Faszinierend, böse, menschlich Erfolgsautor Ferdinand von Schirach liest in Osnabrück

Von Thomas Wübker

Rechtsanwalt und Erfolgsautor: Ferdinand von Schirach kommt am Sonntag nach Osnabrück. Foto: dpaRechtsanwalt und Erfolgsautor: Ferdinand von Schirach kommt am Sonntag nach Osnabrück. Foto: dpa

Osnabrück. Die meisten Menschen betrachten die Juristerei als eine trockene Materie. Das ist sie in vielen Fällen auch. Der Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach gibt in seinen Büchern Einblick in eine Welt von Menschen, die sonst verborgen bleibt. Am Sonntag, 28. September, liest er im Theater in Osnabrück. Dann stellt er sein neues Buch „Die Würde ist antastbar“ vor, in dem er auch über seinen Großvater schreibt, den ehemaligen Reichsjugendführer und Gauleiter von Wien, Baldur von Schirach.

Die Welt, in die Ferdinand von Schirach seine Leser führt, ist eine Welt voller Verbrechen, Gewalt und Schuld, die die Protagonisten auf sich laden. Es ist eine Welt, die Otto Normalverbraucher von Gangsterfilmen oder Krimis zu kennen glaubt, aber sie ist real. Und genau dies macht den Reiz von Ferdinand von Schirachs Geschichten aus, die auf Fällen aus seiner Kanzlei in Berlin fußen sollen. Wer jetzt an den Spruch denkt, dass die besten Geschichten das Leben schreibt, der sollte bedenken, dass es hier um Abgründe geht, die sich den Protagonisten aufgetan haben. Das, wovon der Autor berichtet, ist schwerer Stoff, faszinierend, böse, menschlich.

Mittels seiner sachlichen Sprache entwickelt von Schirach einen Sog, der die Leser seiner Geschichten packt. Das, was der 1964 in München geborene Autor, beschreibt, lässt wohl niemand kalt. Es sind die ewigen Fragen nach dem Menschen, der hinter dem Verbrechen steht, und dem Warum, dem Motiv der Tat, die von Schirach in seinen Büchern aufgreift und ausführlich erklärt. Dabei verzichtet er auf moralische Bewertungen. Er beschreibt. So, wie Ernest Hemingway seine Geschichten mit kurzen, knappen Sätzen geschrieben hat.

Bei seiner Lesung im Theater wird Ferdinand von Schirach aus seinem aktuellem Buch „Die Würde ist antastbar“ lesen. Darin ist auch der Essay erschienen, in dem er das erste und einzige Mal über seinen Großvater schreibt. Er beschreibt darin seine persönliche Beziehung zu dem Mann, der tausende Juden aus Österreich in den Tod schickte. Mehr kann und will der Enkel nicht tun. Schade, denn am Beispiel Baldur von Schirachs ließe sich viel über Verbrechen und Schuld sagen. Im Anschluss an seine Lesung diskutiert von Schirach mit dem Publikum über aktuelle Rechtsfragen.


Ferdinand von Schirachs Bücher sind mehrfach verfilmt worden und auch im Ausland erfolgreich. Sein Buch „Der Fall Collini“ wurde 2013 in England öfter verkauft als John Grishams Roman „Das Komplott“. Die Lesung von Ferdinand von Schirach im Osnabrücker Theater beginnt am Sonntag, 28. September, um 19.30 Uhr. Eintritt: 20,45 bis 29,45 Euro. Tickets erhältlich in den Geschäftsstellen der Tageszeitung oder unter Kartentelefon: 0541/7607780 oder 7600076.