Laute Punk-Power Tim Vantol rockt im Osnabrücker Bastard Club

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Wer so singt wie Tim Vantol, der liegt normalerweise mit einem handfesten Kater im Bett oder klagt massiv über Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Bei dem niederländischen Sänger gehört das Brüchige, Raspelig-Heisere derweil zum Erkennungszeichen: Rau seine Stimme, rau die Musik, die er allein oder mit seiner Band dazu spielt.

Im Bastard Club konnte man sich einmal mehr ein Bild von der punkigen Kraft machen, mit der Tim Vantol seine Songs ins Publikum schleudert.

Es sind antiautoritäre Lieder von der Straße, mit denen er seine Fans fasziniert: „Tu, was immer du willst“ singt er in einem Song. Oder er singt von Staub und dreckigen Stiefeln. Oder er bedauert einen Vogel, der eingesperrt in einem Käfig sitzt. Dazu ächzt seine akustische Gitarre mit den Stahlsaiten, und Bassist Justin Ghijsen entlockt seinem Kontrabass rasante Tonfolgen. Es ist eine Mischung aus keltischem Folk und amerikanischem Country, verquickt mit einer Menge Punk-Power, die lautstark durch das Kellergewölbe des Bastard Club schallt.

Den Song „Broken Mirror“ singt Vantol ganz allein und widmet ihn Joe McMahon, einem amerikanischen Singer/Songwriter-Kollegen, der mittlerweile in Münster lebt und jetzt als Supportact mit Vantol unterwegs ist. Zusammen hängen sie später am Mikrofon und skandieren „Rock Me Mama“ von der US-Bluegrass-Band Old Crow Medicine Show, der auf dem Lied „Wagon Wheel“ von Bob Dylan basiert.

Während das Publikum in einer Pause plötzlich aus unerfindlichen Gründen den Schlager „Marmor, Stein und Eisen bricht“ intoniert, übersetzt Vantol später den Refrain des Songs „Nothing“ zum Mitsingen ins Deutsche: „Nichts ist, wie es scheint …“ Mit seiner Offenheit, seiner Freundlichkeit und seiner ehrlicher Musik schafft er, was er zu Konzertbeginn prophezeit hat: „Ich möchte, dass dieser Montagabend für euch ein bisschen besser wird!“