Versuchter Raub oder Nötigung? Fan-Schal des VfL Osnabrück ein Fall fürs Gericht

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Lila-Weiß:  Der mutmaßliche Raub eines VfL-Fanschals beschäftigt das Schöffengericht Osnabrück.Foto: Friso Gentsch/dpaLila-Weiß: Der mutmaßliche Raub eines VfL-Fanschals beschäftigt das Schöffengericht Osnabrück.Foto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück. Ein lila-weißer Fanschal ist das Corpus Delicti, ein Ultra von Borussia Dortmund der Angeklagte. Das Schöffengericht Osnabrück will herausfinden, ob der Borussenfan vor mehr als einem Jahr am Hauptbahnhof den Schal eines VfL-Anhängers rauben oder lediglich im nächsten Mülleimer versenken wollte. Der feine Unterschied entscheidet über das Strafmaß.

Es passierte am Abend des 26. Juli 2013 am Gleis 14. Der VfL Osnabrück hatte das Heimspiel gegen Dortmund II mit 1:0 gewonnen , und der Fanblock aus dem Ruhrgebiet war schon in Polizeibegleitung am Hauptbahnhof angekommen. Zwei junge VfL-Fans aus dem Kreis Diepholz, die auf dem Weg zu ihrem Zug waren, fühlten sich auf einmal von einigen grölenden Borussen verfolgt.

Der lila-weiße Schal verschwand zwar, so gut es ging, in der Hosentasche seines Besitzers, aber die Dortmunder drängten den damals noch 16-jährigen VfL-Fan, das gute Stück herauszugeben. Es kam zu Rempeleien und Beleidigungen, doch die Bereitschaftspolizei war schnell zur Stelle, um weitere Tätlichkeiten zu unterbinden.

„Hirnrissige Aktion“

Zwei der drei Borussenfans mussten sich inzwischen verantworten – weil sie noch nicht nach Erwachsenenstrafrecht behandelt werden, vor dem Jugendschöffengericht Hagen. Wegen Beihilfe zu versuchtem Raub wurden sie schuldig gesprochen, aber das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Damit legte das Hagener Gericht auch für den Hauptangeklagten die Latte ziemlich hoch. Der 23-jährige Dortmunder, ein arbeitsloser Tischler, musste am Montag vor dem Schöffengericht Osnabrück antreten. Und backte kleine Brötchen. Ja, es sei eine große Dummheit gewesen, die VfL-Anhänger anzugreifen, er habe „nicht so schöne Wörter“ benutzt und gedroht, ihnen „was auf die Fresse“ zu geben. Aber alles nur, weil er sich zu viel Bier und Schnaps hinter die Binde gegossen habe. Deshalb wolle er sich nun für die „blöde Tat“ entschuldigen, die ganze Aktion sei ein „absoluter Hirnriss“ gewesen.

Den lila-weißen Schal, so versicherte der Angeklagte, habe er nicht behalten, sondern „quasi abnehmen und wegwerfen“ wollen. An diesem Punkt hakte die Staatsanwältin nach: Ob es denn in seinem Fanclub „The Unity“ üblich sei, solche Trophäen zu sammeln und bei passender Gelegenheit zu hissen? Augenblicklich schaltete der Borussia-Anhänger auf Diplomatie um: „Dazu möchte ich mich nicht äußern“, lautete seine Antwort.

Müll oder Trophäe?

Für das Gericht stellt sich nun die Frage, ob der junge Mann wegen versuchten Raubes oder versuchter Nötigung zu verurteilen ist. Dazwischen liegt die Grenze zwischen Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Nach eingehender Erörterung entschied der Richter, dass ein szenekundiger Beamter der Dortmunder Polizei Auskunft geben soll, ob es bei den Ultras von „The Unity“ üblich ist, gegnerische Trophäen zu erbeuten. Das soll Ende September geschehen.

Seine „Dummheiten“ nach dem Spiel in Osnabrück haben dem Dortmund-Fan schon eine Strafe eingebracht. Weil er sich der Polizei widersetzte und Beamte wiederholt als „Wichser“ oder „Affen“ diffamierte, bekam er einen Strafbefehl über 30 Tagessätze aufgebrummt. Er akzeptierte ihn und zahlte – immerhin mehr als 1000 Euro.


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