Neue Grabungen Osnabrücker Neumarktbaustelle: Weitere Knochen gefunden

Von Stefanie Witte


Osnabrück. Die Informationslage in Sachen Knochenfund ändert sich derzeit fast stündlich: Auf der Neumarktbaustelle sind weitere sterbliche Überreste verschiedener Menschen gefunden worden. Ein Team der Osnabrücker Archäologie war auch am Mittwoch wieder vor Ort. Erstmals wurde ein fast vollständiges Skelett gefunden.

Bauarbeiter waren erneut auf Gebeine gestoßen. Der Bauleiter hatte daraufhin die Polizei benachrichtig, diese hatte die Information an die Archäologen weitergegeben. Die Wissenschaftler stießen am späten Vormittag erstmals auf ein fast komplettes Skelett. Kurios: Dessen Schädel gehört laut Anthropologin nicht zum Rest des Körpers.

Dennoch hat sich erneut die Arbeitshypothese der Wissenschaftler geändert: Mehrere Dokumente aus dem späten Mittelalter weisen darauf hin, dass sich am Fundort früher ein eingefriedeter Bereich befand, der zu einer Kirche gehörte, die von den Augustinern 1320 fertiggestellt wurde. Dass die Knochen auch von Frauen und Kindern stammen, könne dafür sprechen, dass es sich um einen Friedhof für Osnabrücker Bürger handelte, sagt Axel Friedrichs von der Stadt- und Kreisarchäologie. Die Kirche war seit ihrem Bau erst von den Augustinern genutzt worden, später auch von Jesuiten sowie von den Schweden, die Osnabrück zwischenzeitlich besetzt hielten.

Bei den Grabungen wurden außerdem wohl auch Mauerteile des ehemaligen Zuchthauses freigelegt, das an der Stelle der Kirche erbaut wurde. Ein Knochen lag unter diesen Steinen. Das kann ein Indiz dafür sein, dass die sterblichen Überreste vor dem Bau des Gebäudes im Jahr 1752 dort abgelegt wurden. Die Wissenschaftler hatten bereits festgestellt, dass die Knochen mindestens einhundert Jahre alt sind.

Die am Montag sichergestellten Knochen wurden in der Zwischenzeit in die Räume der Archäologie gebracht. Sie werden dort getrocknet und weiter untersucht. Die Bauarbeiten werden für die aktuelle Grabung nicht unterbrochen.