Ferdinand von Schirach Autor liest aus neuem Buch im Osnabrücker Theater

Von Marie-Luise Braun

Liest im Theater: Ferdinand von Schirach. Foto: Paul SchirnhoferLiest im Theater: Ferdinand von Schirach. Foto: Paul Schirnhofer

Osnabrück. Über Dinge, die es zu bedenken gilt, schreibt Ferdinand von Schirach in dem lesenswerten Buch „Die Würde ist antastbar“. Am Sonntag, 28. September, liest er im Osnabrücker Theater am Domhof.

Eigentlich ist er Strafverteidiger. Doch mit seinem ersten Buch hat Ferdinand von Schirach es gepackt: Das Schreiben ist für ihn zur unwiderstehlichen Tätigkeit geworden. Zu lesen ist das auch in einem Essay seines neuen Buchs. Jetzt kommt er ins Osnabrücker Theater, um „Die Würde ist antastbar“ vorzustellen.

Es ist wie ein Spaziergang durch die heutige Welt, bei dem man stumm vor sich hin staunt und keine Antwort erhält. Frage um Frage reiht Ferdinand von Schirach aneinander. 200 sind es schließlich in dem Essay „Verstehen Sie das alles noch?“, der vor allem die politische und die wirtschaftliche, aber auch die private Ebene anspricht.

„Kommen Sie in Hotelzimmern immer seltener mit der Bedienung des Fernsehers zurecht?“, „Warum müssen alle europäischen Staatschefs bei jedem Gipfel auf ein Foto?“ oder „Warum kostet ein Unternehmen, das eine App zur Verfremdung von Fotos anbietet, eine Milliarde Dollar“? heißt es da, wo am Ende keine Antwort steht.

Offensichtlich ist: Es gibt nur eine Antwort auf den Titel des Essays, und die lautet: Nein. Verwirrend ist diese Welt, absurd, seltsam, unklar, kaum zu greifen. Aber Ferdinand von Schirach schlägt eine Schneise durch das Chaos. Schon allein, indem er Fragen stellt, die uns bewusst machen, wo wir uns eigentlich befinden und worüber wir dringend mal nachdenken sollten.

Zum Beispiel darüber, was es für Folgen hat, wenn wir Bücher bei Tauschbörsen im Internet herunterladen. Schirach listet auf, was es bedeutet zu schreiben. Es ist nicht nur ein unwiderstehlicher Spaß, sondern zumeist harte Arbeit, bis korrekte Sätze aneinandergereiht sind, sodass andere sie verstehen können und sogar gerne lesen.

Er zeigt, wie viele Menschen an einem Buch arbeiten. Nämlich nicht nur der Autor, sondern auch Lektoren, Grafiker, Setzer, Papierhersteller, Handelsvertreter und schließlich Buchhändler. Sie alle leben davon.

In den 13 Essays regt Ferdinand von Schirach nicht nur an kleinen Beispielen an, mal den Blick aufs Ganze zu weiten. Natürlich schreibt er auch über rechtliche Fragen – zum Beispiel, dass die Würde des Menschen tatsächlich antastbar ist. So ganz anders, als es im Grundgesetz steht. In „Zur Not ein Gesetz“ schreibt von Ferdinand von Schirach fein und wohl gesetzt über Feminismus und Justiz.

Die Essays, die fast alle bereits im „Spiegel“ erschienen sind, sind mehr als unterhaltsam. Darum schreibt er: dass Menschen gern seine Bücher lesen, wie er kürzlich in einem Interview der „Berliner Morgenpost“ sagte.

Das, was er tut, ist nur auf den ersten Blick ein von den Menschen abgewandter Vorgang, bei dem von Schirach sich total zurückzieht. Es ist ganz anders: Durch sein Schreiben zeigt er Bereiche auf, die wichtig sind, die es zu bedenken gilt. Menschenfreundlicher kann ein dem Schreiben Verfallener doch kaum sein.

Am Sonntag, 28. September, liest Ferdinand von Schirach ab 20 Uhr im Osnabrücker Stadttheater. Zudem wird er mit dem Publikum über aktuelle Rechtsfragen diskutieren.

Ferdinand von Schirach: Die Würde ist antastbar. Essays. Piper-Verlag, 144 Seiten, 16,99 Euro.