Einmal Baugebiet und zurück Osnabrücker Eiswiesen blieben am Ende unbebaut

Von Dietmar Kröger

Wesentlich kleiner als zunächst geplant: Das Baugebiet Eiswiesen umfasste auch noch die schraffierten Flächen. Übrig geblieben ist nur der Teil nördlich der Knollstraße, der schon nahezu komplett bebaut ist. Foto/Grafik: Gert Westdörp/Matthias MichelWesentlich kleiner als zunächst geplant: Das Baugebiet Eiswiesen umfasste auch noch die schraffierten Flächen. Übrig geblieben ist nur der Teil nördlich der Knollstraße, der schon nahezu komplett bebaut ist. Foto/Grafik: Gert Westdörp/Matthias Michel

Osnabrück. Es hätte das größte Baugebiet Osnabrücks werden sollen: Die Eiswiesen an der Knollstraße im Stadtteil Dodesheide sollten als gleichnamiges Baugebiet etwa 450 Wohneinheiten aufnehmen. Daraus wurde nichts. Nur ein wesentlich kleinerer Bereich des Gebiets nördlich der Knollstraße wurde überplant. Die eigentlichen Eiswiesen und die Sandbachaue blieben verschont.

Bis es so weit war, lieferten sich Schwarz-Gelb und Rot-Grün im Stadtrat das eine oder andere Wortgefecht. Denn während CDU und FDP in den Eiswiesen eine im wahrsten Sinne des Wortes Riesenmöglichkeit für neuen und günstigen Wohnraum für junge Familien sahen, wollten die Kollegen von SPD und Grünen den grünen Finger, der sich an dieser Stelle aus der ländlichen Umgebung Osnabrücks bis tief in die Stadt hineinzieht, unbedingt erhalten.

35 Hektar Acker- und Wiesenland standen etwa ab 2004 zur Disposition für das Baugebiet Eiswiesen. Entstehen sollten 450 Wohnungen, in einigen Planungen war sogar von 800 die Rede. Geworden sind es 120 im 13 Hektar großen Baugebiet „In der Gartlage“ . Die geschrumpfte Version ist das Ergebnis der Beratungen zum Haushalt 2007. Die Christdemokraten machten seinerzeit ihre Zustimmung zu dem Papier von der Umsetzung des Baugebietes abhängig. Rot-Grün konnte nicht komplett auf stur schalten. Beide Parteien verfügten im damaligen Rat über ebenso viele Mandate wie CDU und FDP. Linke, UWG und der Oberbürgermeister konnten ebenfalls jeweils über eine Stimme verfügen. Das Problem: OB Boris Pistorius (SPD) hatte deutlich signalisiert, für das Baugebiet zu stimmen. Ohne das zähneknirschende, rot-grüne „Ja“ zur Kompromisslösung wäre der Haushalt gescheitert und die Stadt wahrscheinlich unregierbar geworden.

Eine bittere Pille war die Entscheidung auch für die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG). Die hatte das Baugebiet eigentlich entwickeln und vermarkten wollen. Als Vorbereitung lobte sie dazu 2006 im Auftrag der Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb aus, der klären sollte, wie eine verträgliche Bebauung des sensiblen Bereichs aussehen könnte. 20 Planungsbüros nahmen daran teil. Der Gewinnerentwurf des Teams Astoc/Lützow 7 sah eine Bebauung in drei Clustern vor, aufgeteilt in Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser. Die drei Hauptbaufelder sollten eine zur Landschaft geöffnete zentrale Grünzone mit einer Kindertagesstätte und einem Platz zum Feiern umschließen. Dieser Entwurf wurde mit den Haushaltsberatungen 2007 Makulatur.

Hier geht es zu weiteren Artikel über geplatzte Pläne in Osnabrück

Die NLG war mit der Ratsentscheidung aus dem Rennen. Ihre Dienste wurden nicht mehr benötigt, die Stadt entschied, das nun deutlich verkleinerte Baugebiet selbst an die Häuslebauer zu bringen. Die Stadt habe seinerzeit ihren Anteil an den Kosten für den Wettbewerb wie vereinbart übernommen, erinnert sich NLG-Geschäftsstellenleiter Hartmut Tepe heute. Ihre eigenen Kosten musste die NLG, die zu 52 Prozent dem Land Niedersachsen und zu rund 48 Prozent Landkreisen, Städten, Gemeinden und Kreditinstituten gehört, als unternehmerisches Risiko abschreiben.

Dass die NLG als gemeinnütziges Unternehmen für die Entwicklung des ländlichen Raumes bei der Entwicklung des Baugebietes Eiswiesen überhaupt zum Zuge kommen sollte, war wohl zum einen der ursprünglichen Größe des Vorhabens geschuldet, zum anderen aber auch, wie sich Tepe erinnert, der Tatsache, dass Stadt und die Eigentümer der Flächen im Vorfeld bereits langwierige Verhandlungen geführt hatten. „Wir waren hier sicherlich auch als neutraler Dritter mit ins Boot gekommen“, erinnert sich Tepe.

Das Wohnbaugebiet war allerdings nicht das erste Projekt, dem in der Sandbachaue die Puste ausgegangen ist. Bereits in den 80er-Jahren waren die Flächen als Standort für die Universität im Gespräch. Auch daraus wurde bekanntermaßen nichts. Mal sehen, was als Nächstes kommt.