden hätte.

Frau Bornemann, welche Erinnerungen haben Sie an den OB-Wahlkampf 2013?

Es war ein langer Wahlkampf über acht Monate , in dem jede Minute verplant war. Ich denke gern an die vielen Begegnungen, Gespräche und Diskussionen zurück – bei Hausbesuchen, an Wahlkampfständen, mit Unternehmen, Vereinen, Kirchen und anderen Institutionen. Und an die große Unterstützung von vielen Menschen, die sich in meinem Wahlkampf engagiert haben, auch wenn sie nicht SPD-Mitglied sind. Besonders gerne denke ich an die gute und enge Zusammenarbeit mit den Grünen , insbesondere vor der Stichwahl.

Was hat Ihnen damals nicht gefallen?

Ich hatte den Eindruck, dass der Wahlkampf zum Teil geprägt war durch eine fulminante Werbe- und Materialschlacht der CDU : flächendeckende Plakate, Anzeigen, Fernsehspots und so weiter. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die inhaltliche Diskussion der Kandidaten, ihre unterschiedlichen Sachargumente und Positionen noch mehr im Vordergrund gestanden hätten. Dies zu erreichen, ist mir leider nicht gelungen.

Wie hat die Kandidatur Ihr Leben beeinflusst?

Während des achtmonatigen Wahlkampfes habe ich jede freie Minute in meine Kandidatur investiert. Da ich bis auf meinen sechswöchigen Jahresurlaub direkt vor der Wahl auch noch meine Aufgaben als Geschäftsführerin des Studentenwerkes in Osnabrück wahrgenommen habe, war das natürlich eine sehr intensive Zeit. Hier danke ich insbesondere meinem Mann, der mich in diesen Monaten zu 100 Prozent unterstützt hat.

Der Wahlabend und sein Ausgang waren natürlich enttäuschend , aber ich habe mich schnell gefangen und mich auf das Studentenwerk und meine Mitarbeiter gefreut. Mein privater Alltag wurde durch meine Kandidatur bereichert, da ich in dieser Zeit neue Freundschaften geschlossen und viele interessante Menschen und Projekte kennengelernt habe.

Glauben Sie, dass Sie durch die Bewerbung in Osnabrück bekannter geworden sind?

Ja, auf jeden Fall. Ich werde von vielen Menschen in Osnabrück gegrüßt, die ich oftmals nicht kenne, und werde auch nach einem Jahr noch auf meine Kandidatur angesprochen.

Was hat Ihnen die Kandidatur insgesamt gebracht?

Viele neue Erfahrungen, Begegnungen und Erkenntnisse. Außerdem einige zusätzliche Ehrenämter, die mir angetragen wurden und die ich gern übernommen habe.

Osnabrück damals und heute: Was gefällt Ihnen, was nicht?

In Osnabrück geht es weiter voran. Die Grundlagen für die Beseitigung des Stillstands am Neumarkt sind durch die Beschlüsse der Regenbogen-Koalition von SPD, Grüne, Linke, FDP, UWG und Piraten gelegt worden. Auch anderes wurde auf den Weg gebracht: Osnabrück ist aus meiner Sicht zum Beispiel vorbildlich bei den Bemühungen, zusätzliche Krippen- und Kitaplätze zu schaffen.

Beim Thema „bezahlbarer Wohnraum“ ist aus meiner Sicht noch sehr viel zu tun. Osnabrück ist eine lebendige Stadt mit Ausstrahlung, wenn es auch in Zukunft genügend Wohnungen zu erschwinglichen Preisen gibt – für Familien, Studierende und die Älteren unter uns mit kleiner Rente. Hier sollten alle Potenziale genutzt werden, um neue bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen und alte Wohnungen zu modernisieren und – wenn notwendig – barrierefrei und altersgerecht zu gestalten.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Wolfgang Griesert?

Der Wahlkampf ist vorbei, und als ehemalige Kandidatin möchte ich seine Arbeit nicht öffentlich bewerten. Im Interesse von Osnabrück wünsche ich dem Oberbürgermeister eine gute Hand.

Was hätten Sie denn anders gemacht?

Als Oberbürgermeisterin hätte ich mich unter anderem für notwendige Investitionen in die Infrastruktur der Stadt stark gemacht. Wenn ein Investor bereit ist, eine dreistellige Millionensumme in die Entwicklung des Neumarkts zu investieren und dadurch den Stillstand und das marode Erscheinungsbild zu beenden, hätte ich jedenfalls mit Ja gestimmt.

Wie beurteilen Sie Ihr persönliches kommunalpolitisches Engagement seit der OB-Wahl?

Als gebürtige Osnabrückerin liegt mir die Entwicklung der Stadt besonders am Herzen. Daher interessiere ich mich weiterhin sehr für die Kommunalpolitik und bringe mich bei Bedarf gerne ein.

Würden Sie wieder für ein politisches Amt kandidieren? Wenn ja: Für welches und warum?

Ich habe es als große Ehre empfunden, dass die SPD mich gebeten hat, für das Amt der Oberbürgermeisterin zu kandidieren. Diese Entscheidung für die Kandidatur 2013 bereue ich keine Sekunde. Die Frage, ob ich noch einmal für ein politisches Amt kandidieren würde, kann ich nicht so allgemein beantworten. Das käme auf die konkrete Aufgabe und den Zeitpunkt an.

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