Ex-OB-Kandidat Robert Seidler „Ich sagte FDP-Chef Lindner, er soll es lassen“

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Im Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters von Osnabrück konnte sich Robert Seidler 2013 nur schlecht verkaufen. Mit 2,2 Prozent der Stimmen wurde er Letzter. Foto: NOZ-ArchivIm Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters von Osnabrück konnte sich Robert Seidler 2013 nur schlecht verkaufen. Mit 2,2 Prozent der Stimmen wurde er Letzter. Foto: NOZ-Archiv

Osnabrück. Am 22. September jährte sich die Wahl des Osnabrücker Oberbürgermeisters. Mit den fünf damaligen Kontrahenten von Sieger Wolfgang Griesert (CDU) blicken wir zurück auf den Wahlkampf 2013 und die Zeit danach. Im zweiten Teil unserer Serie verrät Robert Seidler, der als Kandidat der FDP 2,2 Prozent der Wählerstimmen holte, warum er noch immer mit seinem Ergebnis hadert, was die Stadtwerke von ihm gelernt haben und was er von seiner Partei wirklich hält.

Herr Seidler, OB-Wahlkampf 2013: Was geht Ihnen da spontan durch den Kopf?

Es war eine sehr gute Gelegenheit, mit vielen Bürgern in Kontakt zu kommen und verschiedene Themenbereiche zu diskutieren. Das sollte nicht auf Wahlkampfzeiten beschränkt werden.

Woran denken Sie gern zurück? Was hat Ihnen nicht gefallen?

Gern denke ich an intensive politische Gespräche zurück. Nicht gefallen hat mir die Umfrage kurz vor der Wahl, bei der aus meiner Sicht nicht sauber zwischen Meinungen zur Bundestagswahl und Oberbürgermeister-Wahl getrennt wurde. Das fand ich unprofessionell.

Welchen Einfluss hatte die Kandidatur auf Ihr Leben, beruflich und privat?

Keinen.

Glauben Sie, dass Sie dadurch in Osnabrück bekannter geworden sind?

Nein.

Vergleichen Sie Osnabrück im Herbst 2013 und heute.

Mir gefällt, dass ich mit meiner Veranstaltung im September 2013 zur Induktion bei Elektrobussen offensichtlich die Stadtwerke überzeugen konnte, endlich von der veralteten Oberleitungstechnik Abstand zu nehmen . In der Zwischenzeit haben die Verantwortlichen unnötig Geld verbrannt.

Wenn sie jetzt allerdings für Elektrobusse mit Batterien aus China werben, sehe ich neue Probleme auf uns zukommen. Ich habe schon vor 14 Jahren vor den Pflastersteinen aus China gewarnt, die in der Großen Straße verlegt wurden. Niemand in Osnabrück wünscht sich ein neues Desaster mit Batterien aus China.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Rathaus-Chef Wolfgang Griesert?

Einen neuen Oberbürgermeister beurteilt man nicht nach einem Jahr, da so manche Angelegenheit längere Zeit in Anspruch nimmt. Zudem ist das keine Frage an befangene Gegenkandidaten, sondern an die Bürger.

Was hätten Sie anders gemacht als er?

Auf meiner Tagesordnung stand unter anderem die Neugestaltung von Bahnhofsvorplatz und Berliner Platz sowie eine Grünanlage am alten Güterbahnhof mit vielen Freizeitangeboten. Außerdem die Übernahme der Schulmaterialkosten für arme Kinder aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets bei gleichzeitiger Einsparung von Verwaltungskosten.

Wie beurteilen Sie Ihr persönliches kommunalpolitisches Engagement seit der OB-Wahl?

Nach einem so intensiven Einsatz muss man politisch etwas kürzertreten. Mein kommunalpolitisches Engagement beschränkt sich seitdem wieder auf den Vorsitz des Osnabrücker Vereins „Kinder in Not“.

Würden Sie wieder für ein politisches Amt kandidieren?

Grundsätzlich ja, weil ich ein politischer Mensch bin . Für welches Amt, kann man nie voraussagen. Es gäbe aber für mich eine Voraussetzung: An der Bundesspitze der FDP muss sich vorher etwas zum Positiven ändern. Nur dann rechtfertigt sich der Aufwand einer Kandidatur. Die FDP wird vorrangig als Bundespartei wahrgenommen. Derzeit haben wir aber den schlechtesten Bundesvorstand aller Zeiten. Ich habe Christian Lindner schon vor einem Jahr gesagt, dass er es nicht kann und lassen soll. Er war anderer Auffassung. Die Wahlergebnisse der Europawahl und der letzten drei Landtagswahlen zeigen aber, dass die Mehrheit der Wähler meiner Auffassung zu sein scheint.

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