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Osnabrücker Bürgerfunksender Bernhard Wellmann neu im Vorstand von osradio 104,8

Von Sebastian Stricker

Der Ex-Bürgermeister von Belm, Bernhard Wellmann, steigt in die Führung von osradio 104,8 ein. Das hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung ergeben. Archivbild: Gemeinde BelmDer Ex-Bürgermeister von Belm, Bernhard Wellmann, steigt in die Führung von osradio 104,8 ein. Das hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung ergeben. Archivbild: Gemeinde Belm

Osnabrück. Der frühere Bürgermeister von Belm, Bernhard Wellmann, steigt in die Vereinsführung von osradio 104,8 ein. Das ist das Ergebnis einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Osnabrücker Bürgerfunk-Veranstalters vom Donnerstagabend.

Der 65-Jährige folgt damit auf den unter Betrugsverdacht geratenen Burkhard Holst, der Ende August als erster Vorsitzender zurückgetreten war. Die unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführte Abstimmung habe eine „klare Mehrheit“ pro Wellmann ergeben, teilte der Vorstand mit. Der Verein sei „äußerst zufrieden“ mit der Wahl. Nach Informationen unserer Zeitung war Wellmann, der erst seit wenigen Wochen Mitglied bei osradio 104,8 ist, einziger Bewerber für den freien Posten.

Bernhard Wellmann war von 1989 bis Ende 2013 Bürgermeister in Belm , die letzten zwölf Jahre hauptamtlich. Wellmann hat viel angepackt in dieser Zeit – darunter Mammut-Aufgaben wie die Belmer Ortsumgehung, den Beginn der Marktring-Sanierung und die Ausweisung von Baugebieten. Bundesweit Eindruck gemacht hat das Projekt „Soziale Stadt“ , mit dem die Gemeinde nach Abzug der Briten auf die Ankunft tausender Aussiedler reagierte. Bis 2001 hatte Wellmann als Geschichtslehrer viele Jahre die Ludwig-Windhorst-Schule in Ostercappeln geleitet.

„Kein Krisenmanager“

Aus beiden Positionen bringe er „viel verwaltungstechnische Erfahrung“ mit, heißt es in einer Mitteilung von osradio 104,8. Aus der Presse habe Wellmann von der Situation des Bürgerfunksenders gehört und „sich spontan dazu entschieden“, sein Wissen und seine Kontakte in den Verein einzubringen. Die neue Aufgabe im geschäftsführenden Vorstand reize ihn sehr, wird Wellmann zitiert, wenngleich er sich „in das Radio-Metier noch etwas einarbeiten“ müsse.

Unserer Zeitung sagte der 65-Jährige am Freitag, er sei „nicht als Krisenmanager“ angetreten, sondern weil er den Sender „strukturell voranbringen“ wolle. Kontinuität sei immer seine Stärke gewesen – was er anfange, bringe er auch zu Ende. „Ich habe immer alles durchgezogen und mich nie verzettelt.“ Sein Interesse an der Arbeit im Verein osradio 104,8 sei „rein privat“, erklärte Bernhard Wellmann. Amtsvorgänger Holst kenne er nicht, und zum laufenden Ermittlungsverfahren gegen den früheren ersten Vorsitzenden wolle er sich nicht äußern.

Sender in Bedrängnis

osradio 104,8 ist wegen der Betrugsaffäre um Burkhard Holst in akute Bedrängnis geraten. Dabei geht es um die fragwürdige und möglicherweise mit ungesetzlichen Methoden vorgenommene Vergütung einer Übergangstätigkeit des früheren ersten Vorsitzenden als Geschäftsführer des Osnabrücker Lokalsenders. Holst war von Oktober 2010 bis Juni 2011 eingesprungen, nachdem osradio 104,8 die damalige kaufmännische Leiterin entlassen hatte. Interne Dokumente besagen, dass für diese Arbeit rund 73.000 Euro an ihn geflossen sein sollen.

Wegen des Verdachts auf Veruntreuung von Vereinsgeldern und Subventionsbetrug stellte die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) als größter Geldgeber des heimischen Rundfunkveranstalters im Juli Strafanzeige gegen Holst . Mangels Vertrauen in die Rechtstreue des Rundfunk-Veranstalters leitete die Behörde zudem ein Verfahren ein, das auf den Lizenzentzug zielt . Die Umweltstiftung DBU, welche osradio 104,8 mehrere Hunderttausend Euro für Projekte zur Verfügung gestellt hatte, sowie der Verein selbst stellten ebenfalls Strafanzeigen gegen Holst.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück dauern an. Zurzeit sichte die Wirtschaftsreferentin „die vorhandenen und von der Polizei zusammengetragenen Unterlagen“, teilte ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung mit. Möglicherweise würden noch weitere Beweismittel benötigt. Das Ende der Ermittlung sei nicht absehbar.

Brief von Holst

Unterdessen meldete sich der zurückgetretene Vereinschef Holst in einem offenen Brief an die Mitglieder und Mitarbeiter des Vereins osradio 104,8 zu Wort. In dem Schreiben vom 5. September, das Holst unserer Zeitung am Donnerstag präsentierte, geht der Beschuldigte auf die ihm zur Last gelegten Vorwürfe ein. Zahlungen an seine Person seien durch den Vorstand „zu Recht legitimiert“ worden, heißt es. Seine früheren Stellvertreter hätten ihn „im Oktober 2010 offiziell beauftragt, die Geschäftsleiter-Stelle entgeltlich zu führen“. Die Aufgabe habe sich nach seiner Darstellung „auf die Jahre 2010/2011 und teilweise auf 2012“ erstreckt. Die NLM sei bereits im Oktober 2010 über die Vorgänge informiert gewesen. Überdies seien alle Einkünfte von osradio 104,8 „für den Sendebetrieb und Projekte“ verwendet worden. Holst: „Aus meiner Sicht wurde keiner geschädigt.“