Visuelle Installationen Aida-Inszenierung in Halle: Konventionsbruch im Sinne Verdis

Von Markus Pöhlking

Tradition trifft Technik bei der Neuinszenierung von Aida im Gerry Weber Stadion. Foto: Gerry Weber WorldTradition trifft Technik bei der Neuinszenierung von Aida im Gerry Weber Stadion. Foto: Gerry Weber World

Halle. Die Verantwortlichen bemühen auf der Pressekonferenz im Vorfeld gerne mal den Superlativ, die Erwartungshaltung darf also entsprechend groß sein: Traditionelles Opernerlebnis trifft am Samstag im Gerry-Weber-Stadion in Halle auf technische Ausstaffierung neuesten Standes. Nicht in opulenten Kulissen, sondern vor modernen Lichtinstallationen soll die altägyptische Landschaft lebendig werden, in der sich Giuseppe Verdis „Aida“ vollzieht. Komplettiert wird das angepriesene „3-D-Erlebnis“ durch den Einsatz moderner Klangtechnik.

Mit „The New Way“ ist die aktuelle Inszenierung der Verdi-Oper im Gerry-Weber-Stadion untertitelt. Und tatsächlich verspricht deren musikalischer Leiter, Roman Brogli-Sacher, eine „neue Sicht auf Oper“: Das Spannungsfeld aus Tradition und Technik löse sich auf in einer gemeinsamen Ästhetik. Hinter der Weltpremiere am Samstag stehe ein „Mega-Projekt, das uns schon mehr als ein Jahr beschäftigt und eine irrsinnige Aufbauarbeit“ erfordere. Statt auf klassische Kulissen setzen die Macher vor allem auf zeitgemäße Effekte: die Neuinterpretation der Liebesgeschichte um den ägyptischen Heerführer Radames und der nubischen Prinzessin Aida spielt sich im Wesentlichen vor einer 27 mal 14 Meter großen Leinwand ab. Visuelle Installationen und das eigentliche Bühnengeschehen gehen dabei eine bis auf die Ebene von Kostümdetails abgestimmte Symbiose ein.

Der Bruch mit der Konvention sei ganz im Sinne Verdis , befindet Paolo Micciché, der als Regisseur für die Inszenierung verantwortlich zeichnet: „Verdi war ein Mensch, der nach neuen Effekten strebte, um Wiederholungen zu vermeiden“, so Micciché. Der Einsatz neuartiger Technologie vereinfache zudem den Kontakt zu einem modernen Publikum, das zu beeindrucken erklärtes Ziel Michichés ist: „Wir wollen etwas liefern, was weit über das Wohnzimmererlebnis hinausgeht.“

Diesen Anspruch stützt auch Tonregisseur Ingo Schmidt-Lucas: „Die Oper ist ein Gesamtkunstwerk, von dem die Leute berührt werden wollen.“ Um die akustische Facette des Erlebnisses „Aida“ zu optimieren, werde das Gerry-Weber-Stadion mit einem sogenannten 3-D-Kunstkopf-Aufnahmesystem vermessen, erklärt Schmidt-Lucas: „Die Technik simuliert das menschliche Gehör und ermittelt etwaige akustische Macken im Raum, die wir so glätten können.“

Musikalisch umgesetzt wird Aida vom philharmonischen Orchester der Stadt Bielefeld, das Bühnengeschehen wird vom Ballett der Prager Staatsoper geprägt sowie einer Gruppe internationaler Sänger, die Brogli-Sacher als „Menschen, die eine sehr dichte, künstlerische Aussage machen werden“, beschreibt. Die Premiere in Halle ist Ausgangspunkt einer insgesamt zehn Stationen umfassenden Tournee durch Deutschland und Österreich. Für die Uraufführung am Samstag ab 20 Uhr sind derzeit noch Karten erhältlich.