Grundstein für das Wirquartier Behinderte Menschen und Studenten leben Tür an Tür

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. 28 Studenten wohnen Tür an Tür mit 18 behinderte Menschen, und das Zusammenleben soll ein Meilenstein für die Inklusion werden. Am Borkumweg im Baugebiet Mittewest entsteht für 4,2 Millionen Euro das Wirquartier der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO). Obwohl das Erdgeschoss schon steht, wurde jetzt die Grundsteinlegung gefeiert.

Die Idee geht auf die Eheleute Margitta Schneider und Manfred Müller zurück. Ihr Sohn Theo hat sie zu Vorkämpfern für neue Wohnformen gemacht. Theo ist mit dem Downsyndrom zur Welt gekommen und lebt mit seinen 21 Jahren bei seinen Eltern. Vielleicht wird er demnächst ins Wirquartier ziehen.

Vor acht Jahren gründeten Margitta Schneider und Manfred Müller unter dem Dach der Lebenshilfe eine Elterninitiative. Die 30 Mitglieder informierten sich in anderen Städten, etwa in Münster, wo behinderte Menschen mit Sozialhilfeempfängern unter einem Dach wohnen. Sie entwickelten die Idee weiter, fanden Projektpartner und schließlich auch ein Baugrundstück am früheren Busdepot. Die Förderstiftung HHO stellt nun das Grundstück zur Verfügung, die Heilpädagogische Hilfe baut mit Unterstützung der „Friedel & Gisela Bohnenkamp“-Stiftung und der Lebenshilfe, das Studentenwerk Osnabrück schließt für die 28 Appartments der Studierenden einen Mietvertrag über 20 Jahre ab. Margitta Schneider ist glücklich, dass ihr Projekt so viele Unterstützer gefunden hat und zum Selbstläufer geworden ist: „Keiner musste überredet werden“, freut sie sich.

Seit Juni wird gebaut, und im August 2015 soll das Wirquartier fertig sein. Es handelt sich um ein lang gestrecktes Passivhaus entlang der Ernst-Sievers-Straße, mit Flachdach und drei Geschossen, von denen sich das obere deutlich zurücknimmt.

„Ein höchst innovatives Projekt, das mit der Inklusion Ernst zu machen versucht“, würdigte Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler bei der Grundsteinlegung. Der Bau biete eine gute Voraussetzung, dass die Bewohner „den anderen im Blick haben“, dass sie zusammen etwas unternehmen, zusammen feiern und sich zusammen freuen können.

Der Borkumweg sei für Studierende ein hervorragender Standort, befand Peter Langer, der Vorsitzende der Heilpädagogischen Hilfe. Und die Lebensform im Wirquartier sei geeignet, sich für behinderte Menschen einzusetzen und die eigene Sozialkompetenz zu erweitern. „Arbeitgeber schätzen soziale Kompetenzen“, schlug auch Thomas Schmidt-Benkowitz, der stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe, in dieselbe Kerbe. Er hoffe, „dass aus Nachbarn Freunde werden“.

Birgit Bornemann, die Geschäftsführerin des Studentenwerks, ist überzeugt, dass viele Studierende gern ins Wirquartier ziehen werden. Wer sich darauf einlasse, habe die Chance, „bereichernde Erfahrungen“ zu machen.