Wenn das Freizeitvergnügen auf Abwege gerät Mountainbiker und Waldbesitzer wollen sich an einen Runden Tisch setzen

Von Horst Troiza

Das Verhältnis zwischen Mountainbikern und Waldbauern im südlichen Landkreis Osnabrück ist angespannt. Jetzt soll ein runder Tisch eingerichtet werden. Foto: dpaDas Verhältnis zwischen Mountainbikern und Waldbauern im südlichen Landkreis Osnabrück ist angespannt. Jetzt soll ein runder Tisch eingerichtet werden. Foto: dpa

Bad Iburg. Das Verhältnis zwischen Mountainbikern und Waldbauern im südlichen Landkreis Osnabrück ist seit Jahren angespannt. Die einen wollen ihrem Sport nachgehen, die anderen beklagen nicht unerhebliche Zerstörungen ihres Besitzes. Eine vom Landkreis initiierte Diskussion beider Lager führte jetzt zu der Absichtserklärung, einen Runden Tisch einzurichten, der nach einer Lösung suchen soll.

Wanderer und Waldbesitzer – das geht. Wanderer und Mountainbiker – das geht ebenfalls. Aber Waldbesitzer und Mountainbiker – das geht gar nicht. Das wurde zu Beginn der Diskussion deutlich, die in Bad Iburg-Ostenfelde stattfand: Die einen pochen auf ihre Eigentumsrechte, die anderen auf die freie Ausübung ihres Sports, der mittlerweile vom bloßen Trend- zum Massensport geworden ist.

Eigene Strecken

Im Zentrum des Streites stehen die sogenannten Downhill-Fahrer im Bereich des Dörenbergs und des Hüggels. Sie legen nicht selten eigene Strecken an, bauen Rampen auf, heben Löcher aus – alles auf Privatgelände. „Wir fahren auch nicht mit dem Auto durch anderer Leute Garten“, argumentieren die Grundbesitzer.

Nicht vernachlässigt werden darf zudem der Aspekt der Verkehrssicherungspflicht durch den Grundstückseigentümer. Weiß er von einer dieser illegal errichteten Strecken auf seinem Gelände und lässt das Fahren dort zu, kann er gegebenenfalls in Regress genommen werden, wenn ein Mountainbiker dort einen Unfall hat und verletzt wird. Weitere Aspekte sind die Einhaltung des Naturschutzes sowie Belange der Jagd. Letztere dient nicht nur dem reinen Vergnügen der Ausübenden, sondern der Pflege und Hege des Waldes. Wenn, wie in letzter Zeit häufiger festzustellen ist, nachts Mountainbiker mit Helmlampen durch das Unterholz rasen, sind Wild und Jäger gleichermaßen bedient.

Um Bewegung in die zuletzt starren Fronten zu bekommen, hatte der Fachdienst Umwelt des Landkreises zur Diskussion aufgerufen. Etwa 80 Teilnehmer beider Lager legten ihre Standpunkte dar, anfangs teils hitzig und nicht immer sachlich, später dann aufgrund der ruhigen Moderation von Timo Kluttig vom Landkreis eher nüchtern und dialogbereit.

Deutlich wurde, dass es für die in einem eigenen Verband organisierten Waldbesitzer schwierig ist, auf der Gegenseite Ansprechpartner zu finden, da Mountainbiker in der Regel einen Individualsport betreiben und deshalb in der Regel keine Vereine gründen. Deutlich wurde auch, dass die Grundbesitzer unter Umständen bereit wären, Streckenbau auf ihrem Gelände zuzulassen – wenn sie denn dafür finanziell entschädigt werden.

Hier sahen beide Seiten erst einmal die Kommunen in der Pflicht. So ließe sich der Aspekt der Verkehrssicherungspflicht eher regeln, waren sich die Vertreter der Waldbesitzer sicher. „Der Auftrag der Kommunen ist es doch, Belange wie Jugend und Sport innerhalb der Gemeinde zu fördern“, meinten welche aus dem Biker-Lager.

Gelenkter Tourismus

Kritik wurde an der Haltung Bad Iburgs laut: Einerseits werde dort seit Jahren die Teuto-Tour veranstaltet, zuletzt erst anfangs dieses Monats mit 700 Teilnehmern, aber den Rest des Jahres sollen die Mountainbiker fernbleiben. Dabei war dort erst vor Jahresfrist vor Ratsmitgliedern eine Untersuchung vorgestellt worden, die das wirtschaftliche Potenzial eines gelenkten Mountainbike-Tourismus herausgestrichen hatte.

Am Ende des Abends kamen die beiden Gruppen überein, einen Runden Tisch einzurichten, der den Dialog in Gang setzen und mit den verantwortlichen Stellen in den Kommunen Kontakt aufnehmen soll. Ein solches Forum hatte es bereits vor einigen Jahren gegeben. Es war ergebnislos auseinandergegangen, doch vielleicht sind beide Seiten nun kompromissbereiter und können in den örtlichen Gemeinden ihre Standpunkte besser vertreten.