Musik-Kabarett-Duo Schramm und Walther im Haus der Jugend

Von Uta Biestmann-Kotte


Osnabrück. Bei diesem Duo steht der Abgang am Anfang. Nach einem Intermezzo als ihre eigene Vorband treten Gitarrist Stefan Schramm und Drummer Christoph Walther bereits nach zehn Minuten wieder von der Bühne ab, um im Anschluss ihr zweistündiges Programm „Mitten ins Herts“ folgen zu lassen.

Als „Nachschlag“ und Finale der diesjährigen Kabarett-Reihe „Kultur im Innenhof“ spielten die beiden Mittdreißiger am Mittwoch als Duo „Zärtlichkeiten mit Freunden“ im Innenhof vom Haus der Jugend auf.

Dabei zeigte das bereits mehrfach ausgezeichnete „Musik-Kasparett-Duo“ aus dem sächsischen Riesa ebenso viel Sinn für skurrilen Humor wie für musikalische Kapriolen, Rollenspiele und gewollt billige Maskerade. Als blond perückter Umstandskrämer vom Dienst spielte etwa Gitarrist Schramm alias „Ines Fleiwa“ mühsam vom zu Boden gefallenen Notenblatt oder beäugte misstrauisch seinen zu niedrig eingestellten Mikrofonständer. „Kasparett“-Kollege Walther machte wiederum mit salbungsvollem Tonfall auf geduldigen Sozialpädagogen oder packte mit provozierend pedantischer Langsamkeit seine Sticks („Knüttel“) aus der Tasche.

Wortwitze, Dialoge oder bis zur Belastungsgrenze wiederholte Gags wechselten sich ab mit ironischen Musik-Performances von „La Bamba“, „Live is Live“ oder „Dein ist mein ganzes Herz (du bist mein Reibungsschmerz)“. Seine Fähigkeiten als stimm- und fingerfertiger Drum-Akrobat bewies Christoph Walther nicht nur im Umgang mit einem altertümlich klobigen CB-Funkgerät. Im umgedrehten Sakko und mit auf den Hinterkopf gestülpter Maske gab er in der Rolle von „Cordula Zwischenfisch“ ein im wahrsten Sinne des Wortes rückwärts gewandtes Schlagzeug-Solo.

Die Lust am Rollenspiel setzte Walther im zweiten Programmteil fort, als er frisch rasiert und mit abgeklebtem Brillenglas als linkischer Teenager „Rico Rohs“ von seinem Alltag in der sächsischen Provinz erzählte. Mit ungelenken Bewegungen gab er dabei mitsamt unappetitlichen Details die Story über die Nachbarin Frau Meisner zum Besten, der er die beim Fußballturnier ausgeknockte Kniescheibe wieder eingetackert hatte. Spätestens bei dieser Einlage wurde deutlich, dass Humor eben auch eine Frage des Geschmacks ist. Bei ihrer furiosen Schluss-Session ließen es die Jungs noch mal so richtig krachen, als Christoph Walther noch während des Spiels sein Schlagzeug demolierte: eine echt gute Zärtlichkeit mit Freunden eben.