Osnabrück in der Literatur (7) Historische Romane: Rebellion in der Friedensstadt

Von Anne Reinert

Ärger um das Rathaus gibt es auch in einem Buch von Heiko Schulze.Foto/Archiv: Gert WestdörpÄrger um das Rathaus gibt es auch in einem Buch von Heiko Schulze.Foto/Archiv: Gert Westdörp

Osnabrück. Es gibt sie, die Romane, die Osnabrück zum Schauplatz ihres Geschehens machen. In unserer Sommerserie stellen wir eine Auswahl dieser Werke vor. In dieser Folge machen wir eine Zeitreise: mit historischen Romanen, die zurück ins Osnabrück längst vergangener Tage führen.

Manche Menschen halten Osnabrück für einen langweiligen Ort. Der Kabarettist Horst Evers etwa. „Ist Einsamkeit dein größtes Glück, geh nachts allein durch Osnabrück“, singt er in „Niedersachsen“. Weder einsam noch langweilig geht es in dem historischen Osnabrück zu, das Autoren in ihren Büchern beschreiben.

Bei Heiko Schulze begehren untere Schichten gegen die Obrigkeit auf. Das ist in seinem Roman „Lenethun“ (2011, Geest-Verlag) so, der ins Jahr 1488 führt. Zusammen mit dem Gaukler Bruno Bringewat betreten die Leser das Osnabrück, in dem das heutige Rathaus gebaut wird. Ein Protzbau, für den die Bürger zahlen müssen, was Konflikte herbeiführt. Zum Aufstand kommt es schließlich, als die vormaligen Gemeindeweiden eingezäunt werden und die Ackerbürger ihr Vieh plötzlich nicht mehr zum Weiden auf die Stoppelfelder in der Feldmark treiben können.

Akribisch recherchiert

Schulze hat akribisch recherchiert und lässt das Spätmittelalter lebendig werden. Auch in seinen anderen Romanen erzählt er von wahren Ereignissen, die er aus einer Sicht darstellt, wie sie in den Dokumenten der Machthaber nicht zu finden ist: in „Feder und Hobel“ (2009) von Johann Heinrich Schucht, der einen Arbeiterbildungsverein gründete, in „Der geplatzte Kragen“ (2007) von einem Arbeiteraufstand.

Äußerst erfolgreich ist der in Bramsche lebende Michael Wilcke. Drei seiner fünf im Aufbau-Verlag veröffentlichten Bücher spielen in Osnabrück.

Derjenige, der ausschließlich hier angesiedelt ist, ist sein erfolgreichster: In „Hexentage“ (2003) geht es um einen scheinbaren Hexenwahn, der in der Stadt losgebrochen ist. Mehrere Frauen werden hingerichtet, und auch Anna Ameldung, eine angesehene Apothekersfrau, sitzt im Kerker. Tatsächlich hat der Bürgermeister ganz eigene Interessen an den Hinrichtungen.

Auch bei Wilcke ist das alte Osnabrück wiederzuerkennen – ob es nun Alt- oder Neustadt ist. In Osnabrück und Münster spielen seine Romane „Die Falken Gottes“ (2007) und „Die Frau des Wiedertäufers“ (2013). Ersteres führt in die Zeit, als der Westfälische Friede verhandelt wurde. Wilckes jüngstes Buch ist im 16. Jahrhundert angesiedelt.

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