Stark auf der Bühne – stark im Job Osnabrücker Musical-Projekt fördert behinderte Menschen

Von Ulrike Schmidt

Eine Einstimmung auf das Musical „Willkommen in Grand Hotel Vega$“ boten Darsteller der Stammcrew bei der Projektpräsentation. Menschen ohne und mit den verschiedensten Behinderungen spielen und tanzen zusammen. Foto: Swaantje HehmannEine Einstimmung auf das Musical „Willkommen in Grand Hotel Vega$“ boten Darsteller der Stammcrew bei der Projektpräsentation. Menschen ohne und mit den verschiedensten Behinderungen spielen und tanzen zusammen. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Disziplin, Ausdauer, Pünktlichkeit und Begeisterung – diese Fähigkeiten für einen Auftritt auf der Bühne sind auch Voraussetzungen für den Berufsalltag. Die Osnabrücker Tanzweltmeister Patsy und Michael Hull wollen mit einem neuen integrativen Musical Darstellern mit Behinderung den Weg in den Arbeitsmarkt öffnen.

„Durch Tanz und Bewegung zum Arbeitsplatz“ heißt das Projekt, das von Osnabrück aus in neun andere deutsche Städte getragen wird. Dazu wird in der Region das Musical „Willkommen im Grand Hotel Vega$“ mit 20 Szenen und Songs einstudiert. Aufgeführt wird es dann außer in Osnabrück in Essen, Stuttgart, Frankfurt, Bremen, Augsburg, Minden-Lübbecke, Magdeburg, Hamburg und Berlin.

In diesen Städten ergänzen örtliche Tänzer das Ensemble. An den einzelnen Aufführungen werden 150 bis 200 Darsteller mit und ohne Behinderung beteiligt sein. Beim großen Finale im Berliner Tempodrom sollen die Mitwirkenden aus allen zehn Städten kommen, kündigte Patsy Hull an.

Doch die Aufführungen mit bis zum 3500 Zuschauern sind nur ein Teil des Projektes. In den verschiedenen Städten sollen parallel Jobmessen für Menschen mit Behinderung stattfinden. Bei bisher vier integrativen Musicals hätten Menschen mit Behinderung gezeigt, dass sie „mit großem Engagement an die Herausforderungen herangehen, die sie nie zuvor gewagt hatten“, sagen Patsy und Michael Hull. Diese Leistungsfähigkeit solle nun bei den Jobmessen Arbeitgebern präsentiert werden.

Als Schirmherr fungiert der Osnabrücker Carl-Ludwig Thiele. Die Organisatoren setzen darauf, dass das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank sein Netzwerk einsetzen wird, um das Projekt voranzutreiben. Seine Bitte an die Unternehmen: „Lassen Sie sich begeistern und öffnen Sie sich und Ihr Unternehmen für diese vorbildliche inklusive Idee. Aber vor allem für die Menschen!“

Patsy und Michael Hull machen sich in ihrem gleichnamigen Verein seit 2003 „dafür stark, dass Bewegung in die Integration benachteiligter Menschen kommt“. Das gelinge in erstaunlicher Weise, versicherte Axel Kreutzer, Leiter der Bersenbrücker Paul-Moor-Schule für Kinder und Jugendliche mit geistiger und körperlicher Behinderung.

Er kenne keine Klasse in Deutschland, in der alle sieben Förderschwerpunkte vertreten sind: geistige Beeinträchtigung, Lernschwäche, körperliche Behinderung, Sehbehinderung, Sprachstörung, Hörschädigung und Verhaltensauffälligkeiten. In den Musicals sei aber genau das der Fall, ein Blinder könne ebenso mittanzen wie ein Gehörloser.

Die Proben sind mindestens so arbeitsintensiv wie die Vorbereitungen für die Jobmessen. Es gelte, Hemmungen auf beiden Seiten abzubauen, sagte Patsy Hull mit entwaffnender Offenheit: Manchmal müsse man den Leuten in den Allerwertesten treten. Ihr Engagement erklärt sie schlicht und einfach: „Alle, die dabei sind, sind meine Familie.“