Gänsemarsch der guten Laune Rund 10000 Besucher beim Piesberger Bergfest

Von Johannes Zenker


Osnabrück. Der Besucherandrang hielt sich zunächst in Grenzen, aber nachdem die Wolken der Sonne gewichen waren, pilgerten am frühen Nachmittag die Menschen doch noch in Scharen zum Piesberg, um das abwechslungsreiche Programm des 17. Bergfestes zu genießen und das 20-jährige Bestehen des Piesberger Gesellschaftshauses zu feiern.

Das Besondere an dem in diesem Jahr unter dem Motto „tierisch alt“ stehenden Event, wie Imke Wedemeyer vom Gesellschaftshaus hervorhob: „Das ist das einzige Großereignis der Region, das Technik- und Kulturinteressierte aller Altersstufen gleichermaßen anspricht.“ Und der Osnabrücker Ratsvorsitzender Josef Thöle betonte bei der Eröffnung: „Hier werden alle Mosaiksteine des Landschafts- und Kulturparks miteinander verknüpft, wie das Museum Industriekultur, das Gesellschaftshaus, der Steinbruch, die Aussichtsplattformen und die historischen Dampfloks.“

Mit einem echten Schatz konnten die Osnabrücker Dampflokfreunde aufwarten, nämlich mit dem sogenannten Schweineschnäuzchen. „Seinen Namen verdankt der 1933 gebaute Schienenbus seinen an der Hinter- und Vorderseite platzierten Motorvorbauten, die ihm dieses charakteristische Aussehen verleihen“, erklärte Carlheinz Melder von der Museums-Eisenbahn Minden. Eine Tour mit diesem historischen Gefährt hatte auch der vierjährige Louis Schulte hinter sich. „Ich fand die Fahrt schön, aber die Dampfloks gefallen mir besser“, sagte der kleine Eisenbahnfreund. Seine Mutter Nicole konnte das nur bestätigen: „Wir kommen häufig sonntags hierher, weil ihm die Loks so gut gefallen.“

Kulturbegeisterte durften sich unter anderem auf eine Premiere freuen. Unter „dem alten Baum“ in der Nähe des Zechenbahnhofs stellte das „Tanztheater an der Kippe“ mit einer Mischung aus Improvisation und einstudierten Posen die Vielfalt des Piesbergs dar, während zwei Musiker aus den Niederlanden mit zwölf Gänsen im Schlepptau gute Laune verbreiteten.

Wie immer hielten die Organisatoren aber auch einige Kuriositäten parat. So sorgte der Auftritt der drei Geier des „Theater Pikante“ für einige staunende und verstörte Blicke. Sie schauten ihrem Publikum aus einem Sarg entgegen und gackerten um die Wette. Personen, die ihnen zu nahe kamen, wurden mit kräftigem Gekrähe verscheucht.

Außerdem schlichen zwei mit Besen, Lappen und Greifzangen bewaffnete Raben über das Gelände und kümmerten sich auf ihre Weise um Sauberkeit und Ordnung. So putzen sie nicht nur Schuhe und Uhren, sondern zückten auch schon einmal eine Lupe, um skeptische Blicke in die Ohren der Besucher zu werfen. „Die Idee ist toll, und ich finde es schön, wie gut man mit den beiden interagieren kann“, freute sich eine Besucherin aus Wallenhorst.

Auch die achtjährige Jana Sievert fand die Raben lustig: „Die wollten mir mit ihrer Zange einen Schuh ausziehen und in den Müll schmeißen, aber ich habe ihn nicht hergegeben.“ Zusammen mit ihren Eltern war sie schon häufiger bei Veranstaltungen am Piesberg. „Hier, in dieser natürlichen Umgebung, herrscht einfach eine einzigartige Atmosphäre, die die Innenstadt nicht zu bieten hat“, erklärte Mutter Lilli. Und Vater Thomas ergänzte: „Man fühlt sich immer in vergangene Zeiten zurückversetzt. Die Mischung aus Musik, Kunst und den alten Dampfloks ist einmalig und spricht die ganze Familie an.“