38-Millionen-Projekt Ministerin eröffnet Geriatrie-Zentrum in Osnabrück

Von Wilfried Hinrichs


Osnabrück. Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) hat Donnerstag das Zentrum für Geriatrie und Frührehabilitation (ZGF) in Osnabrück eröffnet. Das 38-Millionen-Projekt am Klinikum sei richtungweisend, sagte die Ministerin. Noch wird im ZGF eifrig gewerkelt. Die Patienten ziehen erst im November ein.

In dem Neubau auf dem Finkenhügel werden alte Menschen fachübergreifend behandelt. Die Grundidee ist: Patienten durchlaufen nicht, wie heute üblich, nacheinander verschiedene Behandlungsstufen von der Intensivstation bis zur Rehabilitation, sondern werden parallel betreut. So können Schlaganfallpatienten schon während einer Intensivpflege mit der Frührehabilitation beginnen, wie die Chefärzte Florian Stögbauer (Neurologie) und Dieter Lüttje (Geriatrie) während eines Rundgangs durch die fast fertige Klinik erklärten. Das Zentrum vereinigt unter einem Dach die Akutneurolgogie, neurologische Frührehabilitation, Geriatrie, geriatrische Rehabilitation und Palliativmedizin. Die Geriatrie wird den Standort im Krankenhaus am Natruper Holz aufgeben. „Damit haben wir endlich die Einhäusigkeit erreicht“, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

Der OB lobte die Investition als „Qualitätssprung“ in der Versorgung älterer Menschen. „Wir wollen und müssen helfen, so wie wir erwarten, dass uns eines Tages geholfen wird.“ Der stellvertretende ärztliche Direktor, Bernhard Högemann, sagte, das ZGF sei „kein normales Krankenhaus“, sondern ein „hoch spezialisiertes Versorgungszentrum für die Wehrlosen“. Es werde helfen, Menschen etwa nach einem Schlaganfall in ein selbstbestimmtes Leben zurückzuführen. Es werde sich aber auch mit allen seinen Möglichkeiten den Menschen zuwenden, die wegen einer unheilbaren Krankheit dem Tod entgegensehen.

Klinikum-Geschäftsführer Frans Blok erinnerte an die Anfänge: 2003 sei die Idee entstanden, 2009 konkretisiert worden. Nach knapp dreijähriger Bauzeit stehe dieses zukunftsweisende Projekt jetzt vor der Vollendung. Michael Hagedorn, Vorsitzender des Klinikum-Aufsichtsrates, äußerte „neben Freude und Stolz auch eine leise Besorgnis“, ob sich das von der Stadt eingebrachte Kapital von rund 17 Millionen Euro auch refinanziere. In Anwesenheit der Gesundheitsministerin erinnerte Hagedorn daran, dass es nach dem Gesetz Aufgabe des Landes ist, in die Krankenhäuser zu investieren. Das Land trug 19 Millionen Euro zum Bau bei. „Es hätten auch 29 Millionen sein können“, flocht OB Griesert in seine Rede ein.

Die Ministerin lobte das ZGF – widmete sich in ihrer Rede aber vor allem der aktuellen Diskussion um die Krankenhausstruktur in der Region Osnabrück und der Schließung des Klinikum-Standortes Dissen . Die Landesregierung hole jetzt nach, was die Vorgängerregierung jahrelang versäumt habe, so Cornelia Rundt. In Dissen sei es nicht gelungen („konnte es vielleicht auch nicht gelingen“), zukunftsfähige Strukturen zu schaffen. „Ich stehe auch persönlich zu der Entscheidung, Dissen zu schließen“, sagte die Ministerin. Wichtig sei es jetzt, neue Formen der Gesundheitsvorsorge in den betroffenen Regionen zu schaffen.

Rundt bekannte sich zur kommunalen Trägerschaft von Krankenhäusern. Wenn ein kommunales Krankenhaus einen Überschuss erwirtschafte, werde es im Haus reinvestiert. „Bei privaten Trägern fließt das Geld an die Aktionäre und verschwindet aus dem System. Die Kommunalen sind mir deshalb deutlich lieber“, betonte Rundt.

Keine guten Nachrichten brachte sie aus den Verhandlungen über den Landesbasisfallwert mit. Dieser Wert ist ein wichtiger Baustein der Krankenhausfinanzierung und liegt in Niedersachsen deutlich niedriger als in anderen Bundesländern. Die Verhandlungen über eine Erhöhung sei außerordentlich schwierig: „Manchmal muss man mit schusssicherer Weste in diese Gespräche gehen.“


Zentrum für Geriatrie und Frührehabilitation. 220 Betten, 122 Patientenzimmer. Investitionssumme: 37,9 Millionen Euro. 8900 Quadratmeter Pflegefläche, 3500 Quadratmeter Therapiefläche. Bruttogrundfläche (einschließlich Technik und Verbindungsgang): 15700 Quadratmeter. Erdgeschoss: Neurologische Pflege, Ebene 1: Intensivstation, Ebene 2: Geriatrie, Ebene 3: Neurolgische Frührehabilitation, Dachterrassen und Therapiegarten, Ebene 4: Palliativstation und Chefärztebereich.