Interview mit Bank-Chef Nur wenig falsche Geldscheine in unserer Region

Von Wilfried Hinrichs

Der Leiter der Osnabrücker Bundesbank-Filiale Marc Binnewies mit neuem (links) und altem 10 Euro Schein. Vor einigen Tagen sind die neuen Zehner in einem stark bewachten Transport angeliefert worden.Foto: Jörn MartensDer Leiter der Osnabrücker Bundesbank-Filiale Marc Binnewies mit neuem (links) und altem 10 Euro Schein. Vor einigen Tagen sind die neuen Zehner in einem stark bewachten Transport angeliefert worden.Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Im ersten Halbjahr wurden in der Region Osnabrück/Emsland nur 39 falsche Banknoten entdeckt. Das ist wenig im bundesweiten Vergleich, wie Marc Binnewies, Leiter der Bundesbank-Filiale Osnabrück, in unserem Interview erklärt.

Herr Binnewies, hin und wieder sieht man vor der Bundesbank-Filiale Geldtransporte. Die sind angesichts des meist großen Polizeiaufgebotes und der auffälligen Transportfahrzeuge kaum zu übersehen. Verraten Sie doch mal, was da wohin gebracht wird.

Beim letzten Geldtransport wurden wir beispielsweise mit der neuen Zehn-Euro Banknote beliefert. Gelegentlich werden aber auch Bargeldbestände auf diesem Weg zwischen den Bundesbankstandorten ausgeglichen oder auch Filialen mit Neudrucken versorgt.

Am 23. September wird der neue Zehn-Euro-Schein eingeführt. Inwieweit ist die Filiale Osnabrück involviert?

Wir fungieren als Ausgabestelle und beliefern insbesondere Großkunden wie die Kreditinstitute in unserer Region.

Wie gefällt Ihnen der neue Schein?

Der Schein fühlt sich in den Händen zwar etwas ungewohnt an, aber insgesamt gefällt mir der Schein sehr gut – vor allem die Farben.

Was ist anders?

Die neue Zehn-Euro-Banknote ist noch fälschungssicherer als die bereits sehr gute ES1-Serie (Euro-Serie1, Anm.d. Red.). Zudem ist die Qualität der Banknote höher, sodass von einer längeren Lebensdauer einer Note ausgegangen werden kann. Vom Design und den wesentlichen Bild-Elementen sowie der vorherrschenden Farbe gleicht die Note jedoch der ersten Serie. Diese Kontinuität ist auch gut so. Hervorzuheben sind aus meiner Sicht die schöne Smaragdzahl, deren Farbwechsel extrem fälschungssicher ist, sowie die Schmutz abweisende Lackierung.

Sind Sie sicher, dass es – anders als bei der Einführung des neuen Fünf-Euro-Scheins – keine Probleme an Automaten geben wird?

Der bundesweite Umstellungsbedarf ist hoch. Die kleineren Akzeptanzprobleme bei der neuen Fünf-Euro-Banknote an Automaten hoffen wir bei der diesjährigen Umstellung durch längere Test- und Adoptionszeiten – neun statt vier Monate – und der erleichterten Leihe von Testbanknoten zu umgehen. Wir haben dazu gelernt und die anderen Marktteilnehmer vermutlich auch.

Was genau ist die Aufgabe der Filiale Osnabrück und für welchen Bereich, für welche Region ist sie zuständig?

Kerngeschäft ist die Versorgung der Region mit Bargeld. In diesem Zusammenhang bieten wir weitere Leistungen an wie Schulungen zum Thema Falschgeldprävention und informieren im Rahmen der ökonomischen Bildung auch über Aufgaben und Tätigkeiten der Deutschen Bundesbank im Allgemeinen. Der originäre Geschäftsbereich umfasst Stadt und Landkreis Osnabrück, das Emsland und die Grafschaft Bentheim. Zudem haben wir sehr viele Geschäftskunden aus den umliegenden Regionen, wie beispielsweise das Münsterland.

Sie überprüfen jeden Geldschein, der bei ihnen abgegeben wird?

Ja. Jeder einzelne Geldschein wird automatisiert auf seine Echtheit und Umlauffähigkeit überprüft. Etwa fünf Prozent der Scheine, jeder 20. Schein also, wird aus dem Verkehr gezogen, weil er unbrauchbar geworden ist. Im Durchschnitt kommt jeder Euroschein acht bis zehn Mal im Jahr zu uns ins Haus und geht wieder raus.

Was geschieht mit den aussortierten Scheinen?

Die werden geschreddert, gepresst und dann von einem Entsorger abgeholt. Übrigens: Beim alten Fünf-Euro-Schein hatten wir hier in der Osnabrücker Filiale eine Schredderquote von sechs Prozent. Der neue Schein liegt bei nur vier Prozent. Auch darin zeigt sich die verbesserte Qualität.

Und wie viele Fälschungen entdecken sie?

Uns entgeht keine falsche Banknote, da können Sie ganz sicher sein. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hatten wir hier in der Osnabrücker Filiale 39 Fälschungen, im vergangenen Jahr insgesamt 70. Damit liegt die Region relativ niedrig. Im ersten Halbjahr 2014 sind bundesweit 25000 Fälschungen aufgetaucht, das entspricht rund sechs Fälschungen je 10000 Einwohner. In unserer Region war es ein Schein pro 10000 Einwohner.

Die Zahl der Bundesbank-Filialen ist seit 1991 von 202 auf 41 gesunken. Müssen wir uns Sorgen um den Bestand der Osnabrücker Filiale machen?

Die Bundesbank befindet sich weiterhin in einem Veränderungsprozess. Nach der derzeitigen Strategie werden wir das Filialnetz bis voraussichtlich 2018 auf 31 Filialen reduzieren. Der Standort Osnabrück bleibt davon unberührt. Aufgrund des großen Einzugsgebietes, des hohen Geschäftsvolumens und der guten Wirtschaftlichkeit ist die Filiale Osnabrück als bestandsfest einzustufen.

Wie viele Mitarbeiter sind in der Filiale Osnabrück beschäftigt?

Derzeit sind in der Filiale Osnabrück 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Ist die Umstellung von D-Mark auf Euro eigentlich erledigt oder kommen immer noch Kunden mit D-Mark-Beständen zum Tausch? Wie viel D-Mark tauscht die Filiale im Jahr in Euro um?

In den vergangenen Jahren haben wir ein nahezu konstantes Umtauschvolumen von rund einer Million € pro Jahr. Am Tag haben wir etwa zehn Privatkunden, die D-Mark umtauschen wollen.

Sie sind seit dem 1. Dezember 2012 Chef der Osnabrücker Filiale. Wie weit reichen Ihre Kompetenzen, welchen Gestaltungsspielraum haben Sie als regionaler Leiter?

Zum einen die üblichen Kompetenzen eines Dienststellenleiters im Rahmen der Personal- und Unternehmensführung. Die Kernaufgabe der Bundesbankfiliale ist die Gewährleistung der jederzeitigen Versorgung der Kreditinstitute, des Handels und der Bevölkerung mit Bargeld. Dafür habe ich die erforderlichen innerbetrieblichen Kompetenzen erhalten. So habe ich beispielsweise bei der Bewältigung von Problemen oder Störungen entsprechende Gestaltungsspielräume. Glücklicherweise musste ich diese bislang aber kaum anwenden.