Mehrsprachige Information für Anwohner Neue Informationspolitik vor Bombenräumung in Schinkel

Von Nils Stockmann

Über die Bombenräumung am Sonntag informiert die Stadt mit mehrsprachigen Plakaten und hofft, dass so mehr Anwohner rechtzeitig ihre Wohnung verlassen. Archiv-Foto: Friso Gentsch/dpaÜber die Bombenräumung am Sonntag informiert die Stadt mit mehrsprachigen Plakaten und hofft, dass so mehr Anwohner rechtzeitig ihre Wohnung verlassen. Archiv-Foto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück. Am Sonntag, den 28. September müssen erneut Tausende Osnabrücker wegen einer geplanten Bombenentschärfung ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Nachdem es bei der letzten Räumung Probleme mit der Anwohnerinformation gegeben hatte, schlägt die Stadt nun neue Wege ein.

Rund 6000 Personen sind am Sonntag von der Evakuierung im Osnabrücker Stadtteil Schinkel betroffen. Bis 10 Uhr müssen sie ihre Wohnungen und Häuser verlassen haben, dann beginnen Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW mit der Kontrolle des Evakuierungsgebietes. Erst wenn sie das OK geben, kann mit der Freilegung der vermeintlichen Bombe begonnen werden.

Bei der vergangenen Bombenentschärfung, die am 31. August ebenfalls im Schinkel stattgefunden hatte, hatte es genau bei diesem Prozedere Probleme gegeben. Einerseits waren der Stadt Fehler bei der Erstellung einer Karte des Evakuierungsgebietes unterlaufen, woraufhin Anwohner nicht damit gerechnet hatten, evakuiert zu werden. Im Nachhinein stellte die Stadt dann klar, dass nicht die digital erzeugte Karte, sondern die veröffentlichte Liste von Straßen und Hausnummern Gültigkeit hat. Das wird entsprechend auch bei dieser Evakuierung gelten, auch wenn Karte und Liste einer ersten Überprüfung nach ohnehin übereinstimmen.

Andererseits waren es besonders Anwohner mit Migrationshintergrund, die im August offenbar nicht über die geplante Räumung informiert waren. Die Stadt hofft, dieser Problematik nun durch eine mehrsprachige Information der Anwohner beizukommen. Zusätzlich zu Flugblättern in deutscher Sprache, die an jeden Haushalt verteilt werden, informieren fünfsprachige Aushänge über die Evakuierung. „Als Reaktion auf die Kritik nach der letzten Räumung haben wir uns entschlossen neben Deutsch zusätzlich in Türkisch, Russisch, Englisch und Französisch zu informieren“, erklärt Sven Jürgensen vom Presseamt der Stadt. Diese Plakate würden an ausgewählten Orten aufgehängt, beispielsweise in Einkaufsläden oder Mehrfamilienhäusern. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Räumungen normalerweise auch ohne diese Maßnahme gut funktioniert haben. Wir werden jetzt aber noch mal einen Versuch starten und dann die Reaktion abwarten“, so Jürgensen.

Große Hoffnung setzt die Stadt auch in eine bessere Information der Anwohner untereinander und bittet darum, insbesondere ältere und ausländische Nachbarn über die Räumung zu informieren.

Vorbereitungen laufen

Abseits von der Information laufen die Vorbereitungen für die Räumung bereits auf Hochtouren. Während die genaue Koordination der Einsatzkräfte noch in Arbeit ist, laufen an der Fundstelle bereits die Vorbereitungen. Am Dienstagabend sollen Container aufgestellt werden, um die umliegenden Gebäude bei einer möglichen Sprengung zu schützen. Genauere Angaben zur Art und Beschaffenheit der vermeintlichen Bombe gibt es indes noch nicht. Erst am Sonntag wird das gefundene Objekt endgültig freigelegt. Dabei werde es zunächst keine Probleme geben, ist Jürgen Wiethäuper, Kampfmittelexperte der Stadt Osnabrück, sicher. Sollte es sich bei dem gefundenen Objekt tatsächlich um eine Bombe handeln, ist diese wohl bedeutend größer als der im August entschäfte Sprengkörper. „Anhand der uns vorliegenden Daten gehen wir von einer Bombe von mindestens 250 Kilo aus“, sagte Wiethäuper.


Für die Dauer der Räumung am Sonntag hat die Stadt ein Evakuierungszentrum im Schulzentrum Sonnenhügel eingerichtet. Für bettlägerige und kranke Personen bestehen Transportmöglichkeiten, die vorher angemeldet werden müssen. Während der Maßnahme informiert die Stadt über ihre Internetseite und in sozialen Netzwerken über den Fortschritt der Entschärfung. Außerdem ist ein Bürgertelefon unter der Nummer 0541/3233331 eingerichtet. Auf noz.de berichten wir in einem Liveticker direkt aus dem Evakuierungsgebiet und über alle Hintergründe der Räumung.