Architektur in Osnabrück In der Heinrichstraße 14c regiert das Licht

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Ein altes Steingebäude, an das sich ein Neubau anschließt, der den Altbaugiebel in abebbenden Wellen nachempfindet: Ein solches Ensemble, das auf ansprechende Weise Neues mit Altem verbindet, ist in einem Innenhof an der Heinrichstraße zu finden. Es handelt sich um die Büroräume der Firma Plan.Concept Architekten GmbH.

Die Hausnummer 14c zeigt den Weg: Eine Durchfahrt in einer geschlossenen Wohnbebauung an der Heinrichstraße führt in einen großzügigen Innenhof, der zum Teil als Parkplatz für die Bewohner der Häuser an der Straße dient. Hier öffnet sich der Blick auf einen dreiteiligen Gebäudekomplex: Ein Steinbau zeugt von der ehemaligen Nutzung des Areals durch ein Fuhrunternehmen, ein Anbau aus Holz, Stahl und Glas dient einem Architekten und seinen Mitarbeitern als Büro, daran schließt sich ein Flachdachbau an, der in einem zweiten Bauabschnitt 1995 erstellt wurde.

„Es war Zufall: 1986 war ich auf der Suche nach einem Platz, an dem ich ein Bürogebäude für meine Firma errichten wollte“, erinnert sich Architekt Werner Hülsmeier. An einem Morgen zerschlug sich damals ein Plan, der eigentlich schon recht weit fortgeschritten war. Ein Bekannter, der das mitbekam, erzählte ihm dann von der Freifläche an der Heinrichstraße, auf der lediglich das alte Stallgebäude eines Fuhrunternehmens stand.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte hier die Firma Boes residiert. Im Hinterhof befanden sich Remisen, also umfangreiche Unterstellgelegenheiten für Fuhrwerke, und natürlich Ställe für die Pferde. Als diese Gebäude im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört wurden, blieben nur Teile des Pferdestalls übrig, weil dessen Grundmauern aus dickem, massivem Stein gebaut waren. „Als wir uns das Gelände anschauten, war der Stall bereits renoviert worden. Ich habe dann beschlossen, den Altbau mit meinem Neubau zu verbinden“, sagt Hülsmeier.

Also plante und realisierte er ein Bürogebäude, in dem das Licht regiert: Vier spitze, verglaste Giebel schmiegen sich an die giebelständige Fassade des Altbaus an und verbreiten das Tageslicht im oberen Geschoss und sogar in vielen darunter liegenden Büros. „Ich habe die Formensprache des Stallgebäudes aufgenommen und sie in der Architektur des Anbaus auf harmonische Weise neu interpretiert“, so Hülsmeier.

Ursprüngliche Formen restauriert

Der Altbau beherbergt jetzt den Eingangsbereich des Komplexes, der mit wenigen modernen Elementen, zum Beispiel einem Miniaturbalkon, gestaltet wurde. Der Großteil des ehemaligen Pferdestalls wurde in seiner ursprünglichen Form restauriert – die historischen Fensterformen und sogar die Futtertröge wurden erhalten – und dient heute als Besprechungs- und Ausstellungsraum.

1995, sechs Jahre nach Fertigstellung des Neubaus, entstand eine Erweiterung des Gebäudes: Auf mittlerer Höhe wurde, direkt anschließend an die Spitzgiebel, ein einstöckiges Flachdachgebäude errichtet, unter dem Stellplätze für parkende Autos vorgehalten werden. Die Frontfassade nimmt die vertikal betonten Gestaltungselemente des ersten Anbaus weitestgehend auf.

Metropolenfaktor: 4 von 6 Sternen
Stadtbildfaktor: 5 von 6 Sternen
Wohlfühlfaktor: 6 von 6 Sternen

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