Delegation aus Twer in Osnabrück Wirtschaftssanktionen lassen Russen kalt

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Der Chef geht selbst hinter die Theke, wenn Besuch aus der russischen Partnerstadt zu Gast ist. René Riesner von Berner Ladenbau reicht dem Chef des Twerer Ausschusses für Investitionspolitik, Vitalii Kotov, einen Tee. Foto: Swaantje HehmannDer Chef geht selbst hinter die Theke, wenn Besuch aus der russischen Partnerstadt zu Gast ist. René Riesner von Berner Ladenbau reicht dem Chef des Twerer Ausschusses für Investitionspolitik, Vitalii Kotov, einen Tee. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Eine Delegation aus Twer hat am Mittwoch Berner Ladenbau besucht und dem Chef des Osnabrücker Unternehmens, René Riesner, direkt Investitionsvorschläge unterbreitet. Damit sendeten sie auch ein politisches Signal.

„Sanktionen? Welche Sanktionen? Da habe ich nichts von gehört“, sagt der Vorsitzende des Ausschusses für Investitionspolitik der Stadtduma Twer, Vitalii Kotov, und lacht, als er auf die Sanktionen der Europäischen Union angesprochen wird, die sich vorwiegend gegen den Finanz-, Energie- und Rüstungssektor richten. Die Delegation aus Twer bleibt noch bis Freitag in Osnabrück. Allein schon ihr Besuch in dieser diplomatisch angespannten Lage ist ein Zeichen, dass Twer weiterhin auf die Wirtschaftskontakte zur Partnerstadt baut. Mit Berner Ladenbau haben sie bereits gute Erfahrungen gemacht, weil er auch viele Ladenkonzepte für das Mega-Warenhaus Globus in Twer gebaut hat.

Der Geschäftsführer der „Twerer Bekleidungsfabrik“ und Abgeordnete der Stadtduma Twer, Dmitry Gumenyuk, fügt hinzu: „Wenn wir hier Projekte anbahnen, dann kann das die Situation verbessern. Wenn man will, dann kann man immer Geschäfte machen.“ Außerdem seien kleinere, mittelständische Betriebe nicht so stark betroffen wie Großunternehmen. Nach einem Kurzvortrag von Riesner im Atelier des Betriebs zeigt sich Gumenyuk so beeindruckt, dass er mit einer russischen Charmeoffensive aufwartet: „Berner Ladenbau baut nicht nur Ladeneinrichtungen, sondern entwickelt auch Projekte. Das ist intellektuell. Da wirken Sanktionen nicht.“

Kotov, der sich in der Stadtduma auch um die internationalen Kooperationen kümmert, sieht den Besuch einer 26-köpfigen Osnabrücker Rats- und Wirtschaftsdelegation vor knapp drei Monaten in Twer und Moskau als Vorbild: „Wir sind in Gesprächen, bald auch eine Twerer Wirtschaftsdelegation nach Osnabrück zu schicken.“

Der stellvertretende Leiter der Stadtduma Twer und Geschäftsführer des Ingenieurbüros „Delta Plus“, Wadim Rybachuk, sieht den Besuch der Delegation in dieser diplomatisch angespannten Lage als „einen Schritt nach vorne. Jetzt sind wir hier, um Vorschläge auch für Berner Ladenbau zu machen“, sagt er und denkt dabei zum Beispiel an ein Hotel mit 40 Zimmern und Spa-Bereich, das zurzeit geplant werde. Er fragt Riesner: „Wenn wir Ihnen die Planung schicken, können Sie uns dann einen Preis nennen?“ Riesner willigt ein. Rybachuk würde es begrüßen, wenn Unternehmer wie Riesner noch mehr in die Region investieren und sagt: „Je mehr Kontakte wir zu Unternehmern haben, desto schneller lassen wir die Sanktionen hinter uns.“

Der Unternehmer und Politiker Gumenyuk zeigt sich besonders von Riesners Referenzobjekten angetan. So gestaltete Berner Ladenbau etwa auf 60 Quadratmetern die Innenausstattung eines sogenannten „Königsbäckers“ im russischen Kaliningrad mit Ladenbau, Lampen und Design für 95000 Euro aus und kommt nach eigenen Angaben auf einen Jahresumsatz von 30 Millionen Euro im Jahr. Gumenyuk resümiert: „Wir brauchen die Ideen für diese hochwertige Ausstattung. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Investitionen in Russland.“


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