Siegfried Serrahn im Interview Toter Winkel: Osnabrücker Spediteur testet Kameras an Lkw

Von Jörg Sanders


Osnabrück. Immer wieder sterben Radfahrer und Fußgänger, wenn Lkw-Fahrer sie beim Abbiegen übersehen oder im toten Winkel schlichtweg nicht sehen können. Der Osnabrücker Spediteur Siegfried Serrahn testet seit zwei Wochen gemeinsam mit der Firma Continental ein Kamerasystem an einem Sattelzug der Osnabrücker Spedition Overnight. Ihm ist das Thema Verkehrssicherheit eine Herzensangelegenheit.

Das System soll tödliche Unfälle verhindern – insbesondere solche wie zuletzt Ende August, als eine Frau von einem Lkw in Osnabrück überrollt wurde und im Februar, als ein Lkw einen Radfahrer beim Abbiegen erfasste und tödlich verletzte. Der Entwickler Continental wird das System ProViu auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover ab dem 25. September vorstellen.

Herr Serrahn, wieso testen Sie das Kamerasystem von Continental?

Die Verkehrssicherheit im Allgemeinen ist nicht nur mein persönliches Anliegen, sondern ebenso das meiner Kollegen. Zur Erhöhung der Straßenverkehrssicherheit halte ich es für sinnvoll und notwendig, Fahrerassistenzsysteme (FAS) in Fahrzeugen zu verbauen, um ‚vermeidbare Unfälle‘ zu vermeiden. Daher testen wir gemeinsam mit der Firma Conti/VDO und der Osnabrücker Spedition Overnight ein Rundum-Kamerasystem.

Wie funktioniert dieses System?

Die Bilder von vier Weitwinkelkameras erzeugen eine Rundumsicht im Fahrzeug aus der ‚Vogelperspektive‘. Weiterhin erkennt das System Personen oder Gegenstände, die vor, neben oder hinter dem Fahrzeug stehen.

Welche Erfahrungswerte liegen bereits vor?

Die ersten Erfahrungen haben wir in den letzten Wochen gemacht. Da dieses System erstmalig in Deutschland an einem Sattelzug getestet wird, sind zurzeit noch keine verwertbaren Ergebnisse da, für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sagt, solch ein System sei nicht ausreichend. Es fehle ein akustisches Signal, das den Fahrer warnt. Schließlich könne ein Bildschirm ebenso missachtet werden wie ein Spiegel. Was sagen Sie dazu?

Die Nutzfahrzeugindustrie testet diverse Systeme, die Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Ist eine gesetzliche Pflicht für solche Kamerasysteme sinnvoll und überfällig?

Eine gesetzliche Pflicht zum Einbau von Kamera- oder vergleichbaren Assistenzsystemen gibt es noch nicht. Generell gilt, dass solche Systeme als ein nachweislicher und erprobter Sicherheitsgewinn auf europäischer Ebene eingeführt werden sollten. Es gilt aber auch Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung: die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer.

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