Aufbau einer Zuchtgruppe naht Zoo Osnabrück trennt sich von jungen Elefanten

Von Sebastian Stricker

Neue Heimat von Nuka und Dinkar wird der Zoo Veszprém in Ungarn. Unser Bild zeigt sie bei einem Wasserbad am Tag ihrer Ankunft im Mai 2013. Foto: Michael HehmannNeue Heimat von Nuka und Dinkar wird der Zoo Veszprém in Ungarn. Unser Bild zeigt sie bei einem Wasserbad am Tag ihrer Ankunft im Mai 2013. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Der Zoo Osnabrück trennt sich von seinen jungen Elefanten. Zwei der vier Bullen verlassen den Schölerberg schon nächste Woche, die beiden anderen folgen in Kürze. Damit rückt die Ankunft einer Mutterlinie und damit der lang ersehnte Aufbau einer Zuchtgruppe in greifbare Nähe.

Neue Heimat von Nuka und Dinkar wird der Zoo Veszprém in Ungarn. Dort werden die Jungbullen auf ihren Halbbruder Felix aus Hannover treffen. Ursprünglich war auch dieses Tier für einen Transfer nach Osnabrück vorgesehen . Doch die konkrete Aussicht auf eigenen Elefantennachwuchs wendete das Blatt. „Der Zoo stellt sich auf die Übernahme einer Mutterlinie in den nächsten Monaten ein“, gab der Zoo am Freitag bekannt.

Seit Umstellung der Elefantenhaltung von Afrikanern auf Asiaten zum Jahreswechsel 2013 ist dies der zweite Anlauf, am Schölerberg eine Zuchtgruppe aufzubauen. Im März 2013 war die Übernahme von Dickhäutern aus Emmen im letzten Moment wegen eines inzwischen unbestätigten Tuberkuloseverdachts gescheitert .

Entscheidung am Monatsende

Schon Ende des Monats könnte feststehen, welche Mutterlinie nun zur Fortpflanzung die Reise nach Osnabrück antreten wird. Die Auswahl sei Gegenstand der Beratungen auf der kommenden Sitzung der Artkommission des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Asiatische Elefanten, der ein Dutzend Experten aus verschiedenen europäischen Zoos angehören. Diese Sitzung findet vom 25. bis 27. September im Rahmen der Tagung der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA) statt. „In den Wochen danach“ werde nach Angaben des Zoos Osnabrück über weitere Einzelheiten wie Anzahl und Transporttermine entschieden.

Zoodirektor Michael Böer begründete den neuerlichen Elefantentausch mit der Absicht, am Schölerberg einen Beitrag zum Erhalt der bedrohten Tierart zu leisten. „Unser oberstes Ziel bleibt es, asiatische Elefanten im Zoo Osnabrück zu züchten. Und es scheint, als könnten wir dieses Ziel in den nächsten Monaten mit einer weiblichen Elefantengruppe erreichen.“ Es sei unvermeidlich und auch immer absehbar gewesen, dass dafür die im Frühjahr 2013 aufgenommenen Jungbullen Nuka, Dinkar, Shanti und Shahrukh den Zoo verlassen.

Wichtige Zwischenstation

Der Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Asiatische Elefanten habe für die Dickhäuter bereits eine Heimat empfohlen: Nuka und Dinkar gehen in den Zoo Veszprém im Westen Ungarns, wo ein komplett neuer Elefantenbereich entstanden ist. Dort werde eine Jungbullengruppe gegründet. Für Shanti und Shahrukh geht es in den nächsten Wochen in wärmere Gefilde: Sie werden in den Zoo Attica bei Athen transportiert, sobald die Temperaturen in Südeuropa auf angenehme 20 Grad sinken. Dass die Jungbullen auf Reisen gehen und mit anderen Tieren neue Gruppen bilden, entspreche dem Vorbild der Natur. Professor Böer: „Auch in der Wildbahn leben die Jungbullen in losen Gruppenverbänden und wechseln die Verbände zwischendurch.“ Eine „Wohngemeinschaft für Elefantenbullen“, wie es sie übergangsweise jetzt in Osnabrück gegeben habe, sei ein wichtiges Projekt innerhalb des EEP für Asiatische Elefanten und diene als Zwischenstation auf dem Weg der Bullen in eine eigene Herde, so der Zoodirektor.

Der ruhige Nuka und der aufgeweckte Dinkar kamen im Mai 2013 aus dem Zoo Hannover an den Schölerberg und bildeten hier mit den Jungbullen Shanti und Sharhukh aus Hamburg ein Jungbullen-Quartett – „unter Aufsicht“ des 42-jährigen Zuchtbullen Luka . „Die beiden haben sich hier prächtig entwickelt und viel voneinander sowie natürlich von Luka gelernt. Das belegen wissenschaftliche Beobachtungen“, sagte Böer. Sowohl die Tierpfleger als auch die Zoobesucher hätten die „ Rüssel-Rasselbande “ in den vergangenen 16 Monaten sehr lieb gewonnen.

Vom Aussterben bedroht

Vorrangig sei jedoch, in Osnabrück eine weitere Zuchtmöglichkeit für asiatische Elefanten zu schaffen, „um eine stabile Population außerhalb der Wildbahn aufbauen zu können“. Asiatische Elefanten sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Es leben nur noch zwischen 25.000 und 30.000 Exemplare in der Natur. Zum Vergleich: Von ihren afrikanischen Artgenossen gibt es über 600.000 Exemplare.


Elefanten sind die schwersten Landsäugetiere der Welt. Es gibt zwei Arten: Asiatische und Afrikanische Elefanten. Die Asiaten stehen unter besonderem Schutz. Ihre Population in der Wildbahn wird weltweit auf maximal 30.000 Tiere geschätzt. Von Afrikanischen Elefanten gibt es frei lebend 20-mal mehr. Asiatische Elefanten können über drei Meter groß werden und mehr als 5000 Kilogramm wiegen. Ihre afrikanischen Verwandten werden noch größer und schwerer. Unterscheiden kann man sie vor allem an drei Dingen: Asiatische Elefanten haben die kleineren Ohren, zwei Buckel auf dem Kopf und nur einen statt zwei „Finger“ am Rüssel. Trotz ihrer Masse sind Elefanten flott unterwegs: Tempo 35 und mehr ist für die Dickhäuter kein Problem. Da hätte selbst Usain Bolt als schnellster Mensch der Welt Schwierigkeiten mitzuhalten. Bleiben Asiatische Elefanten gesund, erreichen sie ein Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Als Pflanzenfresser ernähren sie sich vor allem von Gras, Heu, Ästen, Baumrinde und Früchten.