Albert Hammond im Rosenhof Extraordinäres Erlebnis

Von Tom Bullmann

Eine ausgesprochene Frohnatur: Albert Hammond ist auch mit 70 noch topfit. Foto: Thomas OsterfeldEine ausgesprochene Frohnatur: Albert Hammond ist auch mit 70 noch topfit. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Diverse Aspekte machten den Auftritt von Albert Hammond im Rosenhof zu einem Phänomen: Die Agilität des 70-jährigen Musikers, die unglaubliche Menge an Hits, die allesamt aus seiner Feder stammen, und die Leichtigkeit und Fröhlichkeit der meisten Songs, die den gebürtigen Briten als ausgesprochene Frohnatur kennzeichnen.

Die Musik aus fünfeinhalb Jahrzehnten und die Geschichten, die Hammond zwischen den Songs zum Besten gab, ließen das ausverkaufte Gastspiel zum extraordinären Erlebnis werden.

„Als ich zum ersten Mal in Los Angeles war und mit einem Taxi vom Flughafen in Richtung Stadt fuhr, fragte ich den Fahrer, was das denn für eine Rauchwolke am Himmel sei. Er meinte, es sei Umweltverschmutzung. Das inspirierte mich zum vermutlich ersten grünen Song in der Geschichte der Popmusik“, erzählt der Mann mit der akustischen Gitarre und der Lederjacke, der auf der Bühne im Scheinwerferlicht steht. „Down By The River“ heißt der Song gegen die Verunreinigung der Flüsse durch Industrieabfälle, den Albert Hammond jetzt mit seiner Band vorträgt. 1972 hat er ihn geschrieben, und er klingt vielen Zuschauern noch von früher im Ohr.

Es sind mehrere Generationen von Fans im Publikum, wie der Sänger durch Abfragen herausbekommt. Aber: „Ihr seid so steif, macht euch mal ein bisschen locker. Immerhin dürfte ich ja wohl der Älteste hier im Saal sein“, frotzelt er. Dann stimmt er „Little Arrows“ an, seinen ersten Hit, den er 1968 zusammen mit dem Texter Mike Hazlewood geschrieben hat, der in der Interpretation von Leapy Lee zum Welthit wurde und in einer deutschen Version als „1000 rosarote Pfeile“ von Caterina Valente gesungen wurde.

So geht die Geschichte weiter, denn es sind nicht nur die Evergreens, die er selbst gesungen hat, sondern noch viel mehr, die von anderen Künstlern bekannt gemacht wurden. „Da gab es Ende der Sechzigerjahre die Band Chicago, die mich nach einem Song fragte. Da sie schon länger keinen Hit mehr hatten, dachte ich mir: Ich schreibe denen mal einen guten Song“, erzählt Hammond mit einer gewissen Prise britischen Humors. Herausgekommen ist „I Don’t Wanna Live Without Your Love“ , ein langsamer Rocker, den er mit seiner Band versiert vorträgt. Obwohl ihm das unbeständige Wetter in Deutschland stimmlich zu schaffen macht, zeigt sein Gesangsorgan mit diesem typischen, leicht rauen Touch kaum Abnutzungserscheinungen.

„Gimme Dat Ding“, dieses, wie er selbst sagt, „ziemlich alberne“ Lied für eine englische Kindershow, erzeugt diesen „Ach, das ist auch von ihm“-Effekt, der an diesem Abend noch häufig eintritt. Auch wenn der überwiegende Teil der Lieder etwas Schlagerhaftes hat und das Publikum in den Schunkel- und Mitsingmodus versetzt, forcieren Hammond und seine spanischen Begleitmusiker bisweilen das Tempo. „Smokey Factory Blues“, in den 70er-Jahren für die Band Steppenwolf geschrieben, weist gar eine gewisse Rock-’n’-Roll-Attitüde auf.

Die größten Hits hebt sich die lebende Legende für den Zugabenblock auf: „ The Air That I Breathe“ , „It Never Rains in Southern California“ und „The Free Electric Band” versetzten die Zuschauer in Jubelstimmung. „Ich werde im nächsten Jahr wiederkommen“, verspricht Hammond nach zwei Stunden Musikgeschichte – und erscheint bald am Merchandising-Stand, um Autogramme zu geben. Chapeau.