Emma Kirkby eröffnet das Musica-Viva-Festival „Ich lehne mich zurück und genieße“

Hat musikalisch ihren eigenen Weg gefunden: Emma Kirkby. Foto: Thomas OsterfeldHat musikalisch ihren eigenen Weg gefunden: Emma Kirkby. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Sie gilt als Königin des Barock-Gesangs: Emma Kirkby trug wesentlich zur Wiederentdeckung der Alten Musik bei. Seit den Anfängen von Musica Viva ist die Sopranistin Emma Kirkby regelmäßig in Osnabrück zu Gast, als Künstlerin wie als Leiterin von Gesangskursen. Bevor sie am Donnerstag, 18. September, mit dem Lautisten Jakob Lindberg das diesjährige Festival eröffnet, nahm sich die Musikerin zwischen Meisterkurs und Konzert die Zeit für ein Interview.

Frau Kirkby, Sie haben in einem Interview erzählt, dass Ihr größter musikalischer Einfluss immer die Laute war.

Meine allererste Inspiration war der mehrstimmige Gesang, das war noch zu Schulzeiten. Das habe ich immer geliebt. Aber die Laute ist einfach ein wunderbares Instrument, um dazu zu singen. Es ist ein Luxus. Sie gibt dir viel Freiheit und ist zugleich eine gute Schule, weil alles, was du tust, sehr deutlich zu hören ist. Du kannst dich nie verstecken. Zugleich ist sie sehr subtil und befriedigend. Weshalb noch der feinste Ton hörbar wird. Das ist sehr dankbar. Deshalb finde ich die Laute so inspirierend.

Ist das auch der Grund dafür, dass Sie nie große Opern gesungen haben?

Ich höre mir das gern an und kann mich auch dafür begeistern, wenn andere das tun. Aber es ist nicht meine Größenordnung. Es ist viel größer und weniger diskursiv.

Diese Intimität ist Ihnen als Künstlerin wichtig?

Ja. Und die soziale Direktheit. Manchmal gibt es ja auch in der Alten Musik durchaus große Besetzungen, wie bei Haydn oder Händel. Aber selbst da sind die Sopranarien immer noch Kammermusik.

Sie unterrichten im Rahmen von Musica Viva auch Meisterklassen. Bevor Sie Sängerin wurden, waren Sie Musiklehrerin. Denken Sie, dass Ihnen das geholfen hat, Fehler zu vermeiden, die junge Sänger am Anfang ihrer Karriere machen können?

Das ist wahrscheinlich so. Aber ich hatte auch das Glück, dass mein Repertoire so speziell war und so angenehm: Es gab so viel Kammermusik, die sehr aufregend war, aber zugleich sehr intim, sodass sie mich nicht so strapaziert hat, was großartig ist.

Und Sie hatten Glück, weil es damals nicht so viel Alte Musik gab ...

Ja, ich hatte unglaubliches Glück. Wenn ich sang, musste ich nicht darüber nachdenken, ob ich ein Stück so gut wie diese oder jene Sängerin singen könnte. Es war Neuland, und ich konnte meinen eigenen Weg finden.

Worauf dürfen wir uns heute Abend freuen?

Es geht auf eine Weise zurück zu einer früheren Phase meines Lebens, weil es griechische und römische Mythologie und Ideen verfolgt, wie sie im 17. Jahrhundert im englischen Lied verhandelt wurden.

Sie haben Latein und Griechisch studiert ...

Ja. In England gab es im 17. Jahrhundert ein starkes Interesse an Dichtern wie Sappho, Horaz und Anakreon. Anakreons Themen waren vor allem am Ende des 17. Jahrhunderts interessant in England. Nach dem Bürgerkrieg wollte man wieder zu den schönen Dingen des Lebens zurückkehren. Ein Dichter wie Anakreon, der eine wunderbar lebhafte Haltung hat, war deshalb sehr reizvoll. Und natürlich gibt es diese wunderbare Mythologie mit Heldinnen wie Ariadne, Daphne und Dido. Damit spielen wir. Und ich bin immer froh, mit Jakob Lindberg zu spielen. Er spielt sehr virtuose, substanzielle Soli. Ich habe dann Pause, lehne mich zurück und genieße. Ich habe ihn gebeten, heute noch mehr als üblich zu spielen, weil ich meine Energie einteilen muss. Es wird eine Mischung aus Liedern und Soli. Wir machen auch einen kleinen Ausflug nach Italien. „La Parca“ von Cataldo Amodei handelt von den Parzen, den drei Schicksalsgöttinnen: Die eine stickt den Faden des Lebens, die zweite misst ihn, und die dritte schneidet ihn ab. Amodei war ein bisschen älter als Alessandro Scarlatti. Scarlatti übernahm seine Stellung in Neapel. Es ist ein klassisches Thema, sehr philosophisch. Wir müssen alle damit umgehen.

Musica Viva:Emma Kirkby und Jakob Lindberg werden am Donnerstag, 18. September, um 20 Uhr in der Ehemaligen Kirche in Hagen a.T.W. auftreten.