Hochschule Osnabrück Dank Studium gesattelt für die eigene Pferdepension

Von Johanna Lügermann

Während ihres Studiums mit dem Schwerpunkt Pferdemanagement an der Hochschule Osnabrück hat Claudia Nordhoff Theorie und Praxis miteinander verbinden können. Heute führt sie ihre eigene Pferdepension. Foto: Thomas OsterfeldWährend ihres Studiums mit dem Schwerpunkt Pferdemanagement an der Hochschule Osnabrück hat Claudia Nordhoff Theorie und Praxis miteinander verbinden können. Heute führt sie ihre eigene Pferdepension. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Einen deutschlandweit einzigartigen Studiengang bietet die Hochschule Osnabrück mit dem Schwerpunkt Pferdemanagement im Bachelorstudium Agrarwissenschaft. Claudia Nordhoff hat ihn absolviert und lobt den hohen Praxisanteil.

Mit dem Reiten fing Nordhoff bereits im Alter von sieben Jahren an, mittlerweile hat sie rund um die Uhr mit Pferden zu tun. Mit ihrer Familie lebt die 27-Jährige auf dem stillgelegten Bauernhof ihrer Großeltern in Emsdetten (Kreis Steinfurt). Dort hatte sie Platz für ein eigenes Pony. Heute steht ihr Pferd nicht mehr allein im Stall, denn auf ihr Drängen wurde der Betrieb zu einer gut gehenden Pferdepension umgebaut. Seit sieben Jahren hält sie hier gemeinsam mit ihren Eltern die Zügel in der Hand.

Dazu hat die Hochschule Osnabrück beigetragen. Vom Schwerpunktstudium Pferdemanagement hatte Claudia Nordhoff im Internet gelesen. „Ich war sofort begeistert. Schon bei einer Berufsberatung in der Schule war mir das Studium der Landwirtschaft empfohlen worden.“ So konnte sie ihre Leidenschaft für Pferde und Reiten mit ihrem Berufstalent kombinieren. Und musste dafür nicht einmal weite Wege in Kauf nehmen. Denn ähnliche Studiengänge findet man in Deutschland sonst nur in Göttingen und im baden-württembergischen Nürtingen.

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Doch warum überhaupt studieren, wenn man mit Pferden arbeiten will? Der Besuch der Hochschule unterscheidet sich stark von einer klassischen Ausbildung zum Pferdewirt: „Wir lernen nicht, Pferde auszubilden, sondern Ansätze für eine verbesserte Tierhaltung zu entwickeln – beispielsweise bei der Fütterung“, erklärt Claudia Nordhoff. Die wissenschaftliche Ausbildung qualifiziert zudem für das mittlere und gehobene Management.

Im Bachelorstudiengang werden in den ersten drei Semestern allgemeine Themen der Landwirtschaft behandelt. Unter anderem stehen Grundlagen des Pflanzenbaus, Statistik und Agrarpolitik auf dem Seminarplan. Erst ab dem vierten Semester beginnt die Spezialisierung auf das Pferd. Mit dem Abschluss Agraringenieur sind Absolventen bei der Berufswahl nicht auf die Pferdebranche beschränkt. Aber schon diese Nische bietet eine Vielfalt an Tätigkeitsfeldern. Gerade in einer reitsportbegeisterten Gegend wie dem Osnabrücker Land oder der nahen deutsch-niederländischen Grenzregion. Nordhoff: „Denkbar sind auch die Arbeit im Tourismus oder in einer Eventagentur, die Reitsport organisiert.“

An der Hochschule Osnabrück leitet Heiner Westendarp den Studienschwerpunkt Pferdemanagement. Er berichtet, dass die Lehrinhalte gemeinsam mit potenziellen Arbeitgebern entwickelt wurden. 20 bis 25 Studenten wählten jedes Jahr die Vertiefung. Voraussetzung für das Studium der Agrarwissenschaft sei ein einjähriges Praktikum im Berufsfeld Landwirtschaft oder eine entsprechende Berufsausbildung. „Das praktische Vorwissen erlaubt es, sich leichter in die Studieninhalte einzudenken.“ Sprachkompetenz sei ebenfalls wichtig für das Pferdemanagement, da sich die Branche auf einem internationalen Markt entwickele.

Claudia Nordhoff entschied sich nach dem Bachelor 2012, einen Masterstudiengang anzuschließen. Das erste Jahr verbrachte sie an der Hochschule, weitere zwölf Monate waren für die Bearbeitung einer Projekt- und der Masterarbeit geplant. Dafür hat sie am Horse Competence Center Germany (HCCG) auf dem Gestüt Osthoff in Georgsmarienhütte die Fütterung von Bierhefe an Reitpferde erforscht. Heute ist sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt.

Als solche wirkte sie auch an den Vorbereitungen für die „Netzwerktagung Pferdewissen“ am 6. und 7. Oktober mit, welche die Hochschule Osnabrück organisiert und ausrichtet. Fünf Universitäten und Hochschulen aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz haben sich vor einem Jahr in dem Netzwerk zusammengeschlossen. Die Kontakte von Wissenschaftlern, Studenten und Vertretern aus der Branche der Pferdewirtschaft sollen dadurch verbessert werden. Während der Tagung werden Projektarbeiten vorgestellt und praktische Demonstrationen am HCCG gezeigt.


Das internationale Netzwerk Pferdewissen lädt erstmals zu einer Tagung an die Hochschule Osnabrück ein. Die Veranstaltung findet am 6. Oktober (Am Krümpel 31) statt. Am 7. Oktober dient das Gestüt Osthoff, Rittergut Osthoff 5 in Georgsmarienhütte, als Veranstaltungsort.

Zum Netzwerk gehören neben der Hochschule Osnabrück die Hochschule Nürtingen-Geislingen, die Universität Göttingen, die Hochschule Van Hall Larenstein (Niederlande) sowie die Berner Fachhochschule – Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Schweiz). Die Organisatoren möchten den Wissensaustausch unter den Hochschulen und den Wissenstransfer in die Praxis fördern.

Bei der Tagung werden aktuelle Forschungsprojekte aus den Bereichen Fütterung, Zucht, Haltung, Ethologie und Tierschutz sowie Ökonomie und Marketing vorgestellt. Abgerundet wird das Programm durch einen praktischen Teil, in dem die Merkmale Gesundheit, Exterieur, Interieur und Rittigkeit in der Pferdezucht in Praxisdemonstrationen näher beleuchtet werden.

Die Teilnahme an dieser Veranstaltung kostet 70 Euro, Studenten zahlen die Hälfte. Die Plätze für externe Besucher sind begrenzt. Anmeldeschluss ist der 24. September. Weitere Informationen und Anmeldung im Internet .