Mitteilung des Bürgerfunksenders „Völlige Transparenz“ bei osradio 104,8

Von Sebastian Stricker

Der Vorstand des Vereins osradio 104,8 sieht sich als Speerspitze der Aufklärung im Betrugsskandal beim Osnabrücker Bürgerfunksender. Symbolfoto: Colourbox.deDer Vorstand des Vereins osradio 104,8 sieht sich als Speerspitze der Aufklärung im Betrugsskandal beim Osnabrücker Bürgerfunksender. Symbolfoto: Colourbox.de

Osnabrück. Der Vorstand des Vereins osradio 104,8 hält es weiterhin grundsätzlich für rechtens, seinen früheren ersten Vorsitzenden für eine Übergangstätigkeit als Geschäftsführer bezahlt zu haben. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die der Osnabrücker Bürgerfunk-Veranstalter am Abend nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom Montag veröffentlicht hat.

Allerdings seien „die Art und Weise und auch die Höhe der Zahlungen aus Vorstandssicht schlichtweg nicht hinnehmbar“, heißt es. Sie seien weder mit der Führungsriege noch der hauseigenen Buchhaltung abgestimmt gewesen. Auch die „Beschaffung der Mittel“ lasse osradio 104,8 nun juristisch prüfen, wird das geschäftsführende Vorstandsmitglied Björn Geise zitiert.

Der Ende August zurückgetretene erste Vorsitzende Burkhard Holst wird des Betrugs und der Untreue verdächtigt. Gegen ihn wird seit Ende Juli strafrechtlich ermittelt. Staatsanwaltschaft und Polizei liegen drei Anzeigen von mutmaßlich Geschädigten vor: Landesmedienanstalt, Umweltstiftung und osradio 104,8 selbst. Holst war von Oktober 2010 bis Juni 2011 als Leiter der Geschäftsstelle eingesprungen, nachdem der Sender die dafür eingestellte Mitarbeiterin gefeuert hatte. Interne Dokumente besagen, dass für die Interimstätigkeit rund 73.000 Euro an ihn geflossen sein sollen.

Imageschaden beheben

Der tatsächliche finanzielle Schaden aber könne „heute noch gar nicht final“ beziffert werden, stellte Björn Geise fest. Derzeit würden dem Sender auch „noch keine konkreten Forderungen“ vorliegen. Daneben sei ein Imageschaden für osradio 104,8 entstanden, den es „mit ganzer Kraft“ zu beheben gelte.

Für die Vorstandsmitglieder habe „von Anfang an die lückenlose Aufklärung der Geschehnisse oberste Priorität“ gehabt, erklärte der stellvertretende Vorsitzende. Der Verein osradio 104,8 habe sich im Frühjahr 2014 rechtlich beraten und den Haushalt von einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen durchleuchten lassen. „Der Vorstand selbst hat durch diesen Schritt maßgeblich die Aufklärung der Ereignisse initiiert und vorangetrieben.“ Auch in Zukunft stehe „völlige Transparenz im Vordergrund“.

Nahezu einstimmig hätten die Mitglieder, von denen laut Mitteilung mehr als die Hälfte – also um die 40 – zur außerordentlichen Versammlung erschienen war, eine Satzungsänderung des Vereins angenommen. Mit dieser sei nun das Alleinvertretungsrecht eines ersten Vorsitzenden abgeschafft. Immer nur zwei Vertreter des insgesamt dreiköpfigen geschäftsführenden Vorstands würden den Sender künftig rechtlich nach innen und außen vertreten. Ein Mitglied dieser Runde werde zum Sprecher bestimmt. Außerdem sei der Passus „Die Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich“ neu in der Satzung. Die Wahl zur Neubesetzung des vakanten Vorstandspostens finde am 18. September bei einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung statt.