Ministerin in Osnabrück Kinderbetreuung für Osnabrücker Justizangestellte

Von Johanna Lügermann

Julian Book
              hat von der Eröffnung der Großtagespflegestätte nicht viel mitbekommen. Thomas Veen (links), Antje Niewisch-Lennartz und Vater Bernd Book feierten die Einweihung im Außenbereich der Einrichtung. Foto: Jörn MartensJulian Book hat von der Eröffnung der Großtagespflegestätte nicht viel mitbekommen. Thomas Veen (links), Antje Niewisch-Lennartz und Vater Bernd Book feierten die Einweihung im Außenbereich der Einrichtung. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Bei den „Kleinen Strolchen in der Justiz“ können Angestellte des Osnabrücker Rechtswesens in Zukunft ihre Kinder im Alter von bis zu drei Jahren in die Betreuung von Tagesmüttern geben. In der niedersächsischen Justiz ist die sogenannte „Großtagespflegestätte“ die erste ihrer Art. Am Freitag besuchte daher die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz die Einrichtung am Kollegienwall.

Zehn Kinder können dort zeitgleich von drei Tagesmüttern betreut werden. Diese arbeiten werktags von 7.30 Uhr bis 16 Uhr. Ein solches Angebot sei von großer Bedeutung. In der früher eindeutig von Männern dominierten Justiz habe sich ein starker Wandel vollzogen, betonte die Ministerin: „Als Arbeitgeber haben wir heute ein großes Interesse daran, gute Bedingungen für Männer und Frauen zu schaffen, die Verantwortung für Kinder übernehmen und trotzdem berufstätig sind.“ Mittel für solche Einrichtungen seien im Haushalt jedoch nicht vorgesehen.

Das Amtsgericht Osnabrück stellt die Räume für die selbstständig tätigen Tagesmütter zur Verfügung. Für die Zuteilung der Plätze ist die Stadt zuständig. Nach einer Vereinbarung, die das Amtsgericht mit der Stadt getroffen hat, werden Mitarbeiter des Amts-, Landgerichts und der Staatsanwaltschaft bei der Vergabe der Plätze bevorzugt. Falls der Bedarf im Kreis der rund 600 Mitarbeiter geringer ist, können auch andere Kinder aufgenommen werden.

Vier Kinder sind angemeldet und ab Montag in der Betreuung, wenn die Einrichtung den Betrieb aufnimmt. Ab März sind voraussichtlich alle Plätze belegt.

Eine Bedarfsabfrage der Justiz im Februar hatte 15 Interessenten ergeben, berichtete die Projektleiterin Doris Duram. Da die Betreuung an die Arbeitszeiten angepasst wird, können insgesamt auch mehr als zehn Kinder betreut werden: „Manche Eltern geben ihr Kind an bestimmten Tagen oder nur am Vormittag in die Pflege.“

Für Eltern entstehen die gleichen Kosten, wie bei der Betreuung in einer Kindertagesstätte.

Der Präsident des Amtsgerichts Osnabrück Thomas Veen meint: „Das Angebot ist arbeitsplatznah und die Mitarbeiter müssen sich nicht auf lange Wartelisten für einen Kita-Platz eintragen.“ Es sei für den Arbeitgeber sinnvoll, ein solches Angebot zu schaffen, da es eine frühe Berufsrückkehr ermögliche. Er stellte fest, dass die Einrichtung nur mit der Hilfe vieler Unterstützer verwirklicht werden konnte.

Dafür dankte er unter anderem den Mitarbeitern im Registergericht, deren Büros an die Tagesstätte grenzen sowie der Projektleiterin und den Tagesmüttern für die liebevolle Gestaltung der Räume.

Das Betreuungsangebot für Kinder mache einen Teil der Lebensqualität und der Attraktivität des Arbeitsplatzstandortes Osnabrück aus, sagte Fritz Brickwedde als Vertreter der Stadt. Die Justiz habe hier eine Vorreiterrolle eingenommen. „Wir planen weitere ähnliche Projekte. Bisher liegt die Versorgungsquote in der Stadt bei 60 Prozent.“

Ministerin Niewisch-Lennartz überreichte als Geschenk zur Einweihung eine in der JVA Lingen hergestellte Sitzgruppe für den Außenbereich. Sie resümierte: „Dieses Betreuungsangebot macht Mut, das Konzept auch an anderen Stellen auszuprobieren.“