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08.09.2014, 15:08 Uhr JUDENRETTER AUS OSNABRÜCK

Gedenken an Hans Calmeyer: Ermutigende Fürsprache

Kommentar von Sebastian Stricker

Die Villa Schlikker am Heger-Tor-Wall diente den Nazis im „Dritten Reich“ als Osnabrücker Hauptquartier. Jetzt gibt es Pläne, das Gebäude dem heimischen Judenretter Hans Calmeyer zu widmen. Foto: NOZDie Villa Schlikker am Heger-Tor-Wall diente den Nazis im „Dritten Reich“ als Osnabrücker Hauptquartier. Jetzt gibt es Pläne, das Gebäude dem heimischen Judenretter Hans Calmeyer zu widmen. Foto: NOZ

Osnabrück. Der Gedanke, dem widerständigen NS-Funktionär Hans Calmeyer ein bleibendes Denkmal zu setzen, fällt auf fruchtbaren Boden.

Nicht nur in seiner Heimatstadt, wo es an publikumswirksamen Stätten zur Erinnerung an den Judenretter mangelt. Sondern auch in den Niederlanden. Ausgerechnet dort, wo die Deutschen im Zweiten Weltkrieg unverzeihliche Gräuel begangen. Und wo ein unbeugsamer Rechtsanwalt aus Osnabrück unter Einsatz seines eigenen Lebens versuchte, Hitlers Mordmaschine von möglichst vielen Menschen fernzuhalten. Mag Hans Calmeyer auch Teil des verhassten Systems gewesen sein: Für Tausende gelang ihm das. Und wer ehrlich ist, muss einsehen, dass allein seine Hakenkreuz-Uniform ihm die Möglichkeit dazu bot.

Unermüdlichen Aufklärern aus unserem Nachbarland wie dem Historiker Moritz Wielenga und der Holocaust-Überlebenden Ruth van Galen-Herrmann ist es zu verdanken, dass ihre Landsleute jene alten Feindbilder abbauen, die sie pauschal und undifferenziert selbst an stillen Helden wie Calmeyer festmachten. Als verlängerte Arme der Osnabrücker Hans-Calmeyer-Initiative sind Wielenga & Co. im Begriff, den Stachel zu ziehen, der bei vielen Niederländern so tief saß. Und wenn die heutige Generation wirklich kaum noch Ressentiments gegenüber Deutschland hegt, wie Wielenga sagt, kann das nicht hoch genug geschätzt werden. Umgekehrt sollte die Fürsprache dieser Pioniere deshalb ermutigen, auch in Osnabrück ein prominentes Zeichen pro Calmeyer zu setzen – und zwar eins von Dauer.


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