Gebanntes Lauschen Morgenland-Festival begeistert Zuhörer

Für Verständigung und Austausch: In Osnabrück läuft das zehnte Morgenland-Festival. Foto: Michael GründelFür Verständigung und Austausch: In Osnabrück läuft das zehnte Morgenland-Festival. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein gelungener Auftakt: Knapp 700 Besucher ließen sich in St. Marien von der brisanten Musikmixtur des Morgenland-Festivals begeistern, das in diesem Jahr ein Jubiläum feiert. Zur Eröffnung des zehnten Festivals erlebte das Publikum ein mitreißendes Doppelkonzert.

Man hätte hören können, wie die sprichwörtliche Stecknadel fällt , als Manfred Leuchter seinem Akkordeon unerhört leise, hohe Töne entlockte. Gebannt lauschten die Zuschauer im Kirchenschiff, wie Klarinettist Kinan Azmeh gefühlvoll die Töne aufnahm und mit dem Akkordeon in einen Dialog eintrat, derweil das Morgenland Chamber Orchestra, in dem Musiker aus Syrien, Iran, Irak, der Türkei, Aserbaidschan, Armenien und Deutschland unter der Leitung von Naci Özgüc musizieren, ein bordunartiges Fundament für die Solisten entwarf. „November 22nd“ heißt Azmehs Komposition, die die Stimmung eines düsteren Herbsttages beschreibt und den zweiten Teil des Konzertes eröffnete.

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Zuvor hatte eine Premiere für begeisterte Reaktionen im Publikum gesorgt: Obwohl sich der aserbaidschanische Mugam-Musiker Alim Qasimov und der iranische Kamasncheh-Virtuose Kayhan Kalhor schon seit einigen Jahren kennen, fanden sie jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, gemeinsam zu musizieren. Qasimovs Gesang, die einfühlsamen Saitenklänge der Kamanche, begleitet von den Rhythmen der Rahmentrommel Daf, erzeugten eine faszinierende Fusion. Zusammen mit seiner Tochter Fargana und zwei Begleitmusikern präsentierte der Sänger danach das Mugam „Bayati Shiraz“. Dabei handelt es sich und eine mündlich überlieferte Musiktradition, in diesem Fall ein ausgiebiges Gedicht über die Höhen und Tiefen, die man in einer Liebesbeziehung erfährt.

Mit einem Tanz, einem mitreißenden syrischen Liebeslied, gesungen von Ibrahim Keivo, und der Komposition „Wedding“ von Kinan Azmeh, in das der französische Musiker Michel Godard ein Solo auf dem historischen Instrument Serpent einbettete, ging die Eröffnung des Morgenland Festivals im Jubiläumsjahr zu Ende. Das Publikum quittierte die Darbietungen mit minutenlangen stehenden Ovationen.