Bürgerstiftung sucht Namen Den Osnabrücker Löwenpudel gibt es jetzt als Stofftier

Von Nils Stockmann

Sie wollen den Löwenpudel wieder ins Gedächtnis rufen (von links): Olaf Thielsch, Johannes-Heinrich Rahe, Simone Körber und Klaus Lang. Foto: Hermann PentermannSie wollen den Löwenpudel wieder ins Gedächtnis rufen (von links): Olaf Thielsch, Johannes-Heinrich Rahe, Simone Körber und Klaus Lang. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Seit mehr als 1200 Jahren wird die Legende des Osnabrücker Löwenpudels erzählt. Vielen jungen Stadtbewohnern ist die Geschichte aber heute nicht bekannt. Das will die Bürgerstiftung Osnabrück nun gemeinsam mit der Sparkasse ändern und hat den Löwenpudel als Stofftier entwerfen lassen. Nur einen Namen braucht er noch.

„Wir wollen dieses Wahrzeichen Osnabrücks wieder stärker in Erinnerung bringen“, erklärte der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Klaus Lang. Für den „Neuosnabrücker“, wie er sich selber nennt, war die Statue am Domplatz anfangs ein Orientierungspunkt: „Mir wurde immer gesagt: Komm, wir treffen uns am Löwenpudel.“

So wie Lang gehe es vielen Osnabrückern, vermutet Johannes-Heinrich Rahe von der Sparkasse. Als die Bürgerstiftung das Projekt vorstellte, sei die Sparkasse sofort bereit gewesen, dies zu unterstützen: „Nun werden wir das Stofftier zum Weltspartag am 30. Oktober verschenken.“ Er hofft, damit Kindern die Osnabrücker Stadtgeschichte ohne erhobenen Zeigefinger näherbringen zu können.

Dem niedlichen Stofftier fehlt aber noch etwas ganz Wichtiges – ein Name. „Deswegen haben wir Kindergärten und Schulen in Osnabrück angeschrieben und aufgefordert, sich Gedanken zu machen“, sagte Simone Körber, die das Projekt für die Bürgerstiftung leitet. Der Kreativität der Kinder sollen keine Grenzen gesetzt sein: „Wer sich eine Geschichte überlegen oder etwas malen und basteln will, darf das gerne machen.“

Als Anreiz hat die Sparkasse Preise für die drei besten Vorschläge ausgelobt. „Eine Jury wird ab dem 10. Oktober entscheiden, welche die besten Ideen sind – die Gewinner dürfen sich dann über Geld für die Klassenkasse freuen“, sagt Körber.

Außerdem möchte die Bürgerstiftung auch ältere Osnabrücker einladen, ihre Erfahrungen mit dem Löwenpudel zu teilen. „Aus persönlichen Erfahrungen und Gesprächen wissen wir, dass für viele der Löwenpudel eine besondere Bedeutung hat: das erste Treffen oder der erste Kuss“, berichtete Lang. Wer etwas mit dem Löwenpudel verbindet, könne das der Bürgerstiftung berichten: „Wie wir die Geschichten aufbereiten, haben wir zwar noch nicht entschieden, aber wir möchten die Einzigartigkeit des Löwenpudels auch durch persönliche Erlebnisse in Erinnerung rufen.“

Das Stofftier, das nun 10000-mal produziert wird, hat der Osnabrücker Künstler Olaf Thielsch entworfen. Auch für ihn ist der Löwenpudel kein Unbekannter: „Zum ersten Mal wirklich wahrgenommen habe ich ihn wie die meisten im Heimatkundeunterricht. Danach hatte ich aber noch mal mit ihm zu tun.“ Vor vier Jahren gestaltete er für den Landschaftsverband eine Sagenkarte – mit dabei war natürlich auch der legendäre Löwenpudel.

Den zu einem Stofftier zu machen, war keine einfache Aufgabe. In mühevoller Arbeit zeichnete Thielsch die Statue nach und gestaltete dann die kuschelige Figur. Dabei sei „kuschelig“ nicht unbedingt das hervorstechendste Merkmal des Osnabrücker Löwenpudels, wirft Klaus Lang ein. Es heiße schließlich „stark wie ein Löwe, mutig wie ein Pudel“. Lang ist sich sicher: „Das sind Eigenschaften, die den Charakter der Osnabrücker widerspiegeln.“


Die Löwenpundel-Legende hat ihren Ursprung in der Zeit Karls des Großen. Demnach wollte der Herrscher die Osnabrücker bestrafen, die in seiner Abwesenheit wieder Kontakte zu den heidnischen Sachsen geknüpft hatten. Karl schwor, bei seinem Einzug in die Stadt dem ersten entgegenkommenden Lebewesen den Kopf abzuschlagen. Allerdings war dies seine Schwester, die ihm entgegentrat, um Gnade für die Osnabrücker zu erbitten. Ein Pudel, der heransprang und dem Herrscher die Hand leckte, bewahrte Karl schließlich davor, seine eigene Schwester zu enthaupten. Aus Dank gegenüber dem Hund schufen die Osnabrücker ihm ein Denkmal und nannten ihn fortan Löwenpudel. Diese Legende wird im Osnabrücker Raum seit dem achten Jahrhundert erzählt. Eine erste Erwähnung einer Statue auf dem Domplatz findet sich aus dem Jahr 1331. Die aktuelle Statue ist eine Nachbildung des Osnabrücker Bildhauers Lukas Memken aus dem Jahr 1929.