Entscheidend ist, was im Kofferraum steckt 80 Fahrer bei der Carsound-Meisterschaft in Osnabrück

Von Hendrik Steinkuhl


Osnabrück. PS, Höchstgeschwindigkeit, Baujahr – völlig uninteressant. Bei den Westdeutschen Carsound-Meisterschaften auf dem Gelände eines Osnabrücker Hi-Fi-Anbieters wurden die teilnehmenden Autos einzig nach ihrem Schalldruck bewertet. Entsprechend mächtig waren die verbauten Anlagen.

Obwohl Toni Witte gerade Westdeutscher Vize-Meister geworden ist, hält er seine Performance für eher mäßig. „Ich bin noch nicht konkurrenzfähig“, sagt der 30-jährige Bünder, der beim Osnabrücker Hi-Fi-Händler Tonartstudio arbeitet. Sein hoher Anspruch an die eigene Leistung ist schnell erklärt: Toni Witte ist mehrfacher Europameister und dreimaliger Vizeweltmeister in der Disziplin „Bass Race“.

Zur Erklärung: „Bass Race“ bedeutet, dass ein Fahrer den Lautstärkeregler seiner Anlage möglichst nah an einen vorgegebenen Dezibel-Wert bringen muss. 30 Sekunden lässt er dafür Musik laufen, am Ende wird der Durchschnittswert errechnet. Hier geht es also um Geschicklichkeit – wer gewinnen will, muss seine Anlage und das Lied in seinem CD-Player genau kennen.

Ganz anders sieht es in der Disziplin „dB Drag“ aus, in die Toni Witte mit seinem Saab 9-5 vor kurzem eingestiegen ist. Hier geht es nur darum, wer den höchsten Schalldruck aus seiner Anlage pressen kann. Die Boxen entlassen dabei lediglich einen Sinuston, für den Laien klingt es wie Baustellenmusik und fühlt sich manchmal an wie ein kleines Erdbeben. In der Szene sagt man dazu schlicht: „Wir brummen.“

Toni Wittes Klasse innerhalb der Disziplin „db Drag“ heißt „Street Trunk“ und ist noch recht neu. Deshalb sei er wohl gleich ins Finale der Westdeutschen Meisterschaften gekommen, obwohl er bislang nur wenig an seinen zwei Endstufen herumgeschraubt habe, sagt Witte. „Das Gehäuse muss genau auf die Resonanzfrequenz des Wagens abgestimmt werden. Je größer das Fahrzeug, desto tiefer die Frequenz.“

Insgesamt 80 Teilnehmer waren zu den Westdeutschen Meisterschaften nach Osnabrück gekommen, organisiert wurde der Wettbewerb von dem Auto-Multimedia-Fachhändler ACR im Hasepark. Neben spektakulären Pokalen für die Sieger konnten alle Teilnehmer Punkte für die Deutschen Meisterschaften sammeln, die im Oktober in der Nähe von München stattfinden.

Zu den bekanntesten Mitgliedern der Szene gehört der Herforder Wengo, der auch laut eigenen Angaben auch nur unter diesem Namen bekannt ist. Im vergangenen Jahr war der junge Mann noch mit seinem Opel Corsa nach Osnabrück gekommen. Den hatte er nun zu Hause gelassen, nachdem ihm unter anderem die A-Säule gerissen war. „Der Corsa ist mein erstes Auto, den möchte ich gerne noch weiter fahren.“ Um gar nicht erst in Versuchung zu kommen, an seinem Wagen mit dem enormen emotionalen Wert herumzuschrauben, habe er ihn fast völlig entkernt. „Der ist komplett leer, da ist nicht mal ein Radio drin!“

Ersetzt wurde der Corsa durch einen Opel Combo, einen Kastenwagen. Darin sind sechs Subwoofer verbaut, die von acht zusätzlichen Autobatterien angetrieben werden. „Die Musik alleine wiegt so 500 bis 600 Kilo.“

Sehr zufrieden mit der Veranstaltung zeigte sich Holger Bettenbühl vom Organisator ACR. „Wir danken natürlich auch der örtlichen Polizei, die viel Verständnis dafür gezeigt hat, dass es hier etwas lauter geworden ist.“

Bedauerlich fand Bettenbühl nur, dass niemand von seinen normalen Kunden am Wettbewerb teilnehme: „Die trauen sich leider nicht, gegen diese hochgerüsteten Wagen anzutreten.“


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