Architektur in Osnabrück Ein echtes Stück Siebziger: Das Kreishaus

Von Markus Pöhlking


Osnabrück. Obwohl das Osnabrücker Kreishaus erst 1982 fertiggestellt wurde, ist es in vielen seiner Facetten ein Stück Baukultur der 70er-Jahre.

Es ist schon ein ganz schöner Klotz, den sich der Landkreis Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre ganz im Süden von Osnabrück errichten ließ: Als gemäß der niedersächsischen Kommunalreform 1972 der Kreis aus der Taufe gehoben wurde, brauchte es einen zentralen Verwaltungsstandort. Viel Klinker, viel Glas und dazwischen die gelben Farbtupfer der Rollos prägen die Außenansicht eines Gebäudes, dessen Erscheinungsbild man heute wahrscheinlich so nicht mehr planen würde. Einige innovative Elemente finden sich dennoch in seiner Architektur.

Ungewöhnlich war seinerzeit beispielsweise das Fertigungsverfahren: Bilder der Baustelle aus dem Jahre 1980 zeigen einen Haufen Betonsäulen, die, einem Skelett nicht unähnlich, in den Himmel ragen. Zwischen diesen vorgefertigten und mit Klinkern umhüllten Trägern erwuchs das eigentliche Gebäude bis zu seiner Fertigstellung im Jahre 1982. Bis heute zeichnen sich die Säulen klar an den Außenfronten des Gebäudes ab und tragen ihren Teil bei zum funktionalen Charme, den das Kreishaus versprüht. Den unterstreicht auch das Innere: Die gestalterische Handschrift setzt sich dort nahtlos fort, rote Klinker oder rote und graue Fliesen prägen das Ensemble.

Und ein Stück Baukultur mit erheblichen Dimensionen. Kafka-Jünger mögen sich aufgrund der Orientierungslosigkeit beim ersten Besuch bestätigt fühlen: In Behördenbauten manifestiert sich die Bürokratie, und in der ist das Individuum hoffnungslos verloren. Ursprünglich hätte das Kreishaus sogar noch etwas größer ausfallen können: Überlegungen, die Rettungsleitstelle des Kreises oder die kommunale Volkshochschule in den Bau zu integrieren, wurden letztlich nicht realisiert – das Raumangebot war bereits ausgeschöpft und sollte nicht aufgestockt werden.. Erweitert wurde dennoch: Anfang der neunziger Jahre wurde am Kreishaus der Mitte-Nord-Flügel erweitert, seitdem zeichnet sich der Phänotyp der Kreisverwaltung durch weitgehende Konstanz aus. Hier und da wird das Ganze sogar durch dezent installierte Kunstwerke aufgelockert: Die von Rolf Overberg gestaltete Eulenstele beispielsweise schmückt in Beton-Ästhetik die Vorfahrt zum parlamentarischen Bereich. Dessen Herzstück, der Kreistagssaal, kommt zwar hochwertig ausgestattet, aber ansonsten doch eher schmucklos daher und bietet keinen allzu hohen Verweilcharakter. Rückschlüsse auf die dort gepflegte Debattenkultur lassen sich daraus übrigens aber nicht ziehen..

Metropolenfaktor: 3 von 6 Sternen
Stadtbildfaktor: 5 von 6 Sternen
Wohlfühlfaktor: 4 von 6 Sternen