Georgsmarienhütter Millionen-Deal in Russland Unternehmer aus Region Osnabrück trotzen Wirtschaftssanktionen

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Osnabrück. Unternehmen in Stadt und Landkreis Osnabrück trotzen den EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Der Georgsmarienhütter Prozessanlagenbauer AK System nahm in Russland am Mittwoch eine Fertigungsanlage im Wert von einer Million Euro in Betrieb. Das Osnabrücker Unternehmen Berner Ladenbau erreichte sogar ein deutlich besseres als für 2014 geplantes Ziel.

In einem schwierigen Marktumfeld können sich Unternehmen aus der Region Osnabrück behaupten. Bei einem Nachtreffen der 26-köpfigen Rats- und Wirtschaftsdelegation, die vor drei Monaten Twer und Moskau besucht hat, sprach der Präsident der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, Martin Schlichter, am Donnerstagabend von negativen Auswirkungen der politischen Krise. „Eine aktuelle IHK-Umfrage zeigt, dass jedes dritte Unternehmen betroffen ist“, sagte Schlichter. Als umso bedeutender stufte er die Delegationsreise ein: „Sie war von Anfang an ein Signal, in Zeiten der Krise im Gespräch zu bleiben.“

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert erinnerte an den Abschuss der Passagiermaschine der Malaysian Airlines am 17. Juli über der Ostukraine: „Wir hätten nicht gedacht, dass sich die Umstände nach unserer Reise so schrecklich verändern und es eine weitere Eskalation geben könnte.“ Er freue sich aber umso mehr, eine Delegation aus Twer in der Friedensstadt willkommen zu heißen, und hoffe, dass sich die Kontakte weiter vertiefen.

Der stellvertretende Leiter der Stadtduma Twer und Geschäftsführer des Ingenieurbüros „Delta Plus“, Wadim Rybachuk, antwortete: „Unser Besuch beweist, dass unsere Partnerschaft weiterhin aktiv ist. Wir sind überzeugt, dass die politische die wirtschaftliche Situation nicht beeinflusst.“

Der Chef des Georgsmarienhütter Unternehmens AK System, Johannes Kreuzhermes, bestätigte das aus eigener Erfahrung. Eine komplette Fertigungsanlage, die mit einem besonders energiesparenden Verfahren Saucen, Marinaden und Mayonnaise für einen russischen Kunden im Gewürzbereich herstellt, ging erst Mitte der Woche in Betrieb. Seine Maschinen wurden vor drei Monaten geliefert, und seine Mitarbeiter kümmerten sich seither um die Inbetriebnahme. Kreuzhermes versucht nun den Deutschen Botschafter dafür zu gewinnen, einen symbolischen roten Knopf zu drücken und damit den offiziellen Startschuss zu geben. Kreuzhermes freute sich: „Alles lief nach Plan. Die zweijährige Vorlaufzeit für das Projekt hat sich gelohnt.“

Der Geschäftsführer von Berner Ladenbau, René Riesner, kann insgesamt zwar auf ein gutes Ergebnis verweisen, hätte sich aber gewünscht, dass der Ladenbau für die Textilindustrie besser anläuft. Mit der Hilfe des Twerer Politikers Rybachuk prüft er nun eine mögliche Kooperation für eine Produktion in der Region Twer.

Der Geschäftsführer des Wallenhorster Zulieferers im Anlagenbau RST Rabe-System-Technik will ein Vertriebsbüro in Moskau aufbauen. Die Kontakte aus der Delegationsreise führten dazu, dass eine russische Website bereits im Aufbau ist.

Die Leiterin der Repräsentanz des Landes Niedersachsen in Moskau, Anna Urumyan , animierte die Delegation: „Wer jetzt aussteigt, für den ist es fast unmöglich, zurückzukehren.“ Zugleich betonte sie: „Machen Sie sich keine Sorgen. Solche Spannungen sind nur kurzzeitig. Es wird wieder besser.“


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