Galerie Letsah Stilistische Vielfalt von Sooki Koeppel in Osnabrück

Von Tom Bullmann

Bezug zur Jetztzeit: Einblickin die neue Ausstellung von Sooki Koeppel per Smartphone.Foto: Hermann PentermannBezug zur Jetztzeit: Einblickin die neue Ausstellung von Sooki Koeppel per Smartphone.Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Tuschemalerei, Aquarelle, Öl auf Leinwand: Sooki Koeppels Arbeitsweise ist vielschichtig. Die Zeichentradition ihrer koreanischen Heimat verbindet sie mit den westlich-europäischen Einflüssen, die sie in Deutschland aufsaugt, wo sie seit 1984 lebt. In der Galerie Letsah zeigt sie unter dem Titel „Stillleben und Stilles Leben“ Beispiele für unterschiedliche Facetten, die ihre Kunst charakterisieren.

Disteln, Sonnenblumen, Löwenzahn, Kastanien, fein gezeichnet oder im Stil asiatischer Tuschemalerei auf Papier gebracht und mit einem Sinnspruch in chinesischer Kalligrafie versehen – dieses ästhetische Kunsterleben traditioneller Art kontrastiert Sooki Koeppel mit einem Bild, auf dem ein Haufen Armiereisen in einer öden Brachlandschaft abgebildet ist. Das Baumaterial wartet offenbar darauf, seiner Bestimmung zugeführt zu werden. Oder wurde es hier vergessen, um Teil einer Bauruine in direkter Nachbarschaft zu einer unwirtlichen Großstadt zu werden?

Berlin hat offenbar Spuren hinterlassen. Von traditioneller asiatischer Idylle kann keine Rede sein, wenn Youn-Sook, so der Geburtsname der Künstlerin, das hektische urbane Treiben am Kurfürstendamm malt. Dennoch finden sich Spuren ihrer Wurzeln: im Malstil. Als zeichne sie mit Tusche, sind die Berliner Straßenszenen in Schwarz-Weiß gehalten. Wenige, dafür umso auffälligere Akzente setzt sie mit roter Farbe, mit der sie einen Neonschriftzug oder ein Straßenschild hervorhebt.

Um die stilistische Vielfalt weiter zu verstärken, hat Sooki einige ihrer Arbeiten in der Galerie Letsah aufgehängt, in denen sie sich mit der Freskenmalerei der italienischen Hochrenaissance auseinandersetzt. Von Luca Signorelli, einem prominenten Vertreter der Florentinischen Schule, stammt das „Jüngste Gericht“ im Dom von Orvieto. Bei einem Besuch in Umbrien hatte Sooki die seltene Gelegenheit, das Fresko aus nächster Nähe zu betrachten. Dadurch inspiriert, zitierte sie in Ölbildern einige der „Verdammten“ – nicht ohne einen Bezug zur Jetztzeit herzustellen. Entweder setzte sie sich selbst lachend mit dem Smartphone kommunizierend oder mit einem Smartphone fotografierend ins Bild.

Es hat etwas von Gesellschaftskritik. Offenbar will sie andeuten, dass es doch eher ein Frevel ist, in Anbetracht eines so wundervollen Freskos zu telefonieren oder gar ein „Selfie“ zu schießen. Dennoch zeigt sie nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere, sondern macht sich in Form eines Selbstporträts zum Objekt der Schelte. Doch damit nicht genug der stillen Kritik: Neben ihren düsteren urbanen Szenerien entdeckt man ein Selbstporträt, das die Künstlerin mit einer Gasmaske zeigt – als Statement zur Umweltthematik oder gegen die aktuelle Kriegsbedrohung.

Galerie Letsah (Süntelstraße 49): „Stillleben und Stilles Leben“. Zeichnungen und Malerei von Sooki Koeppel. Bis 5. Oktober, Do. – So. 14–19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0541/6001255.