Schnaps und Zigaretten gestohlen Therapie statt Haft: Wiederholungstäter vor Gericht

Von Horst Troiza

Ein Wiederholungstäter musste sich vor dem Landgericht verantworten. Symbolfoto: dpaEin Wiederholungstäter musste sich vor dem Landgericht verantworten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Vor einem persönlichen Scherbenhaufen stand ein 41-jähriger Osnabrücker, den seine Drogen- und Alkoholsucht zum wiederholten Male vor die Schranken des Landgerichts geführt hatte. Nach intensiver Ansprache durch den Vorsitzenden Richter zog der Angeklagte seinen Einspruch gegen eine Verurteilung wegen Diebstahls zurück und will sich nun in eine stationäre Therapie begeben.

Der Diebstahl von zwei Flaschen Weinbrand im Wert von 16 Euro, zwei Packungen Zigaretten für 10 Euro und ein Paar Sportschuhen für 50 Euro sowie einmal Schwarzfahren mit dem Bus hatten dem Angeklagten vor vier Monaten vor dem Amtsgericht elf Monate Haft eingebracht. Ohne Bewährung, denn das Schöffengericht stufte ihn wegen einer gerade erst abgesessenen Haftstrafe und 16 weiteren Verurteilungen in der Vergangenheit als unbelehrbar ein.

Trotzdem legte der berufslose Mann Berufung gegen das Urteil ein, „um die Strafverbüßung ausgesetzt zu bekommen, weil ich mich jetzt um eine Therapie bemühen möchte, um von den Drogen und vom Alkohol wegzukommen“, wie er jetzt vor dem Landgericht begründete. Das wollte sich die Strafkammer aber etwas näher erklären lassen. „Ist das aus freien Stücken gekommen oder ist es der Verfahrensdruck, der Sie antreibt“, taxierte der Vorsitzende Richter seine Entscheidung.

Die Drogen machten ihn fertig, seine Frau, seine beiden Kinder hätten keinen Respekt mehr vor ihm und zudem erwarte die älteste Tochter ein Kind, wodurch er sich seiner Situation noch mehr schäme, gestand der 41-Jährige kleinlaut ein. Und die Beschaffungskriminalität brächte ihn über kurz oder lang doch nur wieder ins Gefängnis.

Das bestätigten der Richter und die Staatsanwältin mit einem Kopfnicken. Im jetzigen Berufungsverfahren sehe er keinerlei Chance, das vom Amtsgericht ausgesprochene Urteil zur Bewährung auszusetzen, machte der Kammervorsitzende zusätzlich deutlich. Vielmehr würde er, falls das Verfahren weitergeführt werden sollte, einen Sachverständigen hinzuziehen, der ein Gutachten über die Zwangseinweisung in eine Therapieeinrichtung abgeben sollte. „Bei einer Einweisung könnte sich die Unterbringungsdauer auf zwei Jahre belaufen, also mehr als die elf Monate, um die es jetzt geht“, rechnete er dem Angeklagten vor.

Würde der Angeklagte aber jetzt seinen Einspruch zurückziehen und sich freiwillig in eine Einrichtung begeben, könnte der Haftantritt herausgezögert werden und die Strafe durchaus nach erfolgreichem Verlauf der Therapie gar zur Bewährung ausgesetzt werden, führte der Richter weiter aus. „Auch halte ich es für erfolgversprechender, wenn Sie selbst diesen Schritt machen, als wenn ich Sie einweisen lasse“, gab er zu bedenken.

Das leuchtete dem Angeklagten nach einer Weile des Nachdenkens ein und er zog seine Berufung zurück. Nun muss er dem Gericht schnellstens die Aufnahme in einer Therapieeinrichtung nachweisen, sonst wird er die Haft antreten müssen.