Osnabrück in der Literatur Erich Loests „Froschkonzert“

Von Anne Reinert

Schriftsteller Erich Loest lebte in Osnabrück.Foto: dpaSchriftsteller Erich Loest lebte in Osnabrück.Foto: dpa

Osnabrück. Es gibt sie, die Romane, die Osnabrück zum Schauplatz ihres Geschehens machen. In unserer Serie stellen wir eine Auswahl dieser Werke vor. In Folge sechs geht es um den vor einem Jahr verstorbenen Erich Loest und seinen Roman „Froschkonzert“.

Möser und Remarque sind die ersten Namen, die fallen, wenn es um Osnabrück und Schriftsteller geht. Mit Erich Loest lebte ein weiterer bedeutender Autor hier. Die Stadt war seine erste Anlaufstelle, nachdem er 1981 aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt war. Er blieb sechs Jahre. Loest, der als Chronist deutscher Geschichte gilt und den Günter Grass als „politisches Talent“ und „genauen Erzähler“ gewürdigt hat, wurde 1926 als Sohn eines Kaufmanns im sächsischen Mittweida geboren. Als junger Mann war er „glühender Nazi“, wie er später selbst schrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich seine Gesinnung. 1947 trat er der SED bei. Als am 17. Juni 1953 der Arbeiteraufstand in Ost-Berlin blutig niedergeschlagen worden war, forderte Loest eine Entstalinisierung der DDR. Aus dem Kommunisten wurde ein Regimekritiker. Das blieb nicht ohne Folgen. 1957 musste er eine siebenjährige Haftstrafe in Bautzen antreten.

In Osnabrück schrieb Erich Loest weiter. Am nachhaltigsten aus dieser Zeit eingeprägt haben sich die Leipzig-Romane „Völkerschlachtdenkmal“ (1984) und „Zwiebelmuster“ (1985). Aber auch einen Osnabrück-Roman schrieb er. Die Stadt heißt in „Froschkonzert“ zwar Hermeskirchen. Doch die Bezüge der zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge gelegenen Provinzstadt zu ihrem Vorbild sind deutlich.

Der Roman ist eine Lokalposse, aber eine, die über sich hinausweist, setzt Loest doch die Bemerkung voran, dass das, was sich an Konflikten in Sportvereinen, Schriftstellerverbänden und im Bundestag abspiele, gleich sei.

Für Zündstoff sorgt, dass ein Schüler vor den Augen einer jungen Referendarin einen Frosch verschluckt. Die Angelegenheit schlägt solche Wellen, dass es zum Disziplinarverfahren kommt. Nicht unschuldig in der intrigenreichen Geschichte ist der Schulleiter, der nachweisen will, dass die Varusschlacht im nahe gelegenen Hermannstal stattgefunden hat. Loest veröffentlichte den Roman 1987, ein Jahr bevor der britische Offizier Tony Clunn mit dem Fund von drei römischen Schleuderbleien die Erforschung des Kalkrieser Schlachtfeldes auslöste. Im Buch endet es anders. Statt römischer Münzen werden unwürdige Hinterlassenschaften der Nazis gefunden.

Im gleichen Jahr, in dem das Buch erschien, zeigten die Städtischen Bühnen „Froschkonzert“ als Theaterstück. 1990 wurde die Geschichte unter dem Titel „Die Frosch-Intrige“ fürs ZDF verfilmt. Inzwischen ist der Roman nur gebraucht im Internet zu bekommen. Schade. Die bissige Satire lohnt, gelesen zu werden, auch wenn Loest-Titel wie die weiteren Leipzig-Romane „Fallhöhe“ und „Reichsgericht“ sowie der Bestseller „Nikolaikirche“ (1995) über die Leipziger Montagsdemonstrationen zu Recht stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert sind. Noch ein literarisches Denkmal hat Erich Loest Osnabrück gesetzt: In „Ein Sachse in Osnabrück“ beschreibt er die Stadt, in der er zeitweilig gelebt hat. 1987 zog er nach Bonn um. Nach dem Fall der Mauer ging er schließlich zurück nach Leipzig. Am 12. September 2013 starb der schwer erkrankte Erich Loest nach einem Sturz aus dem zweiten Stock der Universitätsklinik Leipzig.