Tausende Besucher in der Innenstadt 14. Osnabrücker Kulturnacht: Kunst geht auf den Laufsteg

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Mode, Musik, Design, Kunst, Lyrik, Essen und Trinken – Osnabrück hat ein breites Kulturverständnis und bietet Vielfalt. Am Samstag präsentierte sich die Szene wieder auf der 14. Kulturnacht – die Vielfalt und das laue Spätsommerwetter lockten Tausende Besucher in die Osnabrücker Innenstadt.

Der Auftritt der „Kunstträger“ zeigte, dass sich offenbar mehr Menschen für Malerei interessieren als nur diejenigen, für die ein Museumsbesuch zum Alltag gehört. „Kunstträger“, das waren die Freiwilligen, die während der „Walking Art & Fashion“-Schau dafür zuständig waren, Bilder von zehn Künstlern der Region über einen Laufsteg auf dem Markt zu tragen. Hier wurde Kunst inszeniert, indem man sie aus den hehren Hallen des üblichen Kunstbetriebs herausholte und sie auf einen Catwalk zur Schau stellte. Und es funktionierte: Konzentriert, zum Teil geradezu gebannt, verfolgten die Zuschauer das ungewöhnliche Geschehen auf dem 18 Meter langen Laufsteg . Ralf Böhnke von der Galerie schwarz weiß, der den Event zusammen mit seiner Frau Brigitte organisiert hatte, kündigte jeden der Künstler mit biografischen Daten an – inklusive einiger erklärender Worte über den jeweiligen Malstil. Begleitet von elektronischer Musik und von Scheinwerfern adäquat in Szene gesetzt, folgte dann der Auftritt der „Kunstträger“, die ihre Objekte wie Models dem Publikum präsentierten.

Dass sich Kunst, Design und Mode gegenseitig befruchten, wurde in der „Fashion“-Abteilung deutlich. Tänzer der Tanzgruppe Stakkato machten die Schau exklusiver Kleidung des Labels „Trish-Design“ zu einem Happening. Die Bekleidung bestand aus Recycling-Material, die expressiven Bewegungen wirkten zum Teil wie eine Persiflage des Catwalks. Stephanie Möllering moderierte – auch die Darbietung von vier weiteren Modedesignern: Holzschmuck gab es von „Jahresringe“ zu sehen, Ledertaschen von Evelina Wert sowie individuelle Mode von Relika Neumann und Sabine Kahlo.

Dass die Kulturnacht nicht nur Spaß und heitere Erbauung bedeutet, spürte man überall dort, wo des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und der Bombardierung Osnabrücks vor 70 Jahren gedacht wurde. Beispielsweise wurde in St. Marien eine Gedenktafel eingeweiht, die die Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg dokumentiert. Mit rotem Flatterband war ein Areal vor dem Dom abgesperrt, auf dem der Künstler Volker-Johannes Trieb sein temporäres Mahnmal gegen den Krieg installiert hatte: Holzblöcke aus dem Elsass, in denen noch Projektile aus dem Ersten Weltkrieg stecken und die mit Zitaten aus Erich Maria Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ versehen wurden.

In der Kunsthalle wurde derweil gesessen. Die Bänke, die von Michael Beutler und Etienne Descloux in der ehemaligen Kirche installiert wurden, probierten viele Besucher aus: Um sich auszuruhen und die Atmosphäre des Kirchenschiffs auf sich wirken zu lassen. Auf dem Vorplatz wurde man selbst zum Kunstwerk, indem man sich auf dort abgestellte Holzsockel setzte, auf denen sonst Kunstwerke thronen.

Wie neugierig die Kulturnacht macht, konnte man auch spät nach Mitternacht noch in der Hasestraße ausmachen. In das ehemalige Schlecker-Ladenlokal, in dem knapp 80 Künstler der Region exemplarische Werke ausstellten, kamen junge Leute aus Clubs und Kneipen in der Nachbarschaft, sahen sich um und fanden tatsächlich ihre ganz persönlichen Lieblingsbilder.