Edle Songs mit Reibungsflächen Für Robert Kretzschmar: Neue CD von Christiane Hagedorn

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Osnabrück. Rose Hip nennt sich ein Bandprojekt der Münsteraner Sängerin und Schauspielerin Christiane Hagedorn. Jetzt hat sie eine neue CD herausgebracht – Aufnahmen, auf denen der vor zwei Jahren verstorben Robert Kretzschmar noch dabei ist.

Osnabrück. Das letzte gemeinsame Duett ist ein virtuelles. „Missing Rob“ heißt die Ballade, in der sich der Gesang von Christiane Hagedorn und das Tenorsaxofon von Robert Kretzschmar umspielen und in ihrer Nachdenklichkeit ergänzen. „It will never be the same/Without you“, singt sie da – der Song ist ihr persönlicher Abschiedsgruß an den Saxofonisten, Pianisten, Komponisten, Arrangeur Robert Kretzschmar, der vor zwei Jahren so plötzlich verstorben ist.

„Missing Rob“ entstammt einer CD, die Kretzschmar im Tonstudio „Mühle der Freundschaft“ aufgenommen hat. „Er wusste, dass ich das ins Programm nehmen wollte“, sagt Hagedorn. Nun ist es womöglich zu Hagedorns persönlichstem Stück auf der neuen CD „Appetite“ ihrer Formation „Rose Hip“ geworden.

Die CD ist Zeugnis einer vielfältigen Sängern, bei der Jazz nach wie vor eine zentrale Rolle spielt. Auf „Straight Ahead“ ist sie die empfindsame Balladensängerin mit viel schwarzem Soul in der Stimme, in „This Girl“ scattet sie, in „Cheat“ lässt sie orientalische Farben einfließen. Doch Funk, Reggae, Soul, und, ja: Pop wirken ebenfalls stark in die Songs hinein. Und der „Little Song for You“ wechselt im Refrain sogar zum aufgekratzten Balkan-Beat.

Zwei Soundclips gibt es hier

Damit trägt die Musik ganz deutlich Hagedorns Handschrift. Sie hat die Melodien gefunden und die Akkordstrukturen – „Lagerfeuer-Akkorde“ nennt sie das; die „Veredelung“ besorgen ihre „Jungs“. „Ich schreibe eher Popmusik, die Musiker kommen vom Jazz“, sagt sie. „Das ergibt eine interessante Reibung.“

Allerdings. „Luna“ zum Beispiel beginnt mit einem Thema in der ungewöhnlichen Konstellation Flöte und Tuba über afrikanisch inspirierten Rhythmen, in „Lost Again“, dem Stück, das die CD beschließt, gibt Schlagzeuger Christian Schoenefeldt einen astreinen Reggae-Rhythmus vor, die Basslinien aber spielt Alex Morsey auf dem Kontrabass – das gibt dem Stück seine Leichtigkeit.

„Stalkin You“ klingt mit Akkordeon (Kretzschmar – er war ein absoluter Multiinstrumentalist) und Tuba (Morsey) heiter wie ein Sommernachmittag am See – und räumt Hagedorn Raum für ein Solo ein, in dem sie in Regionen vorstößt, die am oberen Rand des hörbaren Spektrums liegen müssen.

Christian Hammer an der Gitarre und Martin Scholz an Orgel, E-Piano und am Kornett vervollständigen die Band – und natürlich Robert Kretzschmar. „Er hat bei den Songs sehr auf die Tube gedrückt“, sagt Hagedorn; ein Glück, denn er ist auf fast jedem Song dabei. Wo nicht, wie bei „This Girl“, wurde er integriert: Das markante Saxofon-Riff aus einem Triller und ein paar funkigen Tönen wurde einer anderen Aufnahme entnommen, gesampelt und „reingespielt“. Herausgekommen ist ein Lied mit viel Funk, spannenden Dialogen zwischen Hagedorn und Morsey am Baritonhorn und mit Witz – es hätte Robert Kretzschmar gefallen.

Rose Hip: „Appetite“. Label: AJazz


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