Projektwoche Osnabrücker Schüler besuchen Flüchtlinge an der Petersburg

Regelmäßig verhindern Unterstützer am Asylbewerberheim „An der Petersburg“ die Abschiebung von Flüchtlingen, wie hier im Juni. Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums haben die Bewohner des Hauses während einer Projektwoche besucht. Foto: Archiv/Michael GründelRegelmäßig verhindern Unterstützer am Asylbewerberheim „An der Petersburg“ die Abschiebung von Flüchtlingen, wie hier im Juni. Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums haben die Bewohner des Hauses während einer Projektwoche besucht. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Von Nachwuchsredakteurin Lara Lawniczak. Sie heißen Suleiman oder Ahmet und sie sind nur wenig älter als wir. Ihre Heimat ist weit weg, Deutschland ist ihnen fremd. Und hier wissen viele nicht, dass es sie überhaupt gibt. Die Flüchtlinge leben mitten in der Stadt und stehen doch am Rand. Während einer Projektwoche des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums beschäftigten sich Schüler mit ihnen – unter dem Motto „You only live together – Flüchtlinge in Osnabrück“.

Wir – 15 Schüler – besuchten das Flüchtlingsheim an der Petersburg. Im Hinterhof setzten wir uns auf Bänke – und konnten uns dank unserer arabisch-sprechenden Mitschüler sogar ohne Übersetzer recht gut mit ihnen verständigen. Bald gingen wir über Treppen und durch Etagen ins obere Stockwerk. Hier bat man uns, die Schuhe auszuziehen und führte uns in einen kleinen Gebetsraum. Die Flüchtlinge holten Stühle und brachten Getränke, obwohl sie selbst wegen ihrer Fastenzeit weder essen noch trinken durften. Wir waren ihnen willkommen.

Die meisten Flüchtlinge hier kommen aus Somalia und Pakistan. Sie sind überwiegend zwischen 19 und 30 Jahre alt. Auf die Frage, warum sie aus ihren Heimatländern geflohen waren, hörten wir vor allem von Krieg und Leid. Jeder hatte in seiner Heimat Schreckliches erlebt. „Leichen auf den Straßen sind normal. Es gibt keine Sicherheit“, berichtete einer von ihnen.

Der Fluchtweg führte bei den meisten über Italien. Nun hoffen sie, eine feste Bleibe zu finden. Die Angst vor einer Abschiebung ist groß.

Einer zeigte uns ein Video von der Überfahrt nach Italien. Wir sahen Menschen auf einem Boot – zu viele Menschen für ein so enges Boot – und konnten uns besser vorstellen, wie gefährlich diese Reise gewesen sein musste. Ein anderer Flüchtling erzählte: „Ich war vier Tage lang auf dem Boot, und wir waren 91 Menschen. Das Boot war fünf Meter lang und ich habe nicht geschlafen und nicht gegessen. Um das Trinkwasser haben wir gekämpft. Es ist unglaublich, dass alle überlebt haben.“

Einer kramte sein Portemonnaie hervor und gab Fotos in die Runde. Sie zeigen seine kleine Schwester, seine Mutter und ihn selbst als kleinen Jungen. Doch wie die meisten anderen weiß er nicht, wie es seiner Familie geht und wo sie sich befindet.

„Wir beten, lesen, gehen zur Moschee oder machen Spaziergänge“, berichteten sie. Zu ihren Wünschen gehört es, die deutsche Sprache zu lernen und arbeiten zu gehen. Viele möchten in Sportvereinen trainieren. Doch all das ist den Flüchtlingen nur schwer möglich: Ihr rechtlicher Status und die Sprachbarriere schränken die Integration stark ein. Sie sind sich auch der Vorurteile ihnen gegenüber bewusst – und fragen uns: „Was denkt Ihr, wenn Ihr uns auf der Straße seht?“

Wir hatten einen „Wunschbaum“ gebastelt und gaben jedem Flüchtling ein kleines Blatt, damit sie darauf ihre Träume notierten – und dies sind einige von ihnen: „... meine Frau wiedersehen“, „... dass meine Mutter gesund wird und auch nach Deutschland kommt“. Andere Träume zeigten uns, dass die Flüchtlinge uns nicht so unähnlich sind: „Fußballstar werden“ – auch dieser Wunsch stand auf einem Blatt. Sie würden gerne in Deutschland dazugehören.


Dieser Artikel ist in der Jugendredaktion entstanden. Die trifft sich einmal im Monat, um Themen für die Klasse!-Seite zu besprechen und mehr über journalistisches Arbeiten zu erfahren.Ansprechpartnerin ist Kathrin Pohlmann aus der Lokal-Redaktion.