Piesberger Blütenträume verwelkt Osnabrücker Steinbruch sollte zum Gartenhit 2015 werden

Von Dietmar Kröger

Eine schöne Idee, aber leider nicht genug Geld: Die Buga auf dem Piesberg wurde abgeblasen. Foto: Gert Westdörp/Petra BoettcherEine schöne Idee, aber leider nicht genug Geld: Die Buga auf dem Piesberg wurde abgeblasen. Foto: Gert Westdörp/Petra Boettcher

Osnabrück. Die ersten Funde im NOZ-Archiv zur Bundesgartenschau datieren aus dem Jahr 2000. Ein ganzer Aktenordner, darunter auch eine Machbarkeitsstudie aus dem August 2002, dokumentiert den Tanz ums Goldene Kalb Buga, der sechs Jahre dauern sollte. Dann war das Kalb schlachtreif und die Bundesgartenschau in Osnabrück per Ratsbeschluss Geschichte. „Zum Glück“, sagten die einen, „leider“ die anderen.

Dazwischen lag ein munteres Hin und Her zwischen „das schaffen wir“ und „viel zu teuer“. Die Grünen sahen in dem Prestigeprojekt von Anbeginn eine finanzielle Zeitbombe auf die Stadt zukommen, die SPD war erst dafür, dann dagegen, die CDU wollte unbedingt, die FDP verlangte mehr Leidenschaft ohne finanziellen Striptease, und die Linke freute sich am Ende des Todeskampfes über den Schlussstrich.

Was geblieben ist, ist ein Eintrag bei Wikipedia: „Unter dem Motto „Ein Berg im Aufbruch – blühende Aussichten“ sollte die Bundesgartenschau 2015 (Buga) ausgerichtet werden. Der bis dahin entstehende Landschaftspark sollte den Wandel von einem „Berg der Arbeit“ hin zu einem modernen Naherholungsgebiet aufzeigen, in dem die Denkmale alter Industriekultur integriert werden. Der Rat der Stadt Osnabrück hat jedoch im November 2006 aufgrund der ungeklärten Finanzierungssituation mit knapper Mehrheit entschieden, den Auftrag zur Ausrichtung der Buga 2015 zurückzugeben.“

Das große Knieschlottern im Stadtrat war bei 175 Millionen Euro, die die Machbarkeitsstudie als zu erwartende Kosten auswies, durchaus nachvollziehbar. „Ein kräftiger Schluck aus der Pulle“, dachten seinerzeit viele, zumal bis zuletzt nicht klar war, wer denn diese Magnumflasche überhaupt auf den Tisch stellen, geschweige denn, wer sie bezahlen würde.

Pistorius warnte

Eine finanzielle Beteiligung des Landes war avisiert, aber in welcher Höhe völlig unbekannt. EU-Mittel sollten angezapft werden, und auch der Bund wurde immer wieder als Geldgeber genannt. So richtig aus dem Fenster lehnen mochte sich von den potenziellen Finanziers aber niemand.

Gleichwohl wurde sich erst mal munter gefreut, dass ein solches Großereignis überhaupt nach Osnabrück kommen sollte. Am 29. August 2002 fasste der Rat in einer Sondersitzung im Piesberger Gesellschaftshaus den Entschluss, die Stadt in die Bewerbung um die Buga 2015 zu schicken – mit allen Stimmen der CDU, SPD und FDP. Selbst Boris Pistorius fand in dieser Sitzung neben allen mahnenden Worten noch Gefallen an einer Bundesgartenschau in Osnabrück. Im Wahlkampf um den Chefsessel im Jahr 2006 allerdings sah Pistorius seine vier Jahre alten Warnungen Realität werden: keine solide finanzielle Absicherung des Großevents und vor allem eine neue – kostenintensive – Herausforderung.

Der Abzug der Briten und die Nachnutzung der ehemaligen Kasernen waren für den OB-Kandidaten wichtiger als das finanzielle Abenteuer einer Bundesgartenschau. Und so kam es dann, wie es kommen musste: Aus dem Kandidaten wurde ein Oberbürgermeister und aus der Buga nichts, denn schon auf der Tagesordnung der ersten Arbeitssitzung des Rates nach der Kommunalwahl 2006 stand wieder das Thema Buga, allerdings unter gänzlich anderen Vorzeichen als 2002. Die rot-grüne Mehrheit stellte den Antrag, die Bewerbung zurückzuziehen, und konnte sich mit 26 zu 23 Stimmen durchsetzen.

Künstlicher Geysir

Und was ist nun der Stadt entgangen? Schwer zu sagen, schließlich weiß ja niemand, was denn von den zum Teil hochfliegenden Plänen hätte umgesetzt werden können. Vielleicht der künstliche Geysir, der in regelmäßigen Abständen eine 100 Meter hohe Heißwassersäule in den Himmel über Osnabrück spucken sollte? Oder der Skywalk, der den Besuchern einen Blick ins weite Rund des ehemaligen Steinbruchs aus luftiger Höhe gewähren sollte? Oder das Amphitheater, in dem Highlights kulturellen Schaffens auch nach der Buga möglichst viele Besucher nach Osnabrück locken sollten?

Was seinerzeit mit wohlklingenden Worten in der Machbarkeitsstudie als Höhepunkte eines landschaftsarchitektonischen Gesamtkunstwerkes Piesberg angepriesen wurde, hat sich als kunstvoll gezeichnetes Luftschloss entpuppt. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass sich sowohl der Piesberg als auch die umliegenden Flächen weiterentwickelt haben. Die Beerdigung der Buga hat also wahrlich nicht das Ende allen Lebens nach sich gezogen, sondern vielmehr so manches andere zarte Pflänzchen gedeihen lassen.

Es ist zwar wahr, dass die Entwicklung nun wesentlich langsamer vorangeht, als es mit einer Buga als Rückenwind wahrscheinlich gegangen wäre, falsch ist aber, dass durch den Abschied von der Bundesgartenschau ein entwicklungsfähiges touristisches Highlight der Region komplett abgehängt worden ist.

Langsam wächst es

Die Aussichtsplattform, die alte Zechenbahn, Wanderwege, eine Vielzahl von Festen und vieles mehr sind beredte Zeugen einer Entwicklung, die langsam wachsen lässt, was zuvor mit dem Dopingmittel Buga im Rekordtempo hätte installiert werden sollen. Heute sagen zu wollen, dass die Buga eine ebenso nachhaltige Entwicklung zugelassen hätte, ist müßig, weil nicht belegbar.

Das Thema ist jedenfalls Geschichte, und die Zahl derer, die sich im kommenden Jahr daran erinnern werden, dass ja 2015 in Osnabrück eine Bundesgartenschau hätte eröffnet werden sollen, wird überschaubar sein.