Festival Musica Viva in Hagen Main Barockorchester spielte „Vier Jahreszeiten“

Von Jan Kampmeier


Hagen a.T.W. Das Main Barockorchester Frankfurt und sein Leiter Martin Jopp gastieren bei Musica Viva in der ehemaligen Kirche Hagen. Mitgebracht haben sie zwei Suiten von Telemann und einen barocken Dauerbrenner. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“.

Mainstream, sagt Festivalleiter Herbert Vieth, doch nur einmal sei das Stück bisher bei Musica Viva im Programm gewesen, und das sei etwa 20 Jahre her. Am Beginn des Konzerts steht jedoch eine Orchestersuite von Georg Philipp Telemann . Auch sie hat einen Titel: „La Bouffonne“. Das Main Barockorchester Frankfurt spielt an diesem Abend mit vier Violinen und zwei Bratschen, und im Vergleich dazu ist die Bassgruppe mit Violone, Cello, Cembalo und Laute recht üppig besetzt und sorgt für ein sattes Fundament.

Die Ouvertüre prägen stimmige Tempoverhältnisse zwischen dem schreitenden Rahmenteil und einer geschwinden Episode in der Mitte. Originell ist die Tempowahl später, wenn der Fluss bald zäh und klebrig, bald hastig voranstolpernd wirkt, ganz bewusst als humorvoller Effekt eingesetzt. Das Cembalo ist quasi das Perkussionsinstrument des Barockorchesters. In sanfteren Abschnitten schweigt es, der Kontrast zum dominierenden, munteren Charakter der Musik ist so enorm. Ganz besonders wird im Finale mit diesen Gegensätzen gespielt.

Dann kommt der Frühling. Er kommt sanft und definitiv nicht zu flott daher. Überhaupt spielt das Main Barockorchester Frankfurt eher entspannt als schwungvoll. Besonders Martin Jopp, Leiter und bei Vivaldis Jahreszeiten auch Solist des Orchesters, dehnt und verzögert das Tempo immer wieder.

Die Jahreszeiten werden in der Mitte geteilt: Frühling und Sommer gibt’s vor der Pause, Herbst und Winter danach. Doch zuvor steht wiederum eine Suite von Telemann. Und die, das merkt man dabei besonders deutlich, scheint das Orchester viel frischer anzugehen. Oder der Eindruck täuscht, schließlich ist diese Musik lange nicht so vertraut wie Vivaldis Jahreszeiten.

Schließlich also Herbst und Winter. Der langsame Abschnitt im ersten Herbst-Satz ist hier wirklich langsam und sehr, sehr leise. Tja, das hat schon was.

Und dazu lässt Martin Jopp seine Finger auf dem Griffbrett seiner Geige von einem Ton zum nächsten rutschen und zieht die Töne ineinander – mal was anderes! Auch das Adagio, der Mittelsatz, ist sehr ruhig, fast statisch. Doch in der trüben Moll-Stimmung und den langen Liegetönen und der interessanten Harmonik baut dieses langsame Tempo gut Spannung auf.

Ziemlich locker und flott klingt dagegen der langsame Satz im Winter. Und in dessen letztem Satz schließlich lässt das Orchester den etwas gemütlichen Gestus hinter sich und spielt ein turbulentes Finale