Alida Leimbach und Kalla Wefel Mord am Westerberg – Lesung in Osnabrück

Von Matthias Liedtke


Osnabrück. An einem buchstäblich durch die Bank unterhaltsamen Abend servierte die in Osnabrück aufgewachsene Schriftstellerin Alida Leimbach im Autopark Nahne am Freitag rund 200 Besuchern Appetithäppchen aus dem „Börsentöpchen“, ihrem bereits dritten in der Friedensstadt angesiedelten Kriminalroman. Wortkräftig und schlagfertig unterstützt wurde sie dabei von Kabarett-Urgestein Kalla Wefel.

Nach der „Wintergruft“ von 2011 und dem trügerischen „Villenzauber“ vom vorletzten Jahr ermittelt die am Schnatgang in einer Wohngemeinschaft mit Studierenden lebende Kommissarin Birthe Schöndorf diesmal im heimischen Bankenmilieu. Der Polizeiauflauf in einer kleinen Straße am Westerberg war groß, als sich herausstellte, dass Sparkassen-Direktor Simon Birklund wohl doch nicht eines natürlichen Todes gestorben war. Schnell geraten naive, unaufgeklärte Kleinanleger, die durch die Finanzkrise viel Geld verloren hatten, unter Verdacht, den in seinem Wohnumfeld nicht gerade beliebten Banker umgebracht zu haben.

Ein Gespräch mit einem befreundeten Bestatter, der ihr erzählt hatte, dass erst bei einer zweiten, gründlicheren Leichenschau vor einer Feuerbestattung viele Todesfälle aufgeklärt werden könnten, brachte die vor fünfzig Jahren in Lüneburg geborene Autorin auf die Idee zu der Geschichte. Mittlerweile im hessischen Gießen lebend, sehnt sie sich nach der Freundlichkeit in Osnabrücker Geschäften zurück, gestand Alida Leimbach.

Mit ihrer Einschätzung, dass eine Lesung gemeinsam mit Kalla Wefel „mehr Spaß macht als allein“, lag sie goldrichtig. Denn der in der Hasestadt verwurzelte Ex-Oberbürgermeisterkandidat erwies sich als belebendes Element. Auch wenn oder gerade weil er zwischendurch mal mit dem parallel auf seinem Smartphone laufenden VfL-Liveticker und mal mit einem ungeliebt um ihn herumschwirrendem Insekt zu kämpfen hatte. Vielleicht auch deshalb gab er nach der Pause sein Lied „Tiefflieger“ zum besten, nachdem er sich zuvor bereits passend zum Romanthema und zur Melodie von Grönemeyers „Männer“ über „Reiche“ ausgelassen hatte, die sich „alles leisten außer Moral“.

Im Vorfeld der von der umtriebigen, kontinuierlich gewachsenen und nicht nur rein geschäftlichen Interessengemeinschaft Iburger Straße (IGIS) im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe zum zehnjährigen Jubiläum liebevoll organisierten und durchgeführten Lesung wurde ein Scheck über den Erlös des Familienfestes im Juni an den Peter-Jeda-Fonds übergeben. Eine auf dieser Grundlage geplante Stiftung soll gemeinnützigen, interkulturellen und integrativen Zwecken dienen, die eine Brücke zwischen Alteingesessenen und den vielen Neubürgern mit Migrationshintergrund schlagen soll, betonte Petra Jeda als Vorsitzende der IGIS. „Besondere Veranstaltungen verlangen besondere Locations“ erläuterte sie außerdem die Idee, die zuvor routiniert herausgeputzte Werkstatt des Autoparks Nahne in einen Lesesaal zu verwandeln. Hausherr und Gastgeber Ubbo Latajka vom Autohaus Rahenbrock freute sich, dass sich diese zunehmend auch als „Kulturwerkstatt“ etabliere. Und auch die Protagonisten und Gäste genossen sichtlich das ungewöhnliche Ambiente zwischen Werkbänken, defekten Fahrzeugen und den Geruch von neuen Reifen. Zumal Alida Leimbach, die verriet, die Einladung bereits gerne angenommen zu haben, noch bevor sie den Roman fertig geschrieben hatte, am Ende zumindest noch einen neuen, dann vierten Osnabrück-Krimi in Aussicht stellte.