Gymnasium in der Wüste Osnabrück: Mit ganz viel Plan zum Stundenplan

Von Dietmar Kröger

Der Computer hilft Marie Derkes, den Stundenplan für etwa 1100 Schüler und 100 Lehrkräfte am Gymnasium „In der Wüste“ zu erstellen. Foto: Thomas OsterfeldDer Computer hilft Marie Derkes, den Stundenplan für etwa 1100 Schüler und 100 Lehrkräfte am Gymnasium „In der Wüste“ zu erstellen. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Hexenwerk? Zauberei? Wohl kaum. Für den Laien allerdings ist das Erstellen eines Stundenplans für eine Schule wie das Gymnasium „In der Wüste“ mit seinen etwa 1100 Schülern und 100 Lehrkräften definitiv ein Buch mit sieben Siegeln. Nicht so für Marie Derkes. Die Studiendirektorin ist in der Wüste für den Stundenplan zuständig. Man müsse für den Job zwar kein Mathematiker sein, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung, ein gewisses mathematisches Verständnis sei aber durchaus hilfreich.

Frau Derkes, für wie viele Schüler und Lehrer sind Sie zuständig?

An unserem Gymnasium haben wir etwa 1100 Schüler und etwa 100 Lehrer, die im Stundenplan berücksichtigt werden müssen.

Wann beginnen Sie, die Stundenpläne für das neue Schuljahr zu erstellen?

Etwa zwei Wochen vor den Sommerferien. Insgesamt sitze ich im ersten Durchgang etwa vier Wochen an dem Stundenplan. Mit der Oberstufe geht es los. Hier müssen die wichtigen und großen Bänder im Vormittagsbereich zuerst geplant werden.

Bänder?

Die Oberstufenschüler entscheiden sich für den sprachlichen, mathematisch-naturwissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Zweig. Unsere Schüler dürfen im Rahmen der Vorgaben, die das Ministerium gibt, relativ frei wählen, welche Kurse sie nehmen wollen. Von den Schwerpunkten abgesehen, muss aber auch ein Schüler mit Kursen auf erhöhtem Niveau im Bereich der Naturwissenschaften seine Pflichtkurse auf grundlegendem Niveau in Deutsch, Geschichte und andere Fächer belegen können. Es müssen also möglichst alle Fächer für alle Schüler erreichbar sein. Diese Leisten bzw. Bänder für die Klassen 11 und 12 sind das Erste, was ich erstelle.

Und diese Bänder sind dann Gesetz?

Auf dem größten Band, einem zudem noch jahrgangsübergreifenden Band, liegen 13 Kollegen. Wenn ich dieses Band verschiebe, greife ich in die Pläne der 11. und 12. Klasse ein. Ein so großes Band kann ich, wenn es einmal in das Stundenplangefüge eingebaut ist, nicht mehr verschieben, weil sich dann zu viel ändert.

Das hört sich hoch kompliziert an. Muss man für den Job Mathelehrer sein?

Nein, nicht zwangsläufig. Ich unterrichte zum Beispiel Biologie und Englisch. Aber man sollte ein mathematisches Grundverständnis haben und auf jeden Fall sehr organisiert sein.

Früher gab es riesige Tafeln, auf denen die Stundenpläne mit bunten Steinen gesteckt waren.

Die Zeiten sind vorbei. Stundenpläne werden heute mithilfe von Computerprogrammen erstellt.

Wie muss man sich das vorstellen?

Ich gebe dem Programm bestimmte Parameter vor, aus denen es dann einen Stundenplan errechnet.

Haben Sie ein einfaches Beispiel?

Wenn zum Beispiel Vorgaben des niedersächsischen Gleichstellungsgesetzes berücksichtigt werden müssen, gebe ich dem Programm diese Information, und es wird diese Lehrkraft dementsprechend einsetzen. Wir müssen auch die pädagogisch-didaktischen Dinge im Auge behalten, zwei Fremdsprachen sollten zum Beispiel möglichst nicht hintereinander liegen. Dann sollten zum Beispiel die Orchesterklassen möglichst hintereinander liegen, weil für den Unterricht sehr viel aufgebaut werden muss. Außerdem sollte die Klasse nicht am selben Tag auch noch Sport haben, weil die Schüler dann neben ihrer Schultasche zudem noch ihre Sporttasche und das Instrument mitbringen müssen.

Also machen Sie nicht für jeden Kollegen oder jede Klasse für jeden Tag einzeln einen Stundenplan?

Nein. Der Computer errechnet einen groben Stundenplan nach den Vorgaben, die ich ihm gebe. Die Feinarbeit allerdings bleibt bei mir, das heißt, vieles muss noch manuell eingearbeitet werden.

Sie steuern die Arbeitszeit der Kollegen. Da liegt die Frage auf der Hand, ob Sie noch viele Freunde im Kollegium haben ...

Keine Sorge. Wir haben ein ausgesprochen angenehmes Kollegium. Ich bemühe mich, möglichst alle Wünsche der Kollegen zu berücksichtigen. Es kann aber leider nicht jeder immer zufrieden sein. Familie und Beruf müssen vereinbar sein. Das ist auch bei der Stundenplanung ganz wichtig. Aber das ist eben auch kein Ravensburger Puzzle, das immer aufgeht. Wenn jemand in diesem Jahr einen Stundenplan hat, der nicht so besonders gut aufgeht, dann versuche ich, es im kommenden Jahr besser zu machen. Allen Wünschen kann ich nicht gerecht werden. Das System ist einfach zu komplex. Ich bemühe mich aber, das so transparent wie möglich zu machen.

Planen Sie nur für ein Halbjahr oder bereits für das ganze Schuljahr?

Für ein ganzes Schuljahr. Ich weiß, wer in Pension geht oder bei wem der Mutterschutz eintritt. So wissen die Kollegen, die im Laufe des Schuljahres Unterricht übernehmen müssen, was sie erwartet.

Was ist, wenn ein Kollege plötzlich krank wird?

Das kommt bei einer Schule mit hundert Kollegen natürlich immer mal wieder vor. Wir bemühen uns, den Ausfall in der Oberstufe hausintern zu besetzen, möglichst ohne die Bänder zu verändern. Bei längerfristigen Ausfällen bekommen wir Feuerwehrkräfte von der Landesschulbehörde. Fächer wie Deutsch und Englisch sind dabei nicht so problematisch wie Physik und Musik.

Wie verarbeiten Sie Vertretungsstunden?

Vertretungsplanung und Stundenplanung sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Vertretungsplanung machen wir zu dritt. In der fünften und sechsten Klasse wird alles vertreten. In den anderen Klassen werden schon mal Aufgaben verteilt, die die Schüler unter Aufsicht bearbeiten müssen.