Fest der Kulturen Gesichter und Geschichten aus aller Welt in Osnabrück

Von Markus Strothmann


Osnabrück. Mit einem bunten Bühnenprogramm, Spezialitäten aus aller Welt und Informationen zu den dazugehörigen Ländern zieht das Fest der Kulturen die Osnabrücker in Scharen auf den Marktplatz.

Auf der großen Bühne zeigen Tänzerinnen in traditionellen Trachten, wie in ihren Heimatländern getanzt wird. Bei der Vielzahl an Teilnehmern verschiedener Nationalitäten kommt nicht jeder zum Zug, aber in schnellem Wechsel folgt eine Showeinlage auf die nächste, sodass sich viele Tanzgruppen präsentieren können. Unter anderem sehen die Besucher spanische, polnische und philippinische Folkloretänze; Capoeira Osnabrück begeistert mit brasilianischem Kampftanz das Publikum.

Am Stand des Vereins für Bildung und Kultur Atatürk riecht es verlockend: Ibrahim Tutam grillt Köfte. Seine Freizeit opfert er gern für den Anlass. „Wir sind oft bei kulturellen Veranstaltungen und organisieren auch Podiumsdiskussionen oder beschäftigen uns mit den Problemen von Migranten“, sagt Tutam. Auch der Vorsitzende von Atatürk, Ali Güzel, steht persönlich in dem kleinen Pavillon und bereitet türkische Delikatessen zu.

Alle paar Schritte schnuppert man andere Düfte, am liebsten würde man sich einmal von vorne bis hinten durchfuttern – leider aussichtslos angesichts des Angebots an Essen aus Uganda, Vietnam und Russland, um nur einige zu nennen. Das gemeinsame Feiern steht im Vordergrund, gut gelaunt und entspannt lassen sich die Besucher zwischen den Ständen treiben oder verfolgen die Auftritte von Musikern und Tanzgruppen.

Aber bei allem friedlichen Miteinander wird auf dem Marktplatz auch deutlich, dass es eine andere Seite der internationalen Medaille gibt: Mehrere Hilfsorganisationen sind vor Ort und informieren die Besucher über die jeweiligen Tätigkeiten. „Willkommen in Osnabrück“ bewirbt der Stand der Stadt sein Infoheft für Migranten; wenige Meter weiter erinnern Aktivisten der Gruppe No Lager daran, dass auch in Osnabrück Abschiebungen zum Tagesgeschäft gehören, und werben für die Abschaffung von Heimen und Lagern wie dem in Hesepe bei Bramsche, wo Flüchtlinge auf engem Raum und unter widrigen Bedingungen leben müssen.

Nebenan klärt Amnesty International auf über die „Stop Folter“-Kampagne, mit der die Organisation Regierungen auffordert, Maßnahmen gegen Folter zu ergreifen; aus 141 Ländern lägen glaubwürdige Berichte von entsprechenden Misshandlungen vor. Viele Besucher interessieren sich neben dem ansprechenden Kulturprogramm auch für diese Themen. Dass das Fest der Kulturen diesen Bereich nicht ausspart, rundet die Veranstaltung ab, und bei schönem Wetter und vietnamesischem Bier lässt sich der Osnabrücker die Feierlaune sowieso nicht so schnell verderben.