Auftakt der CD-Release-Tour Dienstag im Blue Note: Tingvall Trio gastiert

Von Ralf Döring

Am Dienstag im Blue Note: Omar Rodriguez Calvo, Jürgen Spiegel und Martin Tingvall, das Tingvall Trio. Foto: Steven HaberlandAm Dienstag im Blue Note: Omar Rodriguez Calvo, Jürgen Spiegel und Martin Tingvall, das Tingvall Trio. Foto: Steven Haberland

dö Osnabrück. Das Tingvall Trio zählt zu den berühmtesten Formationen des Jazz, unter anderem, weil es keine Furcht vor Eingängigkeit hat – das beschert Popularität über den engen Kreis der Jazz-Spezialisten hinaus. Am Dienstag gastiert die Formation im Blue Note und stellt die neue CD „Beat“ vor.

Ein Rhythmus auf einem Ton, leicht umspielt vom Becken, dann eine schlichte Melodie, die alle Möglichkeiten offen lässt: So beginnt das neue Album des Tingvall Trios . Martin Tingvall, der schwedische Pianist und Kopf des Trios, entscheidet sich für die liebliche Variante: Was folgt, könnte einer Volkslied-Sammlung entnommen sein. Ein paar Schnörkel, das ganze mit vom Kontrabass mit Terzen unterlegt – so hätten Komponisten der Klassik ein Thema mit Variationen angelegt. Hier wird die Melodie zum Ausgangspunkt eines Jazzalbums, das es in sich hat.Seit knapp einem Jahrzehnt existiert das Tingvall Trio in bewährter Besetzung: zum schwedischen Pianisten Martin Tingvall kommt der Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo aus Kuba und der deutsche Drummer Jürgen Spiegel. Das ist nicht ganz ohne Bedeutung für die Musik, denn die skandinavische Weite bekommt durch Calvo Latin-Puls und durch Spiegel eine treibende Kraft. Denn der Drummer nennt als Wurzeln Rock und Hiphop – womit sich ein Kreis innerhalb der Band schließt, denn auch der Bandleader selbst hat seine ersten Erfahrungen als Keyboarder in Rockbands gesammelt.Allein diese Einflüsse verhindern, dass die Musik des Trios in den Weiten schwedischer Nebellandschaften verwabert. Im Gegenteil: Das Energielevel der neuen CD „Beat“ zeigt kontinuierlich nach oben – mit gewissen retardierenden Momenten. Aber ein Titel wie „I Skuggorna“ treibt massiv nach vorn und bringt durch ein paar melodische Wendungen sogar exotisches Kolorit ins Spiel. „Heligt“ geht in Richtung große Pop-Ballade, die nächste Nummer „På Andra Sidan“ entspricht wieder eher dem flächigen Jazz nordischer Prägung – aber immer getrieben von einer Gespanntheit, die live ihr volles Potenzial entfalten dürfte. „Beat Train“ rennt dann im Up-Tempo los und ist das Gegenteil des lieblichen CD-Intros – hier geht es wild und heftig zur Sache. Doch nicht nur deshalb bereitet diese CD große Freude. Sie weckt noch größere Lust auf das Live-Erlebnis. Tingvall Trio: Dienstag, 9.9., 20.30 Uhr, Blue Note.