Gespräch zur Krankenhausversorgung Letzte Chance für das Klinikum Dissen

Von Wolfgang Elbers

Die Aussichten für einen Fortbestand des Klinikums Osnabrücker Land in Dissen stehen vor dem zweiten Regionalgespräch zur Krankenhausversorgung schlecht. Foto: Gert WestdörpDie Aussichten für einen Fortbestand des Klinikums Osnabrücker Land in Dissen stehen vor dem zweiten Regionalgespräch zur Krankenhausversorgung schlecht. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Das dürfte ein heißer Empfang werden: Mehr als 150 Dissener wollen Mittwochvormittag demonstrieren, wenn Staatssekretär Jörg Röhmann vom Sozialministerium gegen 10 Uhr zum zweiten Regionalgespräch zur Strukturoptimierung der Krankenhausversorgung im Raum Osnabrück ins direkt neben dem Kreishaus gelegenen Haus der Innungen am Schölerberg kommt.

Mit drei Bussen werden Dissener Bürger und Beschäftigte des vor dem Aus stehenden Krankenhauses nach Osnabrück kommen, um gegen die Schließung des Klinikums Osnabrücker Land am Südkreis-Standort zu protestieren. Bürgermeister Hartmut Nümann, der wie acht Amtskollegen aus Klinikstandorten im Landkreis sowie Vertreter der Krankenhaus-Träger, der Krankenkassen oder Arbeitnehmervertreter am Regionalgespräch teilnehmen wird: „Für die Stadt ist es eine Katastrophe, dass das seit 110 Jahren bestehende Krankenhaus zum 1. November geschlossen werden soll. Wir brauchen das Klinikum.“ Nümann kündigte an, am Mittwoch noch einmal Klartext zu reden: „Der ganze Prozess ist von oben gesteuert worden, ohne die Besonderheit der Südkreis-Situation zu berücksichtigen. Ich erwarte Antworten, wie unter anderem die Notfallversorgung künftig gelöst werden soll.“

Aber die Hoffnung, ein solches Angebot in Dissen zu erhalten, ist mehr als gering. Am Dienstag sind die Empfehlungen des Krankenhausplanungsausschusses , der Mittel für das Südkreis-Klinikum abgelehnt hat, auch vom Landeskabinett in Hannover gebilligt und jetzt dem Landtag zur Stellungnahme zugeleitet worden. Alles deutet darauf hin, dass keine Gelder mehr für Dissen vorgesehen sind.

Landrat Michael Lübbersmann hat, wie aus dem Kreishausumfeld zu vernehmen ist, vor Kurzem noch einmal den Versuch unternommen, mit einem Konzept aus Portalklinik mit angegliedertem MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) und Sozialstation sowie weiteren Fachärzten und Praxen den Fortbestand des Klinik-Standorts Dissen zu erreichen – ohne Erfolg.

Bei den Betroffenen verfestigt sich der Eindruck, dass es keine Landesförderung für ein Versorgungsangebot in Dissen geben wird. Horst Kemper, Betriebsratsvorsitzender des Klinikums Osnabrücker Land mit den Standorten Dissen und GMHütte: „Dann war es das! Traurig und bitter für den Südkreis, aber wahr.“

Nach dem ersten Regionalgespräch im Februar in Hannover, bei dem vom Ministerium eine Überkapazität von insgesamt 900 Betten bis 2030 in Stadt und Landkreis in den Raum gestellt wurde, hat es in der Zwischenzeit weitere Termine gegeben, wie Doppelvorhaltungen von Leistungen in Stadt und Landkreis abgebaut werden können. Ziel: eine „bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Krankenhausversorgung der Bevölkerung“ sicherzustellen. Der aktuelle Stand der Konzeptarbeit zu den Entwicklungen im Osnabrücker Raum sowie weitere Maßnahmen werden Mittwoch beim Regionalgespräch vorgestellt und diskutiert. Die Ergebnisse sollen dann in kleinen Runden vertieft werden. Die Dissener Vertreter gehen nicht davon aus, dass es für den Südkreis positive Nachrichten geben wird.