Vor der Premiere im Theater „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ nach Eugen Ruge

Von Christine Adam


Osnabrück. Am kommenden Samstag hat im Osnabrücker Theater am Domhof die Osnabrücker Bühnenfassung von Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ Premiere. Das Bühnenbild von Peter Lehmann und die Kostüme von Dorothee Joisten erzählen kräftig mit über die Familiengeschichte vierer Generationen, die überweigend in der DDR leben.

Das Osnabrücker Theater setzt sich zum Spielzeitbeginn mit Mauerfall (vor 25 Jahren) und DDR-Realität auseinander. Nach Heiner Müllers „Leben Gundlings“ , einer eher abstrakten Geschichtsreflexion, am vergangenen Sonntag folgt nun am kommenden Samstag konkretere DDR-Geschichte in Form eines Familienromans: Gustav Rueb , der in der zurückliegenden Saison geistreich „Jenseits von Fukuyama“ inszeniert hat, bringt die Osnabrücker Bühnenfassung (Marie Senf, Gustav Rueb) von Eugen Ruge s Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ im Theater am Domhof zur Premiere.

Das Regieteam will an der Erzählstruktur des Romans festhalten: den wechselnden Zeitebenen und Momentaufnahmen, aus denen sich die Informationen über die vier Generationen der Familie zusammensetzen. Da gibt es die älteste Generation des Hamburger Arbeiters und USPD-Mitglieds Wilhelm Powileit, der mit Charlotte Umnitzer und den Söhnen Werner und Kurt nach Hitlers Machtergreifung in die UdSSR flieht und später nach Mexiko-Stadt emigriert. 1952 ziehen sie in die DDR, um beim Aufbau des Sozialismus mitzuhelfen. Werner und Kurt geraten durch politisch missliebige Äußerungen in sowjetische Straflager. Nur Kurt kehrt zurück und wird in der DDR ein angesehener Historiker. Mit seiner russischen Frau Irina bekommt er den Sohn Alexander, der wiederum mit seiner Frau Melitta Markus zeugt. Doch beim unstet lebenden „DDR-Flüchtling“ Alexander, der unheilbar krebskrank wird, laufen noch einmal alle Familienfäden zusammen, indem er sich auf den Spuren der Großmutter Charlotte durch Mexiko bewegt.

Hier blätternde Altbauten im DDR-Teil Berlins, dort der Sehnsuchtsort Mexiko: Bühnenbildner Peter Lehmann hat ein „Einheitsbild für alle Orte“ entworfen, wie er im Gespräch sagt. Verwohnte Treppen schlagen in ihrer „pyramidalen Form“ die Brücke zu den Azteken der mexikanischen Kultur. Mithilfe der Drehbühne lassen sich etwa die drei verschiedenen Blickwinkel auf den 90. Geburtstag von Wilhelm veranschaulichen. Eine Familie dreht sich im Kosmos der DDR um die eigene Achse. Doch zum Realismus kommt eine metaphysische Ebene hinzu mit Alexanders Sterben, seiner „Passionsgeschichte“, wie Dramaturgin Marie Senf sie nennt. Wie für sie überhaupt der Romanstoff „das Große im Kleinen und das Kleine im Großen“ erzählt.

Kostümbildnerin Dorothee Joisten stellte sich der reizvollen Herausforderung, mit realistischen Kostümen neun Zeitebenen zwischen 1952 und 1995 kenntlich zu machen, aber auch die Veränderungen einzelner Charaktere. Dazu hat sie Bildbände gewälzt, wie sie erzählt, ist durch Berliner Läden mit DDR-Ware getrödelt und hat Nostalgie-Utensilien oder DDR-Stoffe wie „ Präsent 20 “ oder das Polyester-Material Dederon aufgetrieben.

Premiere von „In Zeiten des abnehmenden Lichts“: Samstag, 20. September, 19.30 Uhr, Theater am Domhof. Kartentel. 0541/600076